Nachtfotografie:
Wabernde Wattebäuschenwolken

Geduld, Ausdauer und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein: Dann gelingen Motive, die man nicht alltäglich sieht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hans Koechl).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hans Koechl).

Kommentar des Fotografen:

Als Hobbyastronom verbrachte ich die zweite Hälfte einer Dezembernacht letzten Jahres um Astrofotos zu machen.Ich hatte meine Kamera schon eingepackt,als sich der Morgennebel über Villach auflöste. Die Weihnachtsbeleuchtung der Stadtpfarrkirche tauchte die Stadt in ein mystisches Licht und so entstand dieses Foto. Stativ war mein Autodach da ich keine Zeit wegen des abziehenden Nebels vergeuden wollte.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Hans Koechl:

Mehrmals hatten wir hier auf fokussiert.com beeindruckende Leserbilder besprochen, die nur durch Ausdauer, Geduld oder übermenschliche Anstrengung entstehen konnten. Dieses Bild ist ein weiteres Beispiel. Nicht genug, dass der Fotograf die ganze Nacht ohne Schlaf auf den Beinen blieb, um Aufnahmen zu machen, er wählte dazu auch noch den Dezember, einen Monat, bei dem ich regelmäßig fürchten muss, mir draußen meine sensiblen Fingerchen einzufrieren, wenn ich metallische Teile meiner Fotoausrüstung anfasse.

Aber das Ergebnis ist es wert:

Sehr imposant und märchenhaft wirkt das Foto mit dem dichten, wabbernden Morgennebel im verschneiten Tal, wo das Dorf nur durch die geordneten weißen und teils bunten Lichter zu erkennen ist. Hier zeigt sich auch, welchen Vorteil der Dezember trotz der Kälte bieten kann: Zur Weihnachtszeit gibt es nachts deutlich mehr bunte Lichter zu sehen als in anderen Monaten.

Als hätte die Natur einen Sinn für gute Bildkomposition lichtet sich der Nebel gerade dort, wo das Dorf besonders bunt strahlt, als wolle sie sagen: Seht her, hier gibt es was zu sehen. Die Tannen im Schatten am unteren Bildrand umrahmen das Tal sehr fotogen und als kleines Tüpfelchen auf dem i erstreckt sich in der rechten unteren Ecke etwas Schnee in Richtung Kamera, um dem Bild etwas mehr Tiefe zu verleihen; als wäre das überhaupt nötig gewesen.

Rechts am Horizont finde ich den Himmel durch die zaghaft aufgehende Sonne fast schon zu hell, hier wäre es spannend gewesen, zu sehen, wie das Motiv zehn, zwanzgi Minuten vorher vom Licht her gewirkt hätte. Insofern war der Verzicht auf das Stativ sicher die richtige Wahl gewesen, da das bestimmt ein, zwei wertvolle Minuten gekostet hätte. Aber einen guten Fotografen zeichnet eben auch aus, dass er improvisieren kann und in solchen Fällen eben ein Autodach oder was sonst eben greifbar ist, als Hilfsmittel verwendet.

In der Rubrik ?Bildkritik? analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die positive Beurteilung meines Fotos.

    Den Lichtschein am Horizont hat man zum Zeitpunkt der Aufnahme nur ganz blass wahrgenommen. Vielleicht hätte ich die Belichtungszeit etwas reduzieren sollen. Zwanzig Minuten vorher hatte ich noch dazu die Kamera am Astroteleskop montiert, und die ganze Stadt (die Stadtrichter zu Klagenfurt werden sich freuen, dass Sie Villach als Dorf bezeichnen ;-)) war zu dem Zeitpunkt unter einer geschlossenen Nebeldecke versteckt.

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