Stadtansicht:
Lichtstrahlen wirken lassen

Die einfachsten Eindrücke von Licht wirken in der Fotografie, wenn sie sichtbar gemacht werden, nicht selten grandios.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).

Kommentar des Fotografen:

Ich war auf dem Rückweg vom Sonnenaufgang fotografieren in Venedig. Ich machte einen Blick zurück – und gerade dieses Licht, die Stimmung haben mich so fasziniert. Was meint Ihr Profis zu meinem Bild?

Peter Sennhauser meint zum Bild von Claudia Portmann-Caminada:

Ein stuckverziertes Gebäude, respektive Teile seiner Fassade, ragen in diesem farbigen Hochkantbild links auf und füllen den oberen Teil des Formats; darunter und im rechten Bilddrittel sind die glatten Steinplatten des Markusplatzes (oder was ich dafür halte) zu erkennen, dahinter die Lagune von Venedig. Zwischen den Kolumnen des Säulengangs am Boden des Gebäudes gleisst das Licht der kurz nach dem Sonnenaufgang noch sehr flach stehenden Sonne hindurch.

Es ist ein simples, aber gar nicht so einfach umzusetzendes Rezept: Fotografie ist die Malerei mit Licht, die Sonne ist die beste Lichtquelle, und wenn man Schatten und Licht richtig betrachtet, erstaunen einem die Wechselwirkungen der beiden immer wieder aufs Neue.

Hier hast Du mit dem Weitwinkel und der tiefstehenden Sonne sowie den Schatten des Säulenganges ein starkes Muster gebaut, welches das Licht in seinem direkten Einfall, der Geradlinigkeit und damit den Sonnenstrahlen abbildet. Zussammen mit der Schmucken, perfekt belichteten Fassade des Gebäudes ergibt sich ein doppelter Blickfang, in dem sich das eine mit dem anderen so ergänzt, dass man ganz einfach hinsehen muss. Die Vertikalen des Säulenganges, der Kandelaber und der Masten und Pfähle dahinter sorgen mit dem gefächerten Licht der Sonne und den weiteren Diagonalen der Steinmuster auf dem Platz für eine enorme Spannung. Das ist sehr schön gesehen und wunderbar umgesetzt.

Als kleinen Wermutstropfen stören mich die zwei Personen in der Mitte und links im Bild – namentlich der Mann, der offenbar schnellen Schrittes um die Ecke stürmt, schafft eine Dynamik, die nicht in dieses von den Linien lebende Bild passt. Der einsame Spaziergänger rechts macht da buchstäblich schon eine ganze andere Figur. Und schliesslich hätte man das untere Bilddrittel mit einem leichten Schnitt verkürzen und damit deutlicher aus der horizontalen Mitte der Komposition herausnehmen können. das ist allerdings das Haar in der Suppe gesucht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Pingback

  1. [...] und eine leichte Vignette angelegt, was mir passend erschien.Claudia Portmann-Caminada hat ihren Sonnenaufgang in Venedig bereits kritisiert erhalten – und hier ist er nochmals auf dem ehrenplatz der [...]

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