Landschaftsfotografie:
Marschland-Tiefe

Tiefe, Vordergrund, Hintergrund, Mittelgrund sind weitgehend zwingende Merkmale der Landschaftsfotografie. Ein paar andere Dinge gehören aber schon noch dazu.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thorsten Fischer).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thorsten Fischer).

Kommentar des Fotografen:

Dies ist eins meiner ersten Gehversuche in Sachen Fotografie. Selber kritisieren würde ich daran mittlerweile das ich es besser im Querformat aufgenommen hätte. Es zeigt den Strand des Wattenmeeres bei Norddeich während der Ebbe

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thorsten Fischer:

Eine Doppelreihe von Pfählen, die aus dem Boden ragen und zwischen denen im Mittelgrund des Fotos Wasser zu sehen ist, verläuft aus dem Vordergrund des Hochkant-Bildes nach links hinten. Dahinter ist ein Maschendrahtzaun zu erkennen, in dem irgendwelche Dinge hängen. Dahinter wiederum fängt der Himmel an. Er ist weitgehend weiss.

Der Himmel:

Wenn auch nicht völlig ausgebrannt, so ist er hier im Bild doch ohne erkennbare Strukturen. Das ist das erste, was auffällt. Das muss nicht in jedem Fall negativ sein, aber es kann – wir kommen darauf zurück.

Diese Aufnahme ist in ihrer Komposition, so unscheinbar sie auf den ersten Blick scheinen mag, nicht uninteressant. Sie entspricht im Grundaufbau den wichtigsten Regeln – der Horizont liegt nicht in der horizontalen Mitte, es gibt eine Dreischichtigkeit mit einem eindeutigen Vorder-, einem Mittel- und einem Hintergrund, es sind klare Linien und vor allem Diagonalen vorhanden, die den Blick führen, und der trifft dabei vielleicht nicht auf ästhetisch perfekte, aber durchaus interessante Details. Das Bild wirft inhaltlich Fragen auf, lässt uns die Landschaft erfassen und uns fragen, wo wir sind und was wir sehen.

Das sind alles positive Eigenschaften und Voraussetzungen für gute Fotografie. Dennoch fehlen hier einige Dinge, und andere könnten technisch weitaus besser gelöst werden.

Inhaltlich ist die Pfahlreihe ein guter Blickfang, der Tiefe erzeugt. Der im oberen Drittel liegende Horizont entspricht der Drittelsregel und wirkt dem Anfängerfehler einer Halbierung entgegen. Der Zaun mit den Algen- oder Grasbüscheln ist ein spannender Mittelgrund, die Pfähle und die Spuren im Schlick ein akzeptabler Vordergrund.

Dennoch hätte sich inhaltlich mehr machen lassen, indem ein spannenderer Vordergrund bewusster gewählt und platziert worden wäre. Details wie der Grashalm am vordersten Pfahl, der aus dem Bild ragt, ist ein kleines “Bildleck”, das den Blick aus dem Bild herausführt. Dagegen hilft es, bei der Komposition des Bildes im Sucher immer als letzten Schritt die Ränder abzusuchen nach genau solchen Lecks. Mit einem Zoomobjektiv bietet sich meistens die Möglichkeit, ein wenig auszuzoomen und den Ausschnitt so zu wählen, dass alle möglichen “Bildausgänge” eliminiert werden oder zumindest in eine Position gerückt, die es erlaubt, sie in der Nachbearbeitung durch Abdunkeln oder Klonen auszumerzen.

Der weitaus grösste Problembereich aber ist der Himmel. Er hat noch Zeichnung, hätte sich also zweifellos so belichten lassen, dass mehr Struktur darin ist. Wenn das nicht mit einer ausgewogenen Verschlusszeit geht – weil dann die Schatten im Vordergrund absaufen – gibt es die Optionen eines falschen HDR (nachträgliche Manipulation der Belichtung in einzelnen Bildbereichen, am besten im RAW-Format) oder eines Neutralgrau-Splitfilters bei der Aufnahme, was sich hier wegen des geraden Horizonts angeboten hätte.

In der Rubrik ‘Bildkritik’ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Danke für die Bewertung meines Fotos.

    Ich muss sagen das ich von Ihrer Kritik positiv überrascht bin. Mit anderen Worten, ich hätte es mir schlimmer vorgestellt.
    Die Tatsache das Sie das Foto im Grossen und Ganzen recht positiv bewertet haben, gibt mir Mut weiterzumachen.
    Der angesprochene, zu helle Himmel ist mir bislang noch gar nicht so aufgefallen, aber jetzt sehe ich es auch. Ich muss allerdings dazu sagen das am diesem Tag eh nicht allzu viele Kontraste am Himmel waren, da es überwiegend eine geschlossene Wolkendecke war. Aber wahrscheinlich wäre es gerade deshalb umso wichtiger gewesen die wenigen vorhandenen Unterschiede besser herauszuarbeiten.

    Nochmals danke für die Kritik.

  2. Jaja, das trübe “grau-in-grau” des norddeutschen Flachlandes ist mir wohlbekannt, da ich selber daher komme. Zusammen mit baumlosen Weiten und wie mit dem Lineal gezogenen Horizonten springen einem die Landschaftsmotive weniger ins Auge als z.B. in den Alpen, wo man sich vor “Postkartenmotiven” kaum retten kann… ;-) Aber vielleicht ist es auch eine gute Schule, “sehen” zu lernen, aus der “Not” der geringen Reize die “Tugend” der Reduktion zu machen.

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