Kühlturm in Abstraktion:
Der Blick nach oben

Interessante Motive können überall gefunden werden, wenn man nur hinschaut.

Kommentar des Fotografen:

“A Hole in the Sky” – Ich habe das Bild in einem stillgelegten Kühlturm in Belgien aufgenommen. Mir hat die imposante, massive Struktur des Kühlturms mit dem kleinen Loch Himmel imponiert. In dem Turm zu stehen war ein besonderes Erlebnis, mit dem Bild habe ich versucht die ganz besondere Stimmung einzufangen. Zum Einsatz kamen eine 5D Mark II mit einem TS-E 17mm Objektiv. Entstanden ist das Bild aus 3*3 Aufnahmen (Bracketing mit drei Belichtungen bei shift auf -12mm, 0mm und +12mm)

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Frank Noir:

Erst einmal Glückwunsch zu dieser Aufnahme! Wenn Du mir nicht gesagt hättest, daß es sich um einen stillgelegten Kühlturm handelt… Auf Deinem Flickr ist er dann zu sehen, wie er URSPRÜNGLICH aussieht. Um es mit einem der Kommentare zur unbearbeiteten Version zu sagen:

“Das sieht verdammt stark aus.” Gute Motive können eben im Detail stecken, wie auch im ganzen Objekt, wenn man nur richtig hinschaut. Es lohnt sich, um Dinge herumzugehen, hineinzuschauen, der Blick über die Schulter – oder wie hier nach oben. Von außen ist er bei weitem nicht so attraktiv. Ein häßlicher Kühlturm eben. Innen erst ist er optisch interessant.

Da Du hier ein extremes Weitwinkelobjektiv benutzt hast, wird aus dem Kühlturm, der offensichtlich ziemlich massiv war, ein Abstraktfoto, bei dem sich Kreise vom oberen Bildrand aus wie Wellen nach unten ausbreiten. Gleichzeitig wird durch die Nachbearbeitung der Kontrast von oben nach unten dunkler.

Daß sich der hellste Kreis genau in der Mitte befindet (horizontal gesehen) und aus dem Goldenen Schnitt heraus verschoben ist (vertikal betrachtet), trägt hier meines Erachtens gekonnt zum Bild bei. Hättest Du alle kompositionellen Regeln genau befolgt, wäre ein langweiligeres Foto dabei herausgekommen – einer der Fälle, wo Regelbruch funktioniert. Was sich Dir beim Blick nach oben geboten hat, macht dieses Bild auch für mich aus.

Es ist weiterhin für mich ein Beispiel dafür, daß einfach komponierte Fotos am effektvollsten sind, weil sie den Betrachter nicht überwältigen, ihm aber doch genug bieten, um im Bild hängenzubleiben.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Kommentare

  1. Dr. Thomas Brotzler
    schrieb am 25. Januar 2012 um 23:32 Uhr (#)

    Eine tadellose Arbeit – fast zu schade, um nur im Internet präsentiert zu werden. So etwas beginnt m. E. erst im großformatigen Druck zu leben.

    Vergnügt nahm ich zur Kenntnis, daß Frank mit der selben Ausrüstung wie ich (Canon EOS 5D Mark II und TSE 17 4.0L) unterwegs ist. Wer so etwas mit einem bereits ungeshifteten Öffnungswinkel von 104 Grad am Vollformat und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten einmal in den Händen hatte, wird es nicht mehr missen wollen.

    1. Sofie Dittmann
      schrieb am 26. Januar 2012 um 00:33 Uhr (#)

      Die Kamera hätte ich auch gern, werde allerdings noch weiterhin mit meinem Rudimentärsortiment weiter machen müssen.

    2. Uwe S.
      schrieb am 26. Januar 2012 um 05:41 Uhr (#)

      Eure Begeisterung für Technik gönne ich euch, und doch hat die verwendete Kamera lediglich einen Sensor im Kleinbild-Format (36 x 24 mm). Echte Top-Kameras haben ein Vielfaches an Sensorfläche und können Bilder liefern, die hinsichtlich Schärfe, Dynamik und tonaler Ausgewogenheit deutlich überlegen sind.

      Aber zum Glück für Normalverdiener soll es hier um Bilder gehen und nicht um Kameras.

      Dem Lob meiner Vorredner für Bildidee, Gestaltung und Ausführung schließe ich mich gerne an.

    3. Sofie Dittmann
      schrieb am 26. Januar 2012 um 18:03 Uhr (#)

      Hab ja auch schon bemerkt, dass manche Leute mit Holgas bessere Bilder schiessen als andere mit Hasselblads. :)

  2. Frank
    schrieb am 26. Januar 2012 um 15:40 Uhr (#)

    Erstmal vielen Dank für die Kritik! Freut mich, dass das Bild gefallen hat.

    Eine Kleinigkeit: Auf meinem Stream sind zwei Kühltürme zu finden. Der mit dem Kommentar (http://flic.kr/p/aStiZF) ist ein anderer als der hier abgebildete (http://flic.kr/s/aHsjvna9Zw)

    1. Sofie Dittmann
      schrieb am 28. Januar 2012 um 04:15 Uhr (#)

      Ja, aber der Kommentar hat mir da besser gefallen. :)

  3. Dave Makoun
    schrieb am 1. Februar 2012 um 22:02 Uhr (#)

    Das Motiv gewinnt durch seine rhytmische Struktur und den Übergang von Stabilität im unteren Teil zu einem aufgerollten Tunnel. Ich finde, dieses Bild entfaltet eine interessante Sogwirkung (vor allem durch die Asymmetrie in der Vertikalen). Blicke ich auf die ersten zwei Absätze unter dem Bild und lasse meinen Blick immer wieder nach oben und nach unten wandern, stellt sich für mich außerdem ein ähnlicher Effekt wie bei “mind warp” (für alle, die es nicht kennen: Google-Bildersuche bringt sofort das richtige Ergebnis) ein, mit dem Unterschied, dass es mich ins Bild zieht.

    Was ich noch interessant gefunden hätte: Wie sieht es mit größerem Rahmen (und entsprechend mehr Kühlturm) aus? Aber das nur nebenbei. Gute Arbeit! :)

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