Low-Key:
Film Noir im Foto

Der „Film Noir“ ist ein Filmgenre, welches unter anderem dadurch charaktisiert wird, dass es eine düstere Low-Key-Atmosphäre transportiert, die Charaktere verbittert oder pessismistisch sind, generell eine trübe Weltsicht vorherrscht und naheliegenderweise das Ganze meist in Schwarz-Weiß gezeigt wird. Alle diese Elemente wurden hier vorbildlich in die Fotografie transportiert.

filmnoir.jpg

Kommentar des Fotografen:

Auf der Brücke am Morgen mit viel Nebel über der Elbe. Das Licht kommt von den wartenden Autos an der Ampel vor der Brückenauffahrt. Die Bearbeitung habe ich etwas weicher gestaltet, um die Atmo besser transportieren zu können.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Dirk Wenzel:

Der „Film Noir“ ist ein Filmgenre, welches unter anderem dadurch charaktisiert wird, dass es eine düstere Low-Key-Atmosphäre transportiert, die Charaktere verbittert oder pessismistisch sind, generell eine trübe Weltsicht vorherrscht und naheliegenderweise das Ganze meist in Schwarz-Weiß gezeigt wird.

So gesehen ist dieses Foto einer anonymen Person auf der Elbbrücke ganz eindeutig dem „Film Noir“-Look zuzuordnen:

Schwarz-weiß, trübe, düster und mit einer eher melancholischen Stimmung. Und sie passt auch zum Bild: Das wenige Licht und der Nebel lassen automatisch auf eine Aufnahme in der Nacht oder Dämmerung schließen, wer da vor die Tür muss und noch dazu wegen der Kälte eine dicke Jacke trägt, macht es vermutlich kaum freiwillig. Dominiert wird das Bild von Beton und Stahl, nur links oben ragt ganz zaghaft und trotzdem kahl eine Baumspitze hervor. Kurzum: Es ist winterliches Mistwetter und die Depressionen kommen da ganz von allein.

Auch gestalterisch wurde diese Stimmung gut umgesetzt. Der europäische Blick fällt ja von links oben schräg nach rechts unten ab. So greift die linke Mauer mit ihrem geschwungenen Bogen den Blick des Betrachters zuerst auf, führt ihn zum Hauptmotiv, dem frierenden Fußgänger und leitet den Blick dann weiter zum rechten Geländer, wo die Krümmung den Betrachter unten rechts aus dem Bild entlässt, mit dem klobigen, kollosalen Stahlträger im Gedächtnis, gegen den der Mann selbst geradezu klein und verletzlich wirkt.

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Ganz unterschwellig wirkt auch, dass auf dem Foto weder an Kleidung noch in der Umgebung irgendwelche Details zu erkennen wären, welche eine genauere zeitliche Einordnung erlauben würden. So könnte das Foto statt in 2012 oder 2011 genauso in den 1940er/1950er Jahren aufgenommen worden sein, der Hochphase des „Film Noir“-Genres. Das hat den Vorteil, dass das Bild zeitlos bleibt.

Die leichte Weichzeichnung des Bildes verstärkt zwei wichtige Bildelemente. Einerseits die eben erwähnte Zeitlosigkeit, weil weniger Details erkennbar sind, andererseits betont sie den Nebeleffekt. Beides trägt dazu bei, die Stimmung zu transportieren und damit ist die Bildbearbeitung sehr passend eingesetzt worden.

 

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