Venedig bei Nacht:
Der Canale in “manuellem HDR”

Liebe zum Detail lohnt sich, auch wenn das Ergebnis nicht vollkommen perfekt ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).

Kommentar des Fotografen:

Mein Ziel war es, von der Rialtobrücke aus die wunderbare Architektur Venedigs, das Leben am und auf dem Wasser und gleichzeitig auch die Ruhe des Canale auf meinem Bild festzuhalten. Dies “by night”. HDR Software macht mich meistens nicht glücklich. Ich habe eine Belichtungsreihe von 3 Fotos erstellt und diese manuell in CS5 zusammengefügt. Ich bin gespannt, was Profis zu meinem Bild sagen. Bei der Wahl der Kategorie bin ich unschlüssig.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Claudia Portmann-Caminada:

Zunächst einmal Glückwunsch zu diesem meines Erachtens beeindruckenden Foto. Wie schon oft erwähnt ist es extrem schwierig, von bekannten Motiven noch interessante Fotos zu machen, und wenn sie dann noch so bekannt sind wie der Canale, fast unmöglich. Trotzdem hast Du es geschafft, mir hier etwas Neues zu bieten – Hut ab!

Du schreibst, HDR Software mache Dich meistens nicht glücklich. Wenn ich Dir auch insofern recht geben muß, daß oft unerwünschte Effekte mit ins Bild kommen, hätte HDR, etwa durch Photomatix hergestellt, hier sicherlich auch einen interessanten Effekt ergeben:

Den man natürlich hätte nachbearbeiten müssen, damit das Bild nicht auf mehrere Meter nach HDR aussieht. Du hast hier einer beliebte Nachbearbeitungsmethode die kalte Schulter gezeigt und MANUELL drei Aufnahmen zusammengesetzt. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, daß das nicht wenig Aufwand bedeutet, aber wie hier ersichtlich lohnt sich die Liebe zum Detail.

Zur Komposition: der Horizont/Fluchtpunkt ist in Deinem Bild aus dem Goldenen Schnitt heraus verschoben, so daß man im Vordergrund viel Wasser sieht, das von den Lichtern der Häuser und Laternen flankiert wird. Da der Himmel jedoch ebenfalls vollkommen schwarz ist, kommen dadurch die Lichter, die sich wie eine Perlenkette links und rechts durch das Bild reihen, noch mehr zur Geltung – ein meines Erachtens gelungener Regelbruch, der Dynamik ins Foto bringt.

Das einzige, was ich hier anzumerken habe, ist, daß die Boote vorne links verschwommen wirken. Das mag der langen Beleuchtungszeit geschuldet sein – das Wasser sieht vollkommen ruhig aus, aber vielleicht kamen sie leicht in Bewegung. Außerdem ist das Bild zu den Ecken hin leicht verzerrt, was aber nicht weiter auffällt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Das Foto hat eine schöne Lichtstimmung, auch wenn ich es insgesamt für etwas zu dunkel halte. Aber mal eine technische Frage: Was macht denn im Bildergebnis den Unterschied, ob man die Bilder “manuell” übereinander legt oder es ein HDR-Programm erledigen lässt? Auch dort muss doch dann fine-tuning betrieben werden.

  2. Es ist ein anderer Ablauf, und insofern ist das Foto hier kein wirkliches HDR. HDR Software verändert das Endergebnis in EINER Bilddatei so, daß die Verlaufskurve sich in der Mitte befindet, es gibt keine wirklichen Extremwerte Hell/Dunkel, der Kontrastumfang ist höher als bei einem “normalen” Bild. (Ich bin kein Informatiker, das kann man bestimmt auch ganz technisch erklären.) Man kann etwa in Photomatix das Ergebnis mit Tone Mapping beeinflussen, BEVOR das Programm seine Arbeit macht, aber der Grund für die Nachbearbeitung ist ja, daß unerwünschte Effekte wie Aureolen und Quietschfarben auftauchen.

    Wenn ich hingegen manuell Bilder übereinander lege, kommt dabei kein wirkliches HDR heraus, weil der Kontrastumfang nicht wie bei HDR erhöht wird. Man holt lediglich von verschiedenen Versionen des Fotos Elemente in das Endergebnis. Dafür brauche ich keine spezielle Software.

    Ja, so gesehen ist HDR Spielerei – aber coole Spielerei. Und gut gemacht siehts manchmal atemberaubend aus. Erstens aber ist HDR nicht NOTWENDIG für ein gutes Bild, es ist lediglich eine weitere Art von Nachbearbeitung, und zweitens ist nicht aus jedem Foto ein effektvolles HDR zu machen, wie hier ja schon öfter besprochen wurde.

  3. Es ist genau so: Bei einem HDR-Bild ist der mögliche Kontrastumfang wesentlich größer.

    Aber: Um HDR-Bilder auf normalen Ausgabegeräten wiedergeben zu können, müssen sie wieder auf den Dynamikumfang des Ausgabegerätes herunter gerechnet werden. Es entstehen wiederum LDR-Bilder. Scheinbar hat man nichts gewonnen.

    Entscheidend ist, welches Verfahren beim Herunterrechnen von HDR auf LDR, dem sog. Tone Mapping, zum Einsatz kommt. Verringert man den Kontrast bei kontrastreichen Bildteilen stärker, als bei kontrastarmen, wird der Detailreichtum im Vergleich zu einer Einzelaufnahme gesteigert. Der ursprüngliche Helligkeitseindruck geht dabei verloren. Je nach Wahl der Verfahren und der Parameter entstehen mehr oder weniger Artefakte, die in künstlerischer Freiheit zur Gestaltung benutzt, oder in der Nachbearbeitung entfernt werden können.

    Vereinfachend kann man sagen, dass der Umweg über HDR entweder den Detailreichtum von kontrastreichen Bildern erhöhen kann, oder zur Erzeugung von Artefakten zur künstlerischen Gestaltung dienen kann.

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