Stadtfoto bei Nacht:
Über den Dächern von Kaiserslautern

Wenn man die Zeit hat, mehrere Aufnahmen von einem Motiv zu machen, sollte man diese so kombinieren, daß ein besseres Gesamtbild entsteht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Simon Frech).

Kommentar des Fotografen:

Über den Dächern von Kaiserslautern war eins meiner ersten Bilder, die ich gemacht habe als ich begann, mich intensiver mit Fotografie zu beschäftigen. Mich beeindruckt Immer noch das Farbenspiel und wie vielfältig doch unterschiedliche Farbtemperaturen im Stadtbild wirken können. Durch die lange Belichtung wirkt es unwirklich bunt dafür, dass es nachts ist…. Desweiteren verbinde ich mit diesem Bild eine schöne Kletterpartie auf ein leerstehenden Karstadt. Ein paar Flaschen Bier und einen wunderschönen Sonnenaufgang.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von simon frech:

Nachtaufnahmen gehören zu den großen Herausforderungen an einen Fotografen. Die Kamera muß manuell bedient werden, um das noch vorhandene Licht voll auszunutzen, und vielfach muß man durch Versuch und Versagen herausfinden, wo die ideale Blende und Belichtung etc. liegen.

Ich kann mir so richtig vorstellen, wie Du da auf dem Dach gesessen bist mit Deinem Bier:

Und anscheinend ja bis Sonnenaufgang. Ich nehme also an, daß Du mehr als nur die eine Aufnahme gemacht hast. Und die hat durchaus Potential.

Im allgemeinen werden Nachtaufnahmen von Städten mit extrem kleiner Blende geschossen (f/22 oder so), damit die Lichter der Straßenlaternen wie Sterne aussehen. Dadurch verschwimmen allerdings die Lichtstreifen der Autos noch mehr, weil die Belichtungszeiten wesentlich länger werden.

Aus diesem Grund bietet es sich an, mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen. Meine Kamera schafft das nicht im Aufnahmereihenmodus, also muß ich es manuell tun. Später lege ich dann zwei oder drei Aufnahmen digital übereinander, so daß ich den Sterneneffekt der Straßenlaternen mit den prägnanteren Lichterstreifen der Autos verbinden kann.

Wenn Du eine Blende von f/10 benutzt, werden aus den „Sternen“ der Laternen große helle Punkte, die zwar noch ein paar „Strahlen“ haben, aber längst nicht so ausgeprägt, was dem Foto für mich abträglich ist. Das hätte hier dadurch behoben werden können, daß Du noch eine Aufnahme mit f/22 machst und nur die Straßenlaternen nachbearbeitest. Und eventuell auch die Schaufenster links, denn die sind ebenfalls „ausgebrannt“.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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15 Antworten
  1. Andi says:

    Dein Eintrag reicht mir fast schon, bzw. ersetzt das gesuchte Tutorial für den Einstieg nahezu. Mit dieser Anleitung kann ich losziehen und erste Erfahrungen sammeln, Prädikat: Sehr hilfreich!

    Einen entsprechenden Workshop möchte ich sehr gerne gelegentlich machen, wenn auch Mainz nicht gerade ums Eck liegt. ;) Allerdings streiten sich meine Interessen noch etwas wenn es um das favorisierte Foto-Themengebiet geht. Gerade gestern ist eine wunderschöne Nikon FE bei mir angekommen, das wird mich jetzt vorerst wieder etwas von HDR und Nachtfotografie ablenken. ;)

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  2. Andi says:

    Hey vielen herzlichen Dank für den aufschlussreichen Kommenar, ich sauge das wirklich richtig gehend auf!

    Habe mich noch nicht so richtig ans Thema HDR oder vielmehr die kombinatin von Belichtungen ran getraut. Zum einen weil ich bisher schon mit dem Editieren von raw sehr weit gekommen bin (zumindest imho) und zum anderen weil einfach diese vorgegebenen batches in Photoshop nie wirklich tolle Ergebnisse hervorgebracht haben. Zum Schluss hat meine D60 auch keine Möglichkeiten für Belichtungsreihen.

    Hast du vielleicht einen guten Link für den Einstieg in diese Art der Bearbeitung für mich? Möchte gerne einen Versuch machen und dann mal auf gut Glück hier reinladen.

    Merci nochmal für eure Zeit.

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    • Dr. Thomas Brotzler says:

      Lieber Andi,

      ich will schauen, wie ich Dir da für den Moment weiterhelfen kann …

      „mit dem Editieren von raw sehr weit gekommen“

      Das ist doch in Ordnung. Rolf Walther, einer meiner künstlerischen Lehrer (siehe unten), arbeitet zu 80% mit einfachen Aufnahmen, zu 20% mit Ebenentechnik und bekommt bei echtem HDR immer allergische Zustände. Hier kann und muß jeder eigene Wege beschreiten …

      „zum Schluss hat meine D60 auch keine Möglichkeiten für Belichtungsreihen“

      Vertraue nicht zu sehr der Technik, sondern vor allem Dir selbst! An meiner 5D Mark II habe ich zwar eine Belichtungsreihenautomatik, aber ich verwende sie nicht immer, da die +-2 Lichtwerte den Dynamikumfang oft nicht abdecken. Mit manuellen Einstellungen kann man gemäß folgendem Setup gut zurechtkommen:

      (1) Solides Stativ – Holz oder Metall, kein Plastik-Hama-Klump.
      (2) Fernauslöser, Spiegelvorauslösung, Blendenvorwahl mit kleiner Öffnung, manuelle Fokussierung auf die entscheidende, maximal gezoomte Bildpartie im Liveview.
      (3) Dann (immer noch Liveview) die spotförmige Belichtungsmessung auf die hellste Stelle im Bild ausrichten, denn bei der Digitalfotografie müssen wir (in Umkehrung des Filmprinzips) „auf die Lichter belichten und die Scahtten ausarbeiten“.
      (4) Von dieser Belichtungsmessung ziehst Du noch ein bis zwei Blendenstufen ab und hast einen vernünftigen Ausgangswert.
      (5) Mit manueller Einstellung korrigierst Du nun die Belichtungszeit für die Einzelaufnahmen mit Bezug auf den Ausgangswert (etwa -2, 0, +2). Mit einiger Erfahrung weiß man, wie viele Aufnahmen mit welchen Belichtungsabtänden man für den jeweiligen Zweck braucht.

      „einen guten Link für den Einstieg in diese Art der Bearbeitung“

      Tutorials mögen Anstösse geben, aber die steilste Lernkurve ergibt sich meines Erachtens in der eigenen fotografischen Praxis (einschließlich Mißerfolgen).

      Auch konkreter Unterricht kann sehr hilfreich sein. Diesbezüglich kann ich die Kurse bei Rolf Walther in Mainz wärmstens empfehlen. Rolf ist ein lieber Kerl, weiß die Dinge gut zu vermitteln und hat als DGPh-Fotograf auch den nötigen fachlichen Background.

      Über die Jahre konnte ich dort (und kann es immer noch) sehr viel über Bearbeitungs- und Drucktechniken lernen. Mittlerweile biete ich selbst Einzelunterricht und Workshops unter anderem für die Nachtfotografie an.

  3. Dr. Thomas Brotzler says:

    Liebe Sofie,
    lieber Andi,

    es ist eine interessante Diskussion, die Ihr da führt … und sie ließ mich an manche „Bearbeitungsklippen“ denken, die ich in den letzten Jahren bei der Nachtfotografie als einem meiner Themenschwerpunkte zu meistern hatte. Einige „Erfahrungsstationen“ kann ich hier vielleicht skizzenhaft wiedergeben:

    – die Bearbeitungswege zur Nachtfotografie sind vielgestaltig: wir können es mit einfachen Aufnahmen, der hier skizzierten Ebenentechnik oder echtem HDR versuchen.
    – auch die Widernisse sind zahlreich: bei der einfachen Aufnahme wird oft der Dynamikumfang unserer Kameras gesprengt, bei der Ebenentechnik ist die tonale Verbindung der verschiedenen Masken oftmals schwierig, und beim echten HDR knallen uns die Artefakte (Moiré, Randsäume) gerne um die Ohren.
    – einen „einfachen Königsweg“ gibt es insofern nach meiner Erfahrung nicht: jedes Motiv und jede Lichtsituation hat seine Eigenarten, oft wird das Ergebnis nur durch eine subtile und lokal angepaßte Mischung von einfacher Aufnahme, Ebenentechnik und echtem HDR passabel.
    – man sollte den Zeitaufwand bei solcher Bearbeitung, um ein technisch und inhaltlich überzeugende Ergebnis zu erhalten, nicht unterschätzen: es ist richtig Arbeit und man muß Möglichkeit und Grenzen von Photoshop sehr gut kennen.
    – andererseits ist es auch lohnend, sich mit solcher Akribie und Hingabe mit der Bearbeitung zu beschäftigen; vielleicht kein Alleinstellungsmerkmal, aber die Nachtfotografie ist gewiß kein „ausgelutschtes Allerweltsthema“.
    – auf die Widrigkeiten unserer Digitaltechnik sei abschließend hingewiesen: wo der Film die Lichter angenehm und strukturvoll zeichnet (wir also in Ruhe „auf die Schatten belichten und die Lichter ausarbeiten“ können), so brennen uns auf den Sensoren die Lichter schnell aus (in diesen Bereichen ist dann keine Bildinformationen mehr vorhanden, so daß hier in der Bearbeitung auch nichts mehr zurückgeholt werden kann).

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  4. Andi says:

    Sorry wenn ich dich so aussauge, ist aber total spannend „was ich schon immer wissen wollte, mich aber nie zu fragen traute“.

    Verheiraten bedeutet dann, dass ich die mischmodi des Photoshop einsetze? Ich meine bei einem HDR benötige ich ja unter Umständen die Informationen von viel mehr als nur zwei Ebenen pro Bereich? Da reicht ja eine einzelne Maske nicht mehr?

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    • Sofie Dittmann says:

      HDR funktioniert im Idealfall ähnlich, nur daß Du das erzeugte HDR Bild mit anderen Versionen des ursprünglichen „verheiratest“ (was mit vielen der hier eingereichten HDRs nicht passiert ist). Also in PS die gleiche Technik, nur die Ausgangssituation ist eine andere.

  5. Andi Gentsch says:

    Danke für deine Antwort. Also du legst die Aufnahmen als Ebenen übereinander und kopierst dann einfach Bereiche ineinander. Arbeitest die Übergänge etwas raus und das wars? Also so ungefähr natürlich. Oder gibts da Werkzeuge die ich einfach nicht kenne?

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    • Sofie Dittmann says:

      Genau. Du legst sie als Ebenen übereinander, hängst jeweils eine Maske dran und malst auf der Maske in Schwarz oder Weiß mit einem weichen Pinsel, so daß sich die Aufnahmen nahtlos verbinden.

  6. Andi Gentsch says:

    Das Herausarbeiten würde mich eben im Speziellen interessieren. ;) Daran scheitere ich meist. Grad bei Lichtquellen sieht man bei meinen Versuchen immer schon von Weitem das da was faul ist.

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    • Sofie Dittmann says:

      Andi, das kann ich Dir natürlich in der Theorie erklären, aber es ist etwas schwierig, es plausibel zu machen. Es kommt u.a. auf das Foto an. Bei diesem hier hätte ich die Aufnahme mit den „Sterneffekten“ als meine Basis benutzt, denn die sind schwer reinzubringen mit den Bäumen etc. als Hintergrund. Und wenn mir die Lichtstreifen der Autos wichtig sind, hätte ich die drübergelegt. Das wichtigste ist, daß die Aufnahmen ansonsten absolut identisch sind, d.h. im Weißabgleich etc. übereinstimmen.

    • Sofie Dittmann says:

      Photoshop z.B. Du suchst Dir die Aufnahmen heraus, aus denen Du bestimmte Elemente verbinden möchtest, und arbeitest diese dann durch die Verwendung von Masken heraus.

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