Blätter im Gegenlicht:
Aufs Wesentliche konzentrieren

Auch, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, oder wie hier den Strauch vor lauter Blättern, sollte man sich in der Komposition auf das Wesentliche konzentrieren.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tilman Hesse).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tilman Hesse).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild zeigt die gefärbten Blätter eines Perückenstrauchs im Gegenlicht. Ziel war es, die Adern in den Blättern und den negativen Raum zwischen den Blättern einzufangen. Leider sind es insgesamt zu viele Blätter, rechts im Bild herrscht Unschärfe, und eine Vergrößerung daher ist nicht sinnvoll möglich. Wie kann es zusammengehen, dass große Abzüge trotz unscharfe Bildteile nicht schlecht aussehen? Hätte doch alles richtig scharf sein sollen? (“Wow-Faktor”) Auf dem Monitor ist es okay, aber in 30*45cm macht es keinen Spaß mehr.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Tilman Hesse:

Blätter im Gegenlicht haben einen besonderen Reiz. Man sieht alle Adern, und wenn dann noch Farbenspiel dazukommt, ist es für den Betrachter schwer, sich davon loszureißen. Viele Amateure machen den Fehler, solche Motive so zu fotografieren, wie sie sich auf den ersten Blick darstellen (Blatt von oben), sie gehen um die Dinge nicht herum, suchen anderen Perspektiven. Je nach Lichtsituation kommen dann dabei die typischen Pflanzenfotos in hartem Licht heraus.

Du hast den Strauch im Gegenlicht aufgenommen, wodurch das Foto erst seinen Reiz erhält. Eine Menge mehr oder weniger konform aussehender Dinge zu fotografieren, stellt jedoch besondere Herausforderungen an den Fotografierenden, was Komposition angeht. Worauf konzentriert man sich?

Wie geht man die Sache an?

Du schreibst hier, es seien “insgesamt zu viele Blätter”, und gibst Dir damit eigentlich selbst Deine Antwort. Du hättest hier mehrere Möglichkeiten gehabt. Wenn Du ein Makroobjektiv benutzt hast, hättest Du an eines wesentlich näher herangehen können, um dem Bild einen eindeutigen Schwerpunkt zu geben. Du hast Dich statt dessen dazu entschlossen, die Blätter als Menge darzustellen, und Dich fotografisch in selbiger irgendwo verloren.

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Als Betrachter wird man durch die Unschärfe rechts automatisch gezwungen, sich auf die Blattgruppe in der linken Ecke zu konzentrieren. Die unscharfen Blätter rechts dominieren allerdings so sehr, daß man an ihnen optisch nicht vorbeikann, weil sie sich auch noch im Vordergrund befinden.

Da Dir das erst hinterher aufgefallen zu sein scheint, kannst Du hier nur noch mit “chirurgischen Mitteln” arbeiten. Persönlich hätte ich das Bild von vorneherein wie oben beschrieben anders komponiert, aber hier im Nachhinein würde ich aus dem Querformat einfach ein Hochformat machen. Das Foto erhält so eine vollkommen andere Gewichtung.

Was ich auch noch etwas nachkorrigiert habe, ist der Kontrast in den Blättern und das Blau des Himmels direkt dahinter auf der rechten Seite. Da Du hier mit Farben und Kontrast arbeitest, sollte beides voll zur Geltung kommen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Hallo!

    Ich würde gerne erfahren warum der Fotograf so viel Wert auf den negativen Raum gelegt hat? Zumal die Re­zen­sen­tin ihn durch ihren “chirugischen Eingriff” am geänderten Bild massiv veränderte! Oder ging es nur um den Farbkontrast?

    Gruß Maude

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