Picasso im Fotoportrait:
«Ichundichundich»

Eigentlich ist «Ichundichundich – Picasso im Fotoportrait» (Hatje Cantz) ein Ausstellungskatalog. Das Buch ist jedoch auch für Fotografen von großem Interesse. Denn auf knapp 280 Seiten vereint er den Blick von 34 namhaften Fotografen auf einen Titanen des 20. Jahrhunderts.

Fast alle großen Fotografen des 20. Jahrhunderts haben Pablo Picasso im Bild festgehalten, unter anderem Richard Avedon, René Burri, Robert Capa, Herbert List, Dora Maar, Man Ray und Irving Penn. Sie alle haben Picasso seit 1916 immer wieder fotografiert, haben mit ihm Zeit verbracht. Manchmal nur sehr kurz, manchmal nur einmalig, manchmal aber auch öfter und über Jahre hinweg.

[photos title=“«Ichundichundich – Picasso im Fotoportrait“ pics=“3 4 5 6″]

Manche Bilder sind spontan entstanden oder dienen dokumentarischen Zwecken, manche sind bewusst inszeniert. Aber alle Fotografen eint ein Wunsch: dem Menschen und dem Phänomen Picasso mit der Kamera auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis ist ein opulenter Bildband mit über 200 Fotos aus fünf Jahrzehnten, der interessante Einblicke in das Leben dieses spanischen Ausnahmekünstlers gibt.

Picasso war ein genialer Künstler und Selbstdarsteller – davon zeugen auch die Fotografien, die ihn zu einer der meistfotografierten Persönlichkeit des vergangenen Jahrhunderts machen. Die Bilder zeigen mal einen privaten, gelösten, sich unbeobachtet fühlenden Picasso, mal einen sich sehr bewusst in Szene setzenden.

Die Ausstellung und der Katalog «Ichundichundich» setzen sich vordergründig mit dem Spannungsverhältnis Fotograf und Subjekt auseinander, dem Spannungsverhältnis zwischen Selbstinszenierung und Aussensicht. Ein Spannungs- und Wechselverhältnis, um das jeder Fotograf weiß beziehungsweise wissen sollte.

Für Fotografen ist der Katalog noch in anderer Hinsicht äußerst wertvoll. Die Fotos sind Zeugnisse ihrer Zeit und des Künstlers, und sie sind in ihrer quantitativen wie qualitativen Fülle und Bandbreite eine wahre Fundgrube an Möglichkeiten, einen Menschen ins Bild zu setzen, ihn zu porträtieren. Die Arbeiten zeigen – in einem Band vereint – die vielfältigsten Möglichkeiten, einem Künstler und einem Menschen fotografisch auf die Spur zu kommen: Das kann einmal beim spontanen Schnappschuss geschehen, das kann bei einer inszenierten Aufnahme erfolgen oder erst später, wenn der Fotograf das Negativ und/oder den Abzug noch weiter bearbeitet. Der Katalog zeigt auch, wie sehr dabei verschiedene Facetten und Seiten betont werden, wie aber auch Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.

Dies und der ausführliche Anhang, in dem alle Fotografen mit Kurzbiographien vorgestellt werden, machen «Ichundichundich» zu einem Katalog, der weit über die Ausstellung hinaus interessant und lehrreich ist.

«Ichundichundich – Picasso im Fotoportrait» (Hatje Cantz) (Affiliate-Link)
272 Seiten, 34 Euro

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *