Industrielandschaft:
Industrial Color-Key

Der kleine Mensch inmitten von großen Maschinen: So wirkt diese Riesenrad-Szene in Schwarz-Weiß, bei der die größte Fläche farbig hervorgehoben wurde.

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Kommentar des Fotografen:

Meine Interpretation einer Situation im Riesenrad im Wiener Prater: Mir gefällt, dass die zweite Person des romantischen Dinners praktisch vollständig vom Fensterrahmen verdeckt ist. Der rote ColorKey im kontrastreichen schwarz-weiß soll ein wenig an SinCity erinnern, da die eigentliche Szene ja eher romantisch ist. Bin gespannt auf die Profi-Kritik.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Lars Röglin:

Schwarz-Weiß-Fotos leben von Kontrasten und der Komposition. Spannend wird es, wenn durch den Color-Key-Effekt der Kontrast durch eine zusätzliche Farbe – im gezeigten Fall Rot – entsteht und damit die Aussage “Schwarz-Weiß-Bild” fast konterkariert wird. Außerdem kann ein Color-Key-Effekt durch übertriebenen Einsatz schnell kitschig oder peinlich wirken.

Beim Foto von Lars Röglin passt der Effekt jedoch erstaunlich gut.

Das hat mehrere Gründe. Fangen wir außen an und arbeiten uns nach innen vor. Das Foto ist symmetrisch aufgebaut, was oft eine Sogwirkung ins Bild hinein entfaltet. Durch die harte Sonne von oben links wird sie etwas aufgelockert, da die Schatten nicht gleichmäßig verteilt sind. Die starke Sonneneinstrahlung sorgt außerdem für eine knackige Hell-Dunkel-Verteilung im Bild, die besonders Schwarz-Weiß-Fotos gut steht.

Das knallige Rot in der Mitte sorgt für den Hingucker und erleichtert es, im Gewirr von Metallträgern, Drahtseilen, Geländern und Betonwänden das eigentliche Motiv – eine Art Eisenbahnwagon zu erkennen. Innerhalb dieses “Hinguckers” gibt es ein “Bild im Bild”, auf dem ein älterer Mann im Profil durch das Fenster zu erkennen ist.

Du fandest es faszinierend, dass die Person gegenüber nicht zu erkennen ist, aber ich bin mir da nicht so sicher, ob dieser Kunstgriff geglückt ist. So wirkt es, als würde der Mann mit einem Strauß Rosen flirten, was die Szene skurril wirken lässt. Andererseits passt das wiederum angesichts der metallenen Konstruktion, bei der ein Betrachter sowieso nicht automatisch an ein romantisches Rendevouz denken würde. Die Assoziation mit der Filmästhetik von “Sin City” liegt hier in der Tat nah.

Verbessert werden können hätte die Kombination aus Belichtungszeit und ISO-Wert. Ich bin mir sicher, dass sich das Riesenrad nicht so schnell bewegt hat, dass 1/3200 Sekunde notwendig gewesen wären. Mit 1/1600 oder 1/800 Sekunde hätte der ISO-Wert auf ISO 400 oder gar ISO 200 gesenkt werden können, was in Druckgröße zu einer Rauschreduzierung geführt hätte.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Lars Röglin
    schrieb am 6. Dezember 2011 um 18:55 Uhr (#)

    Zunächst mal Danke für die durchaus positive Kritik.
    Zur Belichtungszeit muss ich leider zugeben, dass sich das Riesenrad in dem Moment gar nicht bewegt hat. Der hohe ISO-Wert ist einem klassischen Bedienfehler geschuldet. Während der Wartezeit habe ich in einem recht dunklen Raum fotografiert, in dem die Geschichte des Riesenrads in Dioramen präsentiert wird und den Wert danach nicht wieder korrigiert. :-(
    Noch zum Vergleich: Das Original (noch komplett in Farbe) und ein paar weitere Bilder dieses Wien Besuchs habe ich auch in einem Google-Album.

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