Langzeit-Landschaft:
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Bewegte Objekte hinterlassen in Langzeitaufnahmen ihre Spuren. Es lohnt sich, deren Verlauf genau zu planen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fabio Walser).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fabio Walser).

Kommentar des Fotografen:

Ich habe dieses Foto am 27. November 2011 aufgenommen. Es zeigt den Pilaus, Luzerns Hausberg, etwa 30 min nach Sonnenuntegang. Auf dem im Vordergrund liegenden Vierwaldstättersee fuhr zum Aufnahmezeitpunkt ein Schiff vorbei. Bei der Bildbearbeitung habe ich die Rosa- und Blautöne ganz leicht verstärkt. Tags zuvor sind mir die schönen Rosa- und Blautöne nach dem Sonnenuntergang aufgefallen. Ich entschied mich, am nächsten Tag ans Seeufer zu gehen und den Pilatus in dieser Abendstimmung zu fotografieren. Etwas glücklich fuhr gleich noch ein Schiff durchs Bild, was dem Bild etwas Dynamik verleiht. Ich bin sehr zufrieden mit dem Bild und habe aus meinem Umfeld viele Komplimente dafür erhalten. Ich würde mich aber sehr über das Feedback eines Profis freuen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Fabio Walser:

Der Pilatus liegt in dieser Farbfotografie als Silhouette hinter dem Ufer des Vierwaldstättersees bei Luzern. Über dem Gipfel des Bergs prangt ein Sichelmond, leicht weichgezeichnet von einigen Dunstschleiern am Abendhimmel. Im Vordergrund auf dem Wasser sind die Lichter eines Kursschiffes auszumachen, das von rechts nach links durchs Bild fährt.

Eine stimmungsvolle Aufnahme, die besonders wegen des Sichelmondes über dem Pilatus gefällt:

Du hast eine ziemlich gute Zeit erwischt mit etwas Restlicht und dem Mond über dem Berg, obwohl ich mir aus eigener Erfahrung dehr gut vorstellen kann, dass Du Dir bei der Vorbereitung ausgerechnet hast, dass der Mond etwas früher an der richtigen Stelle stünde und die Landschaft unter dem Berg noch mit Konturen und Kontrasten und nicht nur mit hellen Lichtern erfüllt wäre. Dennoch hat es sich auf jeden Fall gelohnt, hier mit dem Stativ bereit zu stehen – namentlich die rosa Schleierwolken tragen viel zur Stimmung bei.

Ob das auch für das in 22 Sekunden zu einem Linienbündel verwischten Schiff gilt, ist wohl Geschmackssache. Ich bin persönlich der Meinung, dass solche Effekte als Ausdruck der Zivilisation und einer technischen Welt besser in Stadtlandschaften passen, die den Fokus ganz auf die Ästhetik künstlich geschaffener Welten setzen.

Unbesehen dessen stört mich hier aber vor allem die Positionierung des Schiffs in der Gesamtkomposition. tatsächlich scheint es nämlich, wie wenn Du einen sehr sorgfältig geplanten Bildaufbau mit einer zufälligen Bereicherung ausgebaut und dabei nicht mir auf die Gesamtwirkung geachtet hättest – das Bild bekommt deutlich Schlagseite nach rechts, indem das Schiff die rechte Hälfte der Aufnahme weiter hervorhebt, die schon durch den Berggipfel und den Mond einen Schwerpunkt bildet. Ich glaube, wenn Du etwas länger gewartet – oder gleich nach dieser noch eine Aufnahme mit ungefähr den gleichen Daten gemacht – hättest, läge ein zusätzlicher Gewinn der Schiffslinien in einem Gegengewicht unten Links.

Nur ein paar Sekunden: f/5, 44mm

Nur ein paar Sekunden: f/5, 44mm

Dabei ist klar, dass bewegte Objekte schwer planbar sind und man sich, um die Linien von Lichtern in der Gesamtkomposition gut zu platzieren, das Bild nur vorstellen kann. Gerade bei einem langsamen, in doch einiger Distanz horizontal durchs Bild fahrenden Objekt ist das recht gut machbar.

Für das Beispielbild aus San Franciscomit den Lichtern eines rasch von der Kamera wegfahrenden Cablecars habe ich – übrigens nach einem Mondshooting – ungefähr ein Dutzend Anläufe gebraucht. Am Ende stellte sich die dritte oder vierte Aufnahme als die beste heraus. Auch das ist eine Lektion: Wenn man mit einem Bildmotiv herumspielt, ist häufig ab einem gewissen Punkt Schluss, weil die Experimentierfreude die Kompositionellen Überlegungen überrennt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Gratuliere euch Profifotografen, dass sie sich ausserordentlich Mühe geben und Zeit nehmen, die Bilder von Hobbyfotografen zu kommentieren. Dadurch kann auch der unbeteiligte Leser profitieren und lernen. Wenn es fokussiert.com nicht gäbe, müsste man es noch erfinden.

    Viele Grüsse und weiterhin Erfolg
    Robert Mosimann

    Wer SEHEN kann, kann auch fotografieren

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