Emanuel Raab:
Im Winterwald

Emanuel Raab fotografierte den Wald im Winter – scheinbar unbelebt, doch beim näheren Hinsehen voller Überraschungen.

Emanuel Raab: Winterwald #2

Emanuel Raab: Winterwald #2


Ohne das Laub reduzieren sich die Formen auf die Linien von Zweigen, Ästen, Stämmen. In Gestrüpp und Unterholz legt Emanuel Raab einen vielfältigen Formenreichtum offen.

Der Wald – das ist (nicht nur) in Deutschland ja viel mehr als eine Ansammlung von Büschen und Bäumen. Seit je her – und ganz besonders seit der Romantik – ist er ein geheimnisvoller, einsamer, undurchdringlicher, dunkler, gefährlicher – eben ein mythischer Ort und ein Objekt der (modernen) Natursehnsucht. Obwohl Waldsterben und Klimawandel die Wälder bedrohen, es hierzulande fast keinen natürlich gewachsenen Wald mehr gibt, bleibt er doch weiter als Zuflucht bestehen.

Emanuel Raab: Winterwald #6

Emanuel Raab: Winterwald #6

Emanuel Raabs Winterwald knüpft an diese Vorstellungen an, wird zur aktuellen Ausstellung in der Berliner Alfred-Ehrhardt-Stiftung mitgeteilt. Seine Bilder einer scheinbar undurchdringlichen Natur wirken entrückt und voller Geheimnis. Eine melancholische Poesie überzieht die winterlichen Ansichten, in der der Keim des nächsten Erwachens unter der Oberfläche schlummert. Gleichzeitig scheint im Dickicht der Natur eine latente Bedrohung herauf. Darin kann man sich verirren, vielleicht verloren gehen. Nichts weist einen Weg.

Emanuel Raab: Winterwald #22

Emanuel Raab: Winterwald #22

Bei intensiverer Betrachtung der winterlichen Landschaft offenbart sich also ein überraschend detailreiches Formen- und Strukturgefüge, das sich dem Wesenhaften des Waldes nähert. Hinter der scheinbaren Unförmigkeit von des Dickichts entfaltet sich der Formenreichtum der Natur, die ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit folgt. Der scheinbar “toten Natur” stellt Emanuel Raab die Vielfalt der organischen Erscheinungsformen gegenüber und entführt den Betrachter in eine verborgene Sphäre einer ihm vermeintlich bekannten Welt.

Emanuel Raab: Winterwald #24

Emanuel Raab: Winterwald #24

Emanuel Raab studierte in Darmstadt Fotografie und Film und ist seit 2001 Professor für Fotografie und Bildmedien an der FH Bielefeld. Er lebt und arbeitet in Wiesbaden. Der Winterwald (Affiliate-Link) ist auch als Bildband erschienen: Kehrer-Verlag Heidelberg, 2011. Auf Emanuel Raabs Website finden wir neben der Winterwald-Serie noch weitere Projekte.

Emanuel Raab – Winterwald
Bis 29. April
Alfred-Ehrhardt-Stiftung, Auguststraße 75, D-10117 Berlin
+49 (0)30-200953-33, info@alfred-ehrhardt-stiftung.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Donnerstag 11 – 21 Uhr

Emanuel Raab
Alfred-Ehrhardt-Stiftung Berlin

 

3 Kommentare

  1. Ohne jetzt sarkastisch klingen zu wollen, aber;
    Kennen Sie HUUURZ?
    http://www.youtube.com/watch?v=RAx0P-8n5K4

    Genauso fühle ich mich beim Betrachten dieser Bilder.

    … es muss erlaubt sein zu sagen, dass ich damit nichts anfangen kann..

    von wegen fehlender intellektueller Zugang und so…

    Als ich mit der Fotografie begann, damals noch analog, und solche, ja genau solche, Bilder erstellte schalt man mich einen Dummkopf. Zu viel drauf, völlig konfus, verwirrend, keine Linienführung… und hier wird genau das in schöne Worte gepackt und zur Kunst erklärt.

    Sie dürfen mich gern eines Besseren belehren.

    In diesem Sinne: HUUURZ… :-)

  2. Teilweise muss ich Reinhard zustimmen, aber nur teilweise.

    Nr. 22 und Nr. 24 haben schon was – fast wie aus der Filmreihe “Herr der Ringe” – man kann die Phantasie laufen lassen und die Gedanken gehen auf die Reise – aber kommen sie auch an, wo von sie träumen?

    Diese Frage muss jeder Betrachter für sich selbst beantworten.

    Fazit: Teilweise gefallen mi die Bilder sehr gut und haben ein gewisses Etwas.

  3. ich bin grad zurück von der Ausstellung und hab die Bilder “live” gesehen.
    Ich bin beeindruckt! Wenn man einen Moment länger vor so einem Bild verweilt, dann geht die Phantasie spazieren…

    Zu meinen Vorrednern:
    Ich habe mal in meinen eigenen Bilderordnern nach ähnlichen selbstgemachten Bildern gesehen. Ich hatte auch des öfteren mal Waldstücke fotografiert… aber keines hat auch nur annähernd solche Intensität (ganz abgesehen von technischen Mängeln: Schärfe, Belichtung usw.)

    Für mich sind das großartige inspirierende Fotografien!

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