Strassenfotografie:
Der Mann im Himmel

Bei grossen Kontrastunterschieden zwischen Motiv und Hintergrund muss die Belichtung auf Spotmessung gestellt werden.


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Oliver Lenze).

Kommentar des Fotografen:

Während eines Spaziergangs über die Münchener Einkaufsstraße entdeckte ich dieses Kunstwerk, was aus einer Einkaufspassage rausragt und die flanierenden Leute begrüßt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Oliver Lenze:

Eine männliche Figur mit weit ausgebreiteten Armen steht in dieser Aufnahme auf einem Balken. dieser ragt über dem Fotografen in einen ansonsten objektfreien, blau weissen Himmel hinein; die Figur wurde von links unten abgelichtet. Sie scheint aus Holz geschnitzt und so bemalt, dass sie ein weisses Hemd und dunkle Jeans zu tragen scheint.

Auf den ersten Blick fallen in diesem Bild die beiden starken Diagonalen auf: Jene der ausgebreiteten Arme und die des Balkens, auf dem die Figur steht. Die mittige Positionierung des Motivs und der Umstand, dass ansonsten nichts auf das Umfeld dieser Fotografie hinweist, spielen angesichts der starken Linien und Flächenaufteilung keine grosse Rolle.

Das Bild lässt auf minimalistische Art viel Spielraum für Gedanken, worum es hier geht: Religion? Kommerz? Kunst? Welche Pose nimmt dieser Grüssaugust (als der ich ihn nur dank Deiner Beschreibung identifiziere) wirklich ein? Worauf steht er, und warum?

Das reicht für ein einfaches, betrachtenswertes Bild; es gibt Anstoss und bietet Blickfang, auch wenn es nichts ist, in das ich mich vertiefen werde.

Technisch allerdings muss der Aufnahme die deutliche Unterbelichtung angekreidet werden. Bei weichem Licht ohne harte Schatten ist die Unterseite des Standbalkens, die durch den dem Betrachter zugewandten Schatten auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Perspektive verrät, in fast totalem Schwarz abgesoffen. Auch das Gesicht und der Rest der Figur sind nicht ideal Belichtet. Das liegt daran, dass Du mit Zeitautomatik fotografiert, die Belichtungsmessung aber auf Mehrfeld hast stehen lassen. Das heisst, die Kamera hat versucht, das gesamte Bild korrekt zu belichten und ist dabei zu einem Durchschnittswert gelangt, der verhindert, dass der Himmel hinter der Figur total ausbrennt – dabei aber den Vordergrund und das eigentliche Motiv unterbelichtet.

Mit der Spotmessung, welche punktuell nur die Belichtung auf dem Zentrum des Sucherbildes misst, hättest Du genau den richtigen Belichtungswert für das gesicht – den wichtigsten Motivteil auch bei einer Holzpuppe – ermitteln und so belichten können. Das bedingt je nach Einstellung, dass Du mit der Kamera das gesicht anvisierts und die Belichtung misst, dann den Speicherknopf AE drückst und das Bild neu komponierst.

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