Teichromantik:
(Zu) Ausgeglichen

Manchmal kann man alles richtig machen und dennoch kein perfektes Bild produzieren. Oder vielmehr ist das perfekte Bild nicht aufregend genug.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Stoffel).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Stoffel).

Kommentar des Fotografen:

Vierminütige Langzeitbelichtung nach Sonnenuntergang sorgte für eine schöne Farbstimmung und klare Reflektion im Wasser.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Alexander Stoffel:

Ein Teich im letzten rötlichen Licht nach dem Sonnenuntergang spiegelt sich in dieser Querformataufnahme. Auf der linken Bildseite bedeckt ein Baumbestand den Bereich des gegenüberliegenden Ufers, in der Mitte wachsen Schilfbüschel aus dem durch leichte Wasserbewegung weichgezeichneten Wasser und rechts steht ein einsamer, entlaubter Baum seinem Spiegelbild gegenüber.

Diese überaus friedvolle, ruhige Landschaftsaufnahme ist nach den gängigsten fotografischen regeln durchaus “korrekt” komponiert und technisch umgesetzt.

Vielleicht gäbe es ein paar Hinweise, wie die Lage des Ufers etwas überhalb der Bildmitte und der Umstand, dass die Wasseroberfläche leicht nach rechts wegzukippen scheint.

Aber alles in allem will mir mein Kopf weismachen, dass es sich um ein recht gelungenes Bild handelt, das mich ansprechen müsste. Das tut es aber nur bedingt: Es ist zu ausgeglichen, zu ruhig, zu wenig herausfordernd. Die Anordnung der Elemente ind er Komposition schafft einerseits die Ruhe, die das Bild ausstrahlt – aber sie ist gleichzeitig für die Lange Weile und den Mangel an Tiefe verantwortlich, die sich schnell bemerkbar machen. Zwar handelt es sich um eine interessante Form der Spiegelfotografie, weil keine blitzgerade Wasserlinie die beiden Bilder trennt, sondern der unruhige Uferverlauf für eine auf den ersten Blick leicht verwirrende Spiegelbilddarstellung sorgt.

Dafür aber sind die Objekte der Siegelung in einer allzu ausgeglichenen Art auf dieser Linie verteilt, es gibt auch im Ansatz keinen Vorder- und wirklichen Hintergrund, Und obwohl die Reflexion des Lichten Himmels im Wasser eigentlich wunderbar in die Bildmitte hinein mäandriert, zieht mich das Bild nicht wirklich hinein.

Irgendwie erweckt das Bild den Eindruck einer Kulisse, eines Bühnenbildes, das dem Vordergrund eine stimmungsvolle Grundlage geben, aber nicht aus sich selber heraus die Aufmerksamkeit des Betrachters beanspruchen kann. Es fehlt, wenn nicht an “Action”, dann doch an einem Schauspieler, der sich in dieser wunderbaren Umgebung hervortut und die Blicke auf sich zieht.

Vielleicht hättest Du das mit einem Objekt im Vordergrund hingekriegt, das die Bühne genützt hätte, oder ein Element der Kulisse durch einen anderen Standpunkt stärker betonen können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Wer Ruhe und Harmonie sucht, wird sie in dieser stimmungsvollen Aufnahme finden; ich nehme an, dass dies auch das Ziel des Fotografen war. Wenn es einem jedoch nach Action (auch nur in homöopatischer Dosis)gelüstet, dann fehlt diese.

    Muss wirklich noch Herausforderung ins Bild? Oder ist dieser Wunsch von der Stimmung, den Vorlieben oder der Geduld des Betrachters abhängig?

    Grüsse, Esther

  2. Für echte Harmonie fehlt der Punkt, auf dem das Auge ruhen kann und von dem aus es in das Bild gezogen wird.

    Meiner Meinung nach ist hier passiert, was ich häufig auf Bildern von Spiegelungen sehe: Es fehlt die Gewichtung im Bild. Es ist nahezu symmetrisch, aber eben nicht wirklich symmetrisch aber eben auch nicht asymmetrisch und dadurch spannungsgeladen.
    Die Bäume links fügen dem Bild nichts hinzu und lenken lediglich von dem sehr schönen Baum rechts der Bildmitte ab. Eventuell hätte hier das Hochformat helfen können und ein etwas niedrigerer Standpunkt, sodass Größe von Baum und seinem Spiegelbild überein kommen.
    Aber: Herrliche Farben!
    lg, Katharina

  3. Auch ich war ein wenig hin- und hergerissen. Insofern kann ich die Ambivalenz sehr gut nachvollziehen, die in Peters Rezension und den bisherigen Kommentaren anklingt. Nachdem ich das Bild etwas länger habe wirken lassen, kann ich die widersprüchlichen Empfindungen ein Stückweit in Worte fassen: die Komposition ist vielleicht zu voll bzw. überladen, um die beabsichtigte Wirkung von Statik und Ruhe umsetzen zu können.

  4. Ich bin seit 2 Minuten auf “fokussiert.com” – und meine
    zweierlei auf Anhieb sehen zu können :
    1.
    Der Rezensent hat wohl Recht: Das Bild bietet einerseits Wunderschönes – warmes Apfelkupfergold trägt die Restwärme eines möglicherweise sonnigen Tages in sich, düsteres Strauchwerk und wohl herbstlich entlaubte Baumkronen greifen in eine baldige Nacht…Abschied, der Tag geht, die Kälte kommt ? Aber so dramatisch wird es nicht, die gleichmäßige cognacfarbene Tönung gibt dem Bild etwas ausgeglichen Zurückhaltendes.
    Wie P.S meint – es könnte der Hintergrund sein für einen Auftritt – eine Phalanx Wasservögel, eine Formation Enten, die sich in die Dämmerung bewegen, oder eine vermoderte Baumleiche, die ins Bild schwimmt.
    Von links unten, an der ersten Drittellinie.
    Oder der Hintergund für eine Produktwerbung. Tatsächlich kam mir ein Glas in Übergröße, schräg geneigt im Vordergund, drittelgefüllt…
    2.
    Und zweitens meine ich sehen zu können, warum vielleicht doch nicht so oft kommentiert wird wie erwartet oder erhofft – sprachlich analytische Kommentierung bis hin zur Bewertung auf Basis konsensgedeckter Regeln der Komposition sind weit weg vom intuitiven Fotografieren, zeitgeistig teilweise problematisch – und leider meistens etwas konfrontativ .

    Ich halte das aber für unvermeidbar und interessant – innerhalb eines selbstgewählten, selektiven Nutzerkreises.

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