Landschaft in HDR:
Dramatische Morgenröte

HDR als Werkzeug kann hilfreich sein, ein Foto mit schwierigen Lichtverhältnissen hinterher abzurunden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Katharina Neumann (alias im internet Noord)).

Kommentar des Fotografen:

Eigentlich wollte ich an dem Morgen ganz woanders sein. Unterwegs bemerkte ich am allerersten leichten Rot am Horizont, dass ich ca. eine Viertelstunde zu spät war. Als ich an dieser Stelle vorbei kam, stoppte ich kurzerhand und baute mein Stativ auf. Obwohl ich einen Filterhalter für das 7-14mm Zuiko besitze (Sonderanfertigung), reichte der Cokin X121 Grauverlauffilter nicht aus (2 Filter geht nicht – Vignettierung), um die Dynamik fest zu beherrschen. Deshalb machte ich eine Belichtungsreihe und verarbeitete das Ganze hinterher mit Photomatix Pro 4.0. Ich fand es sehr schwierig, dabei einerseits nicht zu übertreiben, andererseits aber auch die enorme Farbenpracht dieses Morgens wiederzugeben. Auch vom Bildaufbau hatte ich wenig Möglichkeit. Hinter meinen Füßen der Asphalt der Strasse, rechts und links Weidedraht.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Katharina Neumann (alias im internet Noord):

Die Farbenpracht dieser Szene hatte es mir von vorneherein angetan. Man sollte eben immer seine Kamera mitführen – oder wie in Deinem Fall eine volle Ausrüstung. Dann kann man seinem Impuls folgen und auf dem Weg irgendwo anders hin eine Aufnahme machen, die außergewöhnlich ist. Ich mache oft nur eine Aufnahme in RAW und verwandele sie dann hinterher in ein Pseudo-HDR, wenn ich kein Stativ bei mir habe (was meistens der Fall ist).

Daß es sich um ein HDR handelt, hätte man auch ohne Deine Erklärung gesehen – allerdings hast Du das Bild so behandelt, daß die sonst unangenehmen Nebeneffekte wie Quietschfarben und Auraeffekte nicht sichtbar sind. Du schreibst nicht, daß Du auch ein Nachbearbeitungsprogramm wie Photoshop benutzt hättest, daher gehe ich davon aus, daß Du bereits in Photomatix daran „herumgefeilt“ hast, bis es optisch stimmte (keine einfache Sache).

Von der Gezwungenheit des Standpunktes sehe ich hier als Betrachter nichts, was gegen Dich als Fotografin spricht. Du hattest trotz der (optisch) beengten Verhältnisse Deine Komposition voll im Griff. Die Geraden verlaufen gekonnt durch das Bild, und da sich der gerötete Himmel ebenso dramatisch im Bachverlauf wiederspiegelt, ist der Verlauf des Gewässers genau da richtig, wo er sich optisch befindet. Er ist Vordergrund, aber auch gleichzeitig optisches Echo des Hintergrunds.

Das einzige, an dem ich noch herumgefeilt hätte, ist der Bereich links oben auf der Wiese. Obwohl von der Morgensonne direkt beleuchtet ist er dunkler, als er für mich sein sollte. Durch HDR kommen manchmal solche Stellen ins Bild. Ich hätte ihn deshalb optisch nur ein klein wenig aufgehellt.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Antworten
    • Uwe S. says:

      Ups! Doppelte Verneinungen sind oft missverständlich. Ja, das, was man da sieht, spricht für die Fotografin.

      Die dunklen Bildecken etwas aufzuhellen finde ich einen Versuch wert, weil es der Landschaft mehr Weite gäbe.

  1. Katharina Noord says:

    Hallo Sofie,

    erstmal herzlichen Dank.
    Mit der Wiese hast Du Recht. Das sind diese Dinge, die einem selbst nicht auffallen.
    In der Tat habe ich an den Farben etc. nichts mehr verändert nach der Verarbeitung in Photomatix. Lediglich Dfine 2.0 nochmal drüber laufen lassen für das letzte kleine bißchen Bildrauschen.

    lg, Katharina

    Antworten

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