Düstere Umgebung verzückend ins Licht gesetzt

Mal eben nebenbei ist hier ein gut fotografiertes Portrait entstanden, welches auch in schwarzweiss gut rüber kommt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sonja Molz)

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto entstand bei einem Shooting für den Kunstunterricht. In 3er-Gruppen sollten Aufnahmen zum Thema „Filmstills“ (Bezug zu Cindy Sherman) gemacht werden.

Wir entschieden uns, den Aspekt „Horror“ hervorzuheben. In der dazu erfundenen Geschichte geht es um eine Braut, die am Tag ihrer Hochzeit in einem See ertränkt wird und Jahre später an ihren Mördern Rache nimmt.

Dieses Foto gehört jedoch nicht direkt zu der ausgewählten Bildreihe, denn es entstand „mal eben zwischendurch“ in der Pause.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Sonja Molz:

Oftmals wirken in Schwarz und Weiß umgewandelte Bilder ja so, als ob der Fotograf versuchte noch etwas aus einem nicht ganz geglückten Farbfoto heraus zu holen. Selten, wie in diesem Falle, wirkt das Bild schon für die reduzierten Farben komponiert.

Der Bildaufbau mit den Augen im *Goldenen Schnitt*, die den Rezipienten direkt ansehen, ist ebenso gelungen, wie die hellen Blätter auf der linken Seite, die die ansonsten zu dunkle Fläche noch etwas interessant machen, durch diese Blätter bekommen wir etwas von der Umgebung mit. Es handelt sich vermutlich um einen Wald, da sie wie Eichenblätter aussehen und schon fängt sich auch in unserem Kopf an, eine Geschichte zu entwickeln.

„Was macht das zarte Mädchen im Wald?“

„Warum ist ihre Schminke so verschmiert?“

Irgendwie kommen wir dann doch noch auf die Horrorgeschichte im Hinterkopf, aber dieses leichte Lächeln, welches vor allem aus den Augen scheint, versöhnt uns als Bildbetrachter dann doch wieder und wir glauben an das Gute und machen uns keine weiteren Gedanken um die junge Frau.

Apropos Gutes und Schlechtes, obwohl ich das Bild wirklich gut finde und vor allem froh bin, dass es nicht noch durch einen *color-key*- Effekt (http://fokussiert.com/tag/color-key/) misshandelt wurde, ist mir die helle Rose im Haar doch etwas zu dominant. Der fast strahlende Punkt im Bild lenkt zuallererst von den Augen, die in unmittelbarer Nähe sind, ab. Und für mich sind die Augen bei einem Portrait immer noch das Wichtigste, die Türen zum abgebildeten Menschen, der Eingang in die Seele sozusagen. Diese Blüte im Haar könnte man ganz weglassen oder zumindest eine etwas dezentere einsetzen, sodass die Bildwirkung vielleicht noch etwas aufgehellt wird, aber nicht so dominiert.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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