Blumenfoto:
Stengel im Fokus

Blumenfotografie mal anders: Statt immer nur von oben auf die Blüte zu zielen, kann auch die Fokussierung auf eher weniger beachtete Pflanzenteile wie den Stengel reizvolle Fotos ergeben.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Gohlke).

Kommentar des Fotografen:

Wichtig erschien mir, die Blüte dieser Küchenschelle(?) nicht einfach „nur so“ vor weißem Hintergrund abzulichten, sondern mittels ungewöhnlicher Anordnung und mutigem Beschnitt einerseits und der Fokussierung auf den ungewöhnlich haarigen Stengel andererseits eine andere Sichtweise in der Blütenfotografie zu erzielen.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Alexander Gohlke:

Als Autor für fokussiert.com erhalte ich Einblick in die Fotos, welche uns Leserinnen und Leser für diese Rubrik schicken. Blumen, Pflanzen und Blüten sind da ein so häufiges Motiv, dass ich schon an anderer Stelle einen Beitrag über die „vier typischen Anfänger-Fehler bei Blumenfotos“ geschrieben habe.

Umso mehr freut es mich, dass es mal ein Foto gibt, bei dem sich der Fotograf getraut hat, bewußt einen neuen Blickwinkel auf das arg überstrapazierte Motiv „Blume“ zu versuchen:

Und es ist ihm gelungen. Alexander Gohlke hat sich entschieden, nicht wie üblich die schöne, bunte, symmetrische Blüte in den Mittelpunkt zu stellen, sondern diesmal den haarigen Stengel.

Der Fokus liegt auf dem Stengel, und der Blütenkelch und die Blätter bilden nur unscharf im Vordergrund oben und unten einen Abschluss. Trotzdem sind diese für die Bildwirkung nicht zu unterschätzen. Einerseits lassen diese Pflanzenteile überhaupt erst erkennen, dass der Stengel Teil einer Blume sein soll und andererseits bringen sie durch die Unschärfe etwas Tiefenwirkung ins Foto. Dieselbe Unschärfe lässt Blüte und Blätter aber auch als abstrakte Farbkleckse erscheinen, die Farbe und Abwechslung ins Form bringen. Zusammen erinnert das Bild so mehr an ein abstraktes Gemälde als an ein naturalistisches Foto.

Beschnitt zum QuadratZwei Kleinigkeiten hätten noch verbessert werden können: Rechts dominiert mir zu sehr der weiße, für die Bildaussage unwichtige Hintergrund, was durch einen quadratischen Schnitt wie in meinem Beispiel behoben werden könnte. Außerdem stört mich etwas, dass das ganz linke grüne Blatt unten sich mit dem Stengel schneidet. Hier hätte entweder eine leichte Bewegung der Kamera nach rechts geholfen. Falls das jedoch den gelben Farbtupfer, der hier gut direkt über dem Stengel liegt, ebenfalls zu sehr verschoben hätte, hätte der Fotograf die Blätter sicher auch von Hand minimal verschieben können.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Antworten
  1. Steffen says:

    Die Komposition von Alexander wirkt für mich deutlich
    spannender. Dazu trägt auch die Linienführung bei, die
    in der rechten oberen Bildecke ausläuft. Punkt für Alexander.

    Die quadratische Beschneidung des Bildes ist für mich wie
    oft in diesen Fällen weder Fisch noch Fleisch. Zwar werden
    die Farben dadurch stärker in den Mittelpunkt gerückt, dafür verliert diese Komposition in den ausladenen Linien. Den Anschnitt der Blüte finde ich zudem alles andere als glücklich. Es kommt also immer darauf an, wie Komposition, Schnitt und Verteilung der Elemente zur
    Bildgestaltung beitragen können. Hier bleibt die Originalversion für mich klar der Sieger.

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  2. Rick says:

    Ich persönlich finde auch die Version von Alexander besser.
    Seine Argumentation, dass das Foto durch den zusätzlichen Raum luftiger wirkt, halte ich für schlüssig.
    Im Gegensatz dazu ist die bearbeitete Version von Robert zu eng, zu begrenzt und wirkt in meinen Augen tatsächlich „nur“ wie ein Ausschnitt aus einem größeren Bild.

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  3. pedro penola says:

    Der „Profi“ Kneschke hat das Foto ja nun wirklich vergeigt. Das Original von Herrn Gohlke ist ein im Rahmen seines Potenzials perfektes Bild. Ich verstehe den Sinn dieser Verschlimmbesserungsaktionen nicht.

    Grüße und wehrt euch gegen ästhetische Bevormundung. Ihr wisst schon, warum ihr so oder so fotografiert. Manchmal versteht ihr euch nur selbst (noch) nicht. ;)

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  4. Rick says:

    Ich persönlich finde auch die Version von Alexander besser.
    Seine Argumentation, dass das Foto dadurch mehr Luftigkeit bekommt, finde ich schlüssig.
    Im Gegensatz dazu ist das bearbeitete Foto von Robert für meinen Geschmack zu eng, zu gefüllt und wirkt tatsächlich „nur“ wie ein Ausschnitt aus einem größeren Bild.

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  5. Alexander says:

    Ich finde natürlich meine Version auch deutlich besser. ;-) Natürlich auch ausgwogener. (Die zweite Aussage meine ich definitiv ernst.) Denn ich habe versucht, so ein bißchen den „Goldenen Schnitt“ zu berücksichtigen, und daher wurde die weiße Fläche miteinbezogen, um den Bild mehr Raum und damit Luftigkeit zu geben.
    Genau hierin sehe ich den „Mut zur Lücke“: nicht immer alle Motive nach Schema F, sondern eben mit gewagterem Anschnitt und mutiger Motivanordnung zu versuchen.
    Aber ich akzeptiere und respektiere auch abweichende Meinungen.
    Ich begrüß es sogar, sich (ab einem gewissen Niveau) über derartige Bildgestaltungsfragen auszutauschen.

    Lieben Gruß

    Alexander

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  6. Gisela says:

    Uwe, „Mut zur Lücke“; genau das Gegenteil ist der Fall, denn
    Robert meint ja, daß der Hintergrund zu stark dominiert, weswegen er ja den Beschnitt empfiehlt.

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  7. Gisela says:

    Das Bild gefällt mir außerordentlich gut – ich meine aber
    das Original von Alexander. Kann es nicht so ganz nach-
    vollziehen, Robert, denn durch den Beschnitt verschwindet
    der Lichtschein in der Blattfalte und das rechte Blüten-
    blatt komplett. Ich finde, daß dadurch ein nicht unwesent-
    licher Teil der kompositorischen Gestaltung einfach ver-
    lorengeht und das Foto so eher flächig erscheinen läßt.
    Das beschnittene Bild verliert viel von der harmonischen
    Ausgewogenheit des Originals.

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