Naturfoto:
Auf den Hund gekommen

Schnappschussbereitschaft zahlt sich grade in Städten immer wieder aus.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Otto Friedmann).

Kommentar des Fotografen:

Kürzlich war ich am Mythenquai in Zürich unterwegs, um eine Wucherung an einem Baum zu dokumentieren. Durch Zufall habe ich auf den See geschaut und einen „Kampf“ zwischen einem badenden Hund und einem ihn angreifenden Schwan gesehen. Reflexartig habe ich die umgehängte Kamera aufgehoben, sie dabei mit einer Hand eingeschaltet, gleichzeitig mit der andern Hand das Tele aufgedreht, sofort anvisiert und 2x abgedrückt. Zeit für Einstellungen hat es keine gegeben, wenige Sekunden später war alles vorbei, der Schwan hat sich gleich danach entfernt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Otto Friedmann:

Ein Schwan im Wasser bäumt sich auf dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme über etwas auf, was erst auf den zweiten Blick als der Kopf eines schwimmenden Hundes zu erkennen ist.

Eine solche Szene habe ich diesen Sommer ebenfalls am Zürichsee miterlebt, wobei ein Schwanenpaar nicht einen Hund, sondern einen fremden Jungschwan aus einem Hafenbecken vertrieb:

Und dabei war keineswegs alles in Sekunden vorbei: Die Aggression, mit der einer der beiden Vögel das verzweifelte Jungtier regelrecht unter Wasser drückte, machte sehr den Eindruck, dass er es skrupellos ersäufen würde, sollte ihm nicht die Flucht gelingen (die dank Eingriff von Passanten knapp gelang). Eine weitere Passantin schilderte danach, dass ihr mittelgrosser Hund auch schon sehr bedrohliche Bekanntschaft mit wütenden Schwänen gemacht hatte, die ihm buchstäblich ans Lebendige wollten. Damit sei für einmal auch gesagt, dass die edlen Liebessymbole ganze miese Tyrannen sein können.

Insofern würde ich den Kampf hier nicht in Anführungs- und Schlusszeichen setzen, denn darum handelte es sich zweifellos. Du hast vielleicht nicht die beste Szene daraus erwischt, und mit der Nikon D300s mit 8 Bildern pro Sekunde hättest Du auch einfach draufhalten, den Fokus in der Serie ins Bild hineinlaufen lassen und zwei Sekunden statt zweimal abdrücken können – was allerdings voraussetzt, dass Du bereits die Einstellung für Schnellfeuer an der Kamera vorgewählt hast. Ich habe zu zwei Dingen Fragen: Einmal dazu, dass Du Dich entschieden hast, die Szene als Schwarz-Weiss-Bild abzuspeichern, wofür es wenig Grund gibt und was sie von der Komposition her nicht ist. Und zur relativ geschlossene Blende 11, die für eine etwas zu lange Belichtungszeit sorgte, wodurch das Wasser in der Szene doch recht zähflüssig und unscharf erscheint.

Wer unterwegs immer wieder an spannenden Szenen vorbeizukommen hofft oder auch so schnelle Strassenfotografie machen will, sollte wahrscheinlich sicherheitshalber eine relativ weit offene Blende, jedenfalls die Automatik und den Schnellfeuer-Modus vorgewählt lassen, und die Einstellungen für gezielte Aufnahmen um- und danach wieder zurückstellen.

Grade bei Action-Szenen, aber auch bei einfacheren Porträts von Menschen auf der Strasse lohnt es sich, immer eine Serie von Aufnahmen zu machen. Zu oft hat man sonst, wenn man sparsam nur zweimal den Auslöser drückt, eine Person mit geschlossenen Augen, einen Hund mit abgedrehtem Kopf oder eben einen Schwanenkampf mit zähflüssigem Wasser im Endstadion auf dem Sensor.

Als Schnappschuss ist Dein Bild interessant, allerdings vor allem aus Interesse am Vorgang, den es zeigt, und kaum am künstlerischen Ausdruck – der in Strassenfotografie durchaus vorhanden sein kann.

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1 Antwort
  1. Swonkie says:

    Ich habe mich auch gefragt weshalb das Bild s/w ist. Es geht ja bei diesem Schnappschuss offensichtlich um die Action. Man sollte also möglichst viele Details erfassen können. Dabei hilft Farbe und eventuell auch eine kleine Korrektur am Helligkeitsverlauf.

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