Kinderporträt:
Aus- und Einblicke

Die Kamera immer griffbereit zu haben ist nie ein Fehler, ein paar Gestaltungsregeln verinnerlicht auch nicht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andreas Dikich).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andreas Dikich).

Kommentar des Fotografen:

Mein Sohn Alex schaut beim Essen aus dem Fenster. Ich fand das Licht in dem Moment sehr schön und musste einfach zur Kamera greifen.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Andreas Dikich:

Ein gemeinsames Frühstück (oder liege ich damit völlig daneben?) mit dem eigenen Kind ist ein guter Start in den Tag, und wie du siehst, muss man nicht immer nur aufpasssen, dass der Kleine brav sitzen bleibt, sondern solche Momente auch nutzen, um stimmungsvolle Aufnahmen zu machen. Und das ist dir durchaus gelungen:

Ich weiß nicht was dein Sohn da draußen gerade sieht, aber der Gesichtsausdruck des Kindes ist für mich noch faszinierender als das Licht. Es ist eine Mischung aus Staunen, aufmerksamem Beobachten und doch einem kleinen Lächeln im Auge.

Wo ich auch schon bei ersten Kritikpunkt bin. Noch schöner fände ich es, wenn, wie bei einem klassischen Portrait, beide Augen zu sehen wären, wenigstens ein kleiner Schimmer des linken Auges sollte noch durchblitzen. Durch die Einspiegelung der Fensterscheibe käme auch hier ein kleiner, aber feiner Reflex zur Geltung, welcher in dem anderen Auge so schön zu sehen ist.

Eine zweite Sache finde ich noch verbesserungswürdig:

Neuer Beschnitt.

Neuer Beschnitt.

Es ist mir noch zu viel Raum hinter dem jungen Mann. Wenn sein Blick nach rechts geht, sollte auch in diese Richtung mehr Platz sein, als in die andere. Ich habe das Bild etwas beschnitten, nun ist zwar ein Quadrat daraus geworden, doch auch in diesem Format sieht man gut, dass der Blick nach draussen durch die Fensterscheibe gerichtet ist. Die Fensterscheibe und das durch sie gestreute, wohl so auch schon trübe Licht ist, welches du, Andreas, so toll fandest und dem Bild wirklich auch die passende Stimmung gibt.

Die Helligkeitsabnahme von oben rechts nach links unten bringt ebenso Spannung ins Bild wie der Vorhang mit den sich wiederholenden Elementen und dann auch noch in der Farbe der Kleidung von Alex. Gut gesehen und Glück gehabt…ein Mädchen hätte sicher andere Farben getragen. ;)

Eine kleine störende Marginalie habe ich noch entdeckt und retuschiert. Wem fällt was auf? Findet den Unterschied!

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

 

4 Kommentare

  1. Der kleine Unterschied ;-) – ist die Schnur mit dem Lichtreflex vor der Nase, die im bearbeiteten Bild fehlt.

    Schönes Bild!

  2. Kritik an der Kritik…

    ich lese regelmäßig und aufmerksam jede Eurer Bildkritiken und ich werde Euch bestimmt auch mal eines meiner Bilder durch den “Wolf drehen” lassen ;o)
    Meist gehe ich konform mit den Tips der Profis doch hier mal nicht.

    Ich stimme zu, das der Junge zu zentral im Bild angeordnet ist. Beschneiden, ganz klar!
    Aber dieses quadratische Ergebnis finde ich nicht reizvoller als das Original. (Und das liegt nicht am Quadrat selbst, erinnert es mich doch immer an Aufnahmen im 6×6 Mittelformat..)
    Ich bin immer wieder fasziniert von Erfolg der 1 Drittel / 2 Drittel Regel im Bildaufbau, folgt sie doch in etwa dem goldenen Schnitt (lesen bei Wikipedia lohnt in diesem Fall) den wir Menschen, weiß der Teufel warum, allesamt als harmonisch und doch reizvoll empfinden.
    Bei diesem Beschnitt liegt aber eher eine 1 Viertel / 3 Viertel Gestaltung vor, die dem Bild irgendwie gar nicht weiter hilft…
    Wie seht ihr das da draußen? Hättet Ihr links neben dem Jungen auch noch etwas mehr Platz gelassen??

    Beste Grüße, Patrick

  3. ich bin auch für den goldenen schnitt in diesem bild und ein wenig mehr platz nach links. ich benutze den auch sehr oft bewusst und inzwischen wohl auch unbewusst..kann ich nur empfehlen sich damit zu beschäftigen!

  4. Goldener Schnitt hin oder her – in diesem Fall kann ich die Kritik an der Kritik nicht nachvollziehen, denn offensichtlich ist die Tür im Hintergrund nur aus Versehen mit im Bild, da der Photograph schnell reagieren musste, um den Ausdruck des Jungen einzufangen. Sie trägt ja nun gar nichts zum Bild bei, wogegen durch den Beschnitt das Bild für mich harmonischer wirkt. Die starke Diagonale des Fensterbrettes sowie der dicke Fensterrahmen teilen das Quadrat in Segmente, in dessen oberem linken sich der Kopf befindet. Allein das blaue, verschwommene “Etwas” unten rechts stört leider diese gelungene Aufnahme.

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