Experimentelles Porträt:
Spezialeffekte allein
machen nicht das Foto

Experimentieren, herkömmliche Motive neu erfinden, ist eine gute Übung, die allerdings nicht immer zu außergewöhnlichen Fotos führen muß.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© denise ellen schröder).

Kommentar des Fotografen:

in bewegung. mein mann durfte mal wieder diverse perücken ausprobieren und hatte sichtlich vergnügen daran…

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von denise ellen schröder:

Ich habe lange über dieses Foto nachgedacht, bevor ich mich entschlossen habe, etwas dazu zu sagen. Zunächst ist da meine oft erwähnte Zurückhaltung gegenüber digitalen Spezialeffekten, andererseits aber auch meine Neigung zum Experimentellen.

Genau das fand ich an Deinem Foto spontan gut. Ich habe auch auf Deiner Webseite viele experimentelle und aus dem Rahmen des „Normalen“ fallende Fotos gefunden, und kann nur sagen:

weiter so. Bei alledem, was bereits fotografiert worden ist, bleibt dem Fotografen letztlich nur der Mut, die Grenzen weiter auszudehnen.

Ich selbst habe auch schon mehrmals meine Familie, insbesondere meine Tochter, als Modelle rekrutiert, weil ich nur so mit Ideen spielen konnte, die mir mit „zahlenden“ Modellen, will sagen: normalen Kunden, nicht möglich gewesen wären – die wollen alle schön aussehen, nicht so, wie sie eigentlich sind, und schon gar nicht merkwürdig oder gar furchterregend.

Ich habe auch anfangs ein paar Mal Bilder „gerettet“, indem ich etwa das ganze in eine „Zeichnung“ in Photoshop verwandelt habe. Und das ist genau das, woran ich hier die ganze Zeit geknabbert habe: das Bild ist sichtlich unscharf, ohne etwa Bewegung auszudrücken, und ich glaube nicht, daß das durch die digitale Bearbeitung passiert ist. Ich vermute vielmehr, daß Dir das Bild so gut gefallen hat, daß Du beschlossen hast, „noch was draus zu machen“.

Und als solchen Versuch kann ich es auch würdigen, auch als Experiment etc., aber als mehr denn auch nicht. Denn Spezialeffekte machen allein nicht das Foto, wenn im Ansatz nicht schon ein gutes Bild vorhanden war. Und die Unschärfe hier stört mich persönlich, wie auch immer danach weiterbearbeitet wurde.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. denise says:

    lieben dank, dass mein foto es schaffte, in die bildkritik aufgenommen zu werden.
    danke auch für die eigentliche kritik sowie den kommentar. das war auf jeden fall spannend für mich – so abseits der sonstigen lobhudelei der fotoforen.

    „…Und als solchen Versuch kann ich es auch würdigen, auch als Experiment etc., aber als mehr denn auch nicht. Denn Spezialeffekte machen allein nicht das Foto, wenn im Ansatz nicht schon ein gutes Bild vorhanden war. Und die Unschärfe hier stört mich persönlich, wie auch immer danach weiterbearbeitet wurde.“

    : hierzu möchte ich kurz anmerken, dass außer einer kontrastverstärkung, farbkorrektur und dem bildbeschnitt nicht wirklich „spezialeffekte“ eingesetzt wurden.
    dieses wort ließ mich dann doch schmunzeln.
    die kritik an sich hätte ich mir etwas tiefgründiger gewünscht, so wie hier schon oft begeistert von mir gelesen.
    der „versuch“ war ein geplanter; die schärfe fängt sich in den fliegenden strähnen… beim genaueren betrachten.
    ich fand´s so spannend – heraus aus der haarwehenden kopfbewegung.

    lieben dank euch.

    Antworten
  2. Dr. Thomas Brotzler says:

    Laut Exif-Daten kam ja das 50er 1.4 – jene wunderschöne Porträtlinse – am Halbformat mit effektiv 80 mm Brennweite zur Anwendung. Als Blende wurde die maximale Offenblende – eben 1.4 – genutzt, und das gibt bei solch kurzem Abstand zum Motiv schon eine recht „dünne Schärfenebene“. Wir wissen nicht, ob der Fotografin der Fokus insofern „verrutschte“ oder ob sie es gerade darauf ankommen ließ – Stichwort „künstlerische Freiheit vs. technischer Mangel“, wie schon in früheren Diskussionen … von der atmosphärischen Anmutung her gefällt mir das Bild übrigens recht gut; und der Blick auf die Homepage läßt mich denken, daß die Fotografin jenes „Spiel mit der Unschärfe“ durchaus sucht.

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