«Schöne Akte»:
Blick in eine versunkene Welt

Der Bildband «Schöne Akte» (Das Neue Berlin) zeigt – als Nachfolgeband von «Schön nackt» – erneut Beispiele von Aktfotografie aus der DDR. Insgesamt sind 170 schwarz-weiß Aufnahmen von 24 Fotografen zu sehen, die vor allem einen Blick in eine untergegangene Welt gewähren.

«Mit Freunden über die Welt zu philosophieren, sich Geschichten zu erzählen und die Zukunft zu erträumen – das war ein Stück angenehmer, anregender Alltag in der DDR. Nacktheit war Teil des Lebensgefühls und bedeutete Freiheit, Ungezwungenheit und Selbstbestimmtheit», schreibt Herausgeber Hans-Jürgen Korn in seinem Vorwort. Und gegen Ende ergänzt er: «Aktfotografie in der DDR war kein Aufreger, sondern Anreger für Geist, Seele und Herz – erotischer Genuss, der nicht als Anzüglichkeit missverstanden wurde. Wie das Nacktbaden und der FKK-Strand gehörte sie zum ungezwungenen ostdeutschen Alltag.»

«Schöne Akte - Fotografien aus der DDR»
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24 namhafte DDR-Fotografen hat Korn in dem Bildband versammelt und alphabetisch geordnet. Jedem Abschnitt ist ein Zitat des Künstlers und der Künstlerin vorangestellt, in dem sie ihre Intention erklären. Auf den 192 Seiten entsteht so ein weiterer Einblick in die Aktfotografie der DDR von den 1960er Jahren bis zum Ende des ostdeutschen Staates. Ein Einblick, der viele künstlerische Positionen darstellt, der die Vielfalt der Handschriften sowie Qualitäten wiedergibt: von ambitionierter Hobbyfotografie bis zu ausgefeiltem künstlerischen Ausdruck.

«Schöne Akte» präsentiert – wie es der Titel sagt – schöne Aktaufnahmen. In den allermeisten Fällen werden junge, schlanke Frauen abgebildet. Natürliche Körper, weder retuschiert noch operiert, nur selten rasiert. Die Aufnahmen provozieren nicht. Sie sind meist klassisch harmlos. In der präsentierten Auswahl wirkt die Aktfotografie der DDR überwiegend bieder und unkritisch. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass die ausgewählten Fotografen alle Jahrgang 1958 oder älter sind – mithin eine ganze Generation an Nachwuchskünstlern nicht vertreten ist.

Doch zum Glück gibt es in dem Band auch Arbeiten von Hans-Ludwig Böhme, Klaus Elle, Joachim Kirchmair, Günter Rössler, Monika Schulz-Fieguth, Norbert Vogel sowie einzelne andere Highlights. Das sind Arbeiten, die heute noch ansprechen und berühren, Arbeiten, die universeller sind. Aufnahmen, Motive und Kompositionen, die auch heute noch frisch, die mehr als nur schön sind.

Bleibt die Frage: War die DDR in Sachen Nacktheit wirklich so viel unverkrampfter als der Westen? Keine Ahnung. Es war wohl anders. Und trotzdem sind die fotografischen Intentionen der Ost-Fotografen nicht so viel anders wie die ihrer westlichen Pendants. Auch in Sachen Ausdruck, Stil und Sprache sind durchaus Gemeinsamkeiten, Anklänge und Parallelen zu erkennen – über den Eisernen Vorhang hinweg. Die Aktfotografie der DDR war anders, aber nicht komplett anders. Es gab auch Gemeinsamkeiten mit dem Westen. Und das ist wohl das interessanteste an «Schöne Akte – Fotografien aus der DDR».

Schöne Akte: Fotografien aus der DDR (Das Neue Berlin) (Affiliate-Link)
192 Seiten; 19,95 Euro

 

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