Sportfoto:
Die Action im Hintergrund

Bei Spiel und Sport muss der Fokus des Fotografen nicht immer genau dort sein, wo die Action ist – aber er muss auf etwas interessantes zeigen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Robert Hoof).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist bei einem Beachvolleyball-Turnier entstanden, bei dem Bekannte von mir teilgenommen haben. Mein Ziel war hauptsächlich, zu üben und für besagte Freunde schöne Fotos zu schießen. Eigentlich hätte ich es gerne als „Sportfoto“ eingeordnet, da es diese Kategorie aber nicht gibt, scheint mit „Portrait“ am passendsten, obwohl es kein Gesicht zeigt. Besonders gefällt mir daran, dass es (aus meiner Sicht) die Gedanken des Spielers in blau quasi aufdrängt, der gerade die Gegenspielerin sieht, die gerade noch den Ball bekommt, während er noch außerhalb des Felds im Sand sitzt: „Verdammt“. Es ärgert mich etwas, dass ich es nicht geschafft habe, den Spieler weiter rechts anzuordnen, was das Bild aus meiner Sicht deutlich verbessert hätte.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Robert Hoof:

Ein Mann in Sportkleidung sitzt im Sand in diesem Farbbild und blickt von der Kamera weg. Über seine linke Schulter ist im Hintergrund in der Unschärfe eine Frau zu sehen, die auf den Knien in typischer Volleyball-Haltung einen Ball annimmt.

Dieses Bild hat eine ganze Reihe von Problemen. Das wichtigste ist, dass Du etwas zu zeigen versuchst, was man nicht sehen kann – die Gedanken des Spielers im Vordergrund. Denn um auf die Aussage zu kommen, die Du ihm zudenkst, muss ich als Betrachter eine ganze Reihe weiterer Fakten kennen, die im Bild nicht zu sehen sind:

Erstens weiss ich nicht, dass er der Gegner der Frau im Hintergrund ist. Er könnte auch ein Zuschauer sein oder gar ihr Partner; weil ausser einer Linie nichts vom Spielfeld zu sehen ist, kann ich seine Position nicht einordnen. Ganz zu schweigen von dem, was er vielleicht denkt, es wird für den Betrachter und die Betrachterin vollkommen intransparent – wir sehen ja nicht einmal sein Gesicht, aus dessen Ausdruck vielleicht noch eine Aussage ableitbar wäre.

Aber soweit kommeich als unvoreingenommener Betrachter des Bildes gar nicht. Vorher verwirrt mich nämlich der Umstand, dass in Deinem Bild die sportliche Action wohl enthalten, aber nicht in der Schärfe ist. An einem Volleyballturnier verfolgen wir normalerweise den Ball und konzentrieren uns als Beobachter auf das, was die Spieler damit tun – darum dreht sich schliesslich alles. Du schiebst die Action, obwohl Du sie sauber im Bild hast, in den Hintergrund und betonst damit etwas anderes.

Das kann durchaus angebracht sein, wenn das „andere“ spannend ist und eindeutig den starken Akzent auf die Bildaussage setzt. Hier könnte das die deutlich im Gesicht des Mannes erkennbare Enttäuschung sein – wenn sie, zusammen mit ein paar weiteren Andeutungen zu seiner Involviertheit im Spiel, in der Komposition deutlich sichtbar wäre. Umgekehrt, das heisst mit dem Fokus auf dem Ball und einem unscharfen, geschlagenen Gegner im Vordergrund, hätte die geplante Bildaussage vielleicht noch geklappt, den Akzent aber auf dem Wesentlichen – dem Ball – belassen. Den geschlagenen Gegner in der Komposition zu haben, lässt dem Betrachter den Spielraum, sich die Geschichte im Kopf bereit zu legen.

So aber liegt der Fokus auf einem nicht sehr gut im Bildausschnitt platzierten Mann/Schiedsrichter/Zuschauer/Spieler, dessen Hände und Füsse abgeschnitten sind und bei dem die Bildbetrachterin nach dem Grund sucht, weshalb er in der Schärfe liegt, und keinen finden kann.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Robert Hoof says:

    Danke für die Kritik, auch für die Verbesserungsvorschläge! Ich hätte erwartet, dass man leicht erkennt, dass der Mann auch der Gegenspieler ist. Aber ich war ja auch bei dem Spiel dabei, deswegen nehme ich wohl das Bild „falsch“ wahr….

    @dmnksdl: Ehrlich gesagt wollte ich neben Schmetterbällen und Blocks auch die Emotionen sehen. Im Flickr-Album finden sich noch ein-zwei entsprechende Fotos.

    Antworten
  2. dmnksdl says:

    Dazu möchte ich sagen, dass für mich (als jemand, der auch ab und zu Beachvolleyball spielt) aus dem Bild eindeutig hervorgeht, dass der Mann im Vordergrund der Gegenspieler der Frau im Hintergrund ist. Das lässt sich zum einen daran erkennen, dass der Mann wohl gerade erst „gelandet“ ist und wieder aufstehen möchte (spritzender Sand, unbequeme Sitzhaltung und angespannte Arme) und er auf der anderen Seite des Spielfeldes ist (gelber Pfosten rechts = Netz). Schade ist allerdings tatsächlich, dass nicht zumindest das Profil des Mannes zu sehen ist und die Arme und Beine abgeschnitten sind. Mich hätte interessiert, wieso dieser Platz zum Fotografieren ausgesucht wurde. Ich nehme an um Schmetterbälle und Blocks abzulichten. Die Situation vom abgebildeten Foto vorherzusehen halte ich nämlich für unmöglich. :)

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