Suchbild auf Steintreppe:
Finde das Blatt!

Das richtige Größenverhältnis verschiedener Motive auf einem Foto macht oft den Unterschied zwischen schlecht, gut oder genial. Hier ist das Herbstblatt leider viel zu klein, um irgendetwas gegen die wuchtigen Steintreppen ausrichten zun können.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Arvid Kammler).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Arvid Kammler).

Kommentar des Fotografen:

Vordergründig nehmen die architektonisch dominierenden Formen der Treppenstufen das Bild ein aber unser Blick findet noch etwas anderes… Bei der Aufnahme des Bildes tanzten die Laubblätter im Herbstwind um mich herum und ich pickte dieses Eine auf der Treppe heraus. Wo will es hin? Durch die farbliche Hervorhebung des Blattes habe ich versucht das Ungleichgewicht im Formenkontrast auszugleichen.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Arvid Kammler:

Der Color-Key-Effekt ist ein tolles Element in der fotografischen Trickkiste, um manche gute Bilder noch besser zu machen. Es ist aber kein Allheilmittel, um eher unspektakuläre Bilder überhaupt sehenswert zu machen. Der Color-Key-Effekt hebt ein Element des Bildes farbig, meist in seiner Orignalfarbe, hevor und lässt den Rest des Fotos in Schwarz-Weiß versinken, um so gegenüber dem farbigen Hauptmotiv in den Hintergrund zu treten.

Das bedeutet jedoch auch, dass es ein Motiv geben muss, das groß genug ist, um wirksam die Blicke anziehen zu können. Das ist hier beim gezeigten Bild von grauen Treppenstufen mit einem sehr winzigen braunen Herbstblatt, fast ein Blättchen, leider nicht der Fall.

Der Fotograf wollte durch den Color-Key-Effekt den Formkontrast zwischen den geraden Linien der Treppenstufen und der organischen Form des Blattes stärker herausarbeiten. Das funktioniert auch deshalb nicht, weil die Treppen selbst genug Unebenheiten, Schmutz, Beschädigungen und aufgeplatzten Mörtel haben, um die strenge Linienform aufzubrechen. In seinem Kommentar meint der Fotograf, er versuche, mit dem Color-Key-Effekt den Formkontrast auszugleichen. Genau das Gegenteil ist üblicherweise das Ziel dieses Effekts, was aber hier wegen der genannten Gründe nicht erreicht wird.

Nüchtern betrachtet bleibt dieses Foto deshalb leider eine langweiligen Aufnahme einer Treppe, bei der unfreiwillig der größte Reiz darin besteht, dass die Form des kleinen Blattes auf den ersten Blick an einen winzigen Kinderwagen erinnert.

Die Bewegung der herumwirbelnden Herbstblätter, die Du einfangen wolltest, ist auf dem Foto nicht sichtbar. Das Blatt liegt starr an seinem Fleck. Übliche Tricks, um Bewegung auf einem statischen Foto zu simulieren, wären zum Beispiel Bewegungsunschärfe – entweder durch Mitziehen der Kamera oder hier durch eine Langzeitbelichtung, wo dann hoffentlich die Flugbahnen mehrerer wehender Blätter zu erkennen gewesen wären.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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31.1.2013, 21 KommentareLeserfoto:
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Oh nein, dass hat der Jazz nicht verdient, dass er von solch einem Foto repräsentiert werden müsste. Unsaubere Arbeit ohne Konzept ist eben nicht das gleiche wie Improvisation.

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9.4.2012, 0 KommentareDüstere Umgebung verzückend ins Licht gesetzt

Mal eben nebenbei ist hier ein gut fotografiertes Portrait entstanden, welches auch in schwarzweiss gut rüber kommt.

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3.4.2012, 2 KommentareFußballfoto in Color Key:
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Spezialeffekte erzählen keine Geschichte.

Ein Kommentar

  1. Bei der Bearbeitung wurde kein Colorkey angewendet, wie man auch klar an den verschiedenfarbigen Grautönen der Treppenstufen erkennen kann. Davon abgesehen ist die Kritik aber schlüssig.

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