Paolo Pellegrin:
Der glaubwürdige Zeuge

Magnum-Fotograf Paolo Pellegrin sieht sich als glaubwürdigen, verantwortlichen Zeugen der Ereignisse, von denen er uns berichtet: Krieg, Katastrophen, Elend.

Zivilisten suchen nach Überlebenden nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Beirut. Libanon 2006. © Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Zivilisten suchen nach Überlebenden nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Beirut. Libanon 2006. © Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Pellegrin will “Aufzeichnungen für unser kollektives Gedächtnis schaffen”, schrieb er einmal selbst. Wir sehen Rückblicke auf seine “Aufzeichnungen” der letzten zehn Jahre aktuell in München und Innsbruck.

Von der Welt, in der wir nicht leben, erfahren wir das meiste durch die Medien. Menschen riskieren ihr Leben, um für ihre Freiheit zu demonstrieren und an die Weltöffentlichkeit zu appellieren. Paolo Pellegrin sieht sich dabei in der Rolle und in der Verantwortung eines Zeugen. Er sucht den direkten Kontakt zu den Menschen im Elend, in Kriegsgebieten, in gefährlichen, unberechenbaren Situationen. Der gebürtige Römer zeigt Sympathie und Respekt für die vielen Namenlosen. In seinen Aufnahmen kommen die grausame Wirklichkeit und die fotografische Komposition zusammen zu drastischen, glaubwürdigen und teilnehmenden Bildern.

Paolo Pellegrin will seine Fotografien offen halten, wie er auf der Magnum-Website ausdrückt: “Unfertige Fotografie interessiert mich mehr, eine andeutendes Bild, das eine Diskussion oder einen Dialog auslösen kann. In geschlossene, fertige Bilder gibt es keinen Weg hinein.”

© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

© Paolo Pellegrin / Magnum Photos

Bilder allein genügen jedoch noch nicht zum ganzen Verständnis seiner Aufzeichnungen der harten Wirklichkeiten. Deshalb ergänzt Paolo Pellegrin seine Bilder um “glaubwürdige”, schriftliche Erfahrungsberichte und Kommentare – in seinen vielen Büchern zum Beispiel oder auch als als Kolumnist im ZeitMagazin. Seine Reportagen erscheinen regelmäßig im New York Times Magazine und in der Newsweek.

Paolo Pellegrin, Jahrgang 1964, hat vor der Fotografie Architektur und Kunstgeschichte studiert. Bisher gewann er schon acht Mal beim World Press Photo Award und ist seit 2005 Mitglied der Fotoagentur Magnum. Dort auf der Website von Magnum finden wir das Portfolio von Pellegrin, auch einige Bücher. Wegen der strengen Copyright-Regeln von Magnum dürfen wir hier bei fokussiert.com nur zwei Fotos von ihm zeigen.

In der aktuellen Retrospektive bei der Bayrischen Versicherungskammer in München sind auch ganz aktuelle Arbeiten zu sehen, wie die zwölf Meter breite Foto-Installation über die Katastrophe von Fukushima oder die Demonstrationen auf dem Tahrirplatz in Kairo. Einen weiteren Überblick über Pellegrins Arbeit gibt es unter dem Titel “Dies Irae” – Tag des Zorns – im Fotokunst Stadtforum Innsbruck bis 14. Januar 2012. Das Buch Dies Irae (Affiliate-Link) erschien 2011 im Contrasto-Verlag.

Paolo Pellegrin - Retrospektive
Bis 20. Februar 2012
Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern, Maximilianstraße 53, D-80530 München
+49 (0) 89- 21 60-0, service@vkb.de
Geöffnet täglich 9 – 19 Uhr, an gesetzlichen Feiertagen geschlossen, Eintritt frei.

Paolo Pellegrin – Dies Irae
Bis 14. Januar
BTV Fotokunst Stadtforum Innsbruck, Stadtforum 1, A-6020 Innsbruck
+43 (0)50 53331417, info@btv-fokus.at
Geöffnet Montag bis Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 15 Uhr

Pellegrin bei Magnum
Ausstellungen der Versicherungskammer Bayern
BTV Fotokunst Stadtforum Innsbruck

 

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