Rauchabstraktion:
Interessante Formationen

Fotografie ist nicht einfach das, was ist. Sie kann auch Bilder von etwas völlig Neuem schaffen.

Kommentar des Fotografen:

Das Bild “Lady in red” entstand im Wohnzimmer aus dem Rauch eines Räucherstäbchens. Ich finde Rauchfotografie extrem spannend, da man vorher nie weiß, welche Formen entstehen.

Wenn man hinterher die Ergebnisse am PC sichtet und nachbearbeitet, kann man seiner Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen.

Belichtet wurde das Bild mit einem Studioblitz (Streiflicht von links hinten) und einem Reflektor auf der rechten Seite. Als Kamera diente meine Nikon D300s, eine 50mm Nikon Festbrennweite, bei ISO 200, Blende 16 und einer 1/200 Sekunde. In Photoshop wurde das Bild invertiert, und der Rauch eingefärbt.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Martin Wolfert:

Eine Frau, ein Fabelwesen, eine Elfe oder eben einfach nur roter Rauch, der sich vor einem weissen Hintegrund gegen oben ringelt, ist auf dieser Fotografie zu sehen.

Manchmal ist es spannend, Dinge aus einem alltäglichen Blickwinkel zu sehen. Manchmal ist es interessant, sie aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Und bisweilen ist es höchst anregend, sie auf eine ganz neue Art zu sehen.

Die Fotografie erlaubt uns, all diese Arten des Sehens umzusetzen. Wir können wählen, was wir zum Bild machen wollen. Und dabei können wir das gleiche Motiv zu den verschiedensten Zwecken verwenden.

Diese Rauchfotografie ist ein wunderbares Beispiel dafür. Rauch ist an sich schon eine faszinierende Sache: Kein wirkliches Volumen, bildet er dennoch Körper und füllt Räume, er bewegt sich und verändert seine gestalt, und er hat die verschiedensten symbolischen Bedeutungen. Wo Rauch ist, ist Feuer, wo weisser Rauch ist, gibt es einen neuen Papst und so weiter. Man könnte den Rauch also auch auf die entsprechenden Arten fotografieren: Als Symbol in einer Umgebung, als reizvolles Ausstattungsmerkmal einer Kulisse, als Zentrum einer Aussage. Oder, wie Du es hier sehr wirksam tust, als etwas Neues, Abstraktes, Mystisches.

Deine Technik scheint vollendet für das, was Du bezweckst, und dass bei der Ausbeute der Fotografien der Zufall eine grosse Rolle spielt, daran ist nichts auszusetzen – solange das Resultat so anregende Bilder sind wie das hier. Ich kann mir vorstellen, dass man mit etwas Übung aus der Standardsituation noch mehr herausholt, die Rauchwölkchen zu berechnen und einzuschätzen lernt und vielleicht sogar die Entstehung besonders interessanter Formen zu steuern vermag.

Ich finde diese Aufnahme sehr gelungen, wenn auch schon fast zu bildhaft – einen Titel hat sie nicht einmal mehr nötig – und ich kann mir vorstellen, dass man mit der Technik und dem Motiv eines einzelnen Räucherstäbchens tagelang experimentieren kann, um weitere faszinierende Bilder zu schaffen. Auch wenn in diesem Fall technische Methoden wie Schärfentiefe, Lage des Fokus und Belichtunsgzeit ganz andere Resultat zeitigen als bei “Normalfotografie”.

Ich würde deswegen dran bleiben und versuchen, das Thema von allen Seiten auszureizen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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