Im Hut des Zauberers

Der Besuch einer Zauber-Show hinterlässt oft offene Münder und ratlose Gemüter. Wie macht der das nur? Magie? Dieses Gefühl beim Anblick eines Zauberers wurde gut in diesem Foto eingefangen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tas Hack).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tas Hack).

Kommentar des Fotografen:

ein befreundeter Zauberer sucht in seinem “Zylinder ohne Boden” nach dem Hasen…

Blende F/2,6
1/30 Sek Belichtungszeit
7mm Brennweite
Iso 100
Blitz automatisch

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Tas Hack:

Nanu? Wo waren die ganzen Häschen versteckt, die der Zauberer da aus dem Zylinder zieht? Und wieso flattern auf einmal unzählige Tauben durch die Luft? Der Besuch einer Zauber-Show hinterlässt oft offene Münder und ratlose Gemüter. Wie macht der das nur? Magie?

Die Spannung, den “Zauber” und Humor, den man erlebt, wenn man einem Zauberer zuschauen kann, hat Tas Hack in diesem Foto festgehalten. Gelungen ist das Bild auf mehreren Ebenen, die wir uns nacheinander ansehen wollen.

Kompositorisch folgt das Bild dem klassischen Goldenen Schnitt, sogar doppelt, mit dem Mann auf der vertikalen linken Drittellinie und dem Hut und seinem Gesicht auf der horizontalen oberen Drittellinie. Dadurch wirkt das Foto ausgeglichen.

Die Farbwahl ist ebenfalls passend. Farblicher Blickfang ist der rote Zylinder, der ja auch den “Witz” des Fotos enthält, in diesem Fall den “fehlenden” Arm des Zauberers. Das blauweiß geringelte Langarmshirt ist die einzige Kontrastfarbe und passt als Kleidungsstück zu einem Kinderzauberer oder Clown. Die verwuschelten Haare lassen den Mann ebenfalls als Künstler wirken und der übertrieben konzentriert wirkende Gesichtsausdruck des Mannes inklusive herausstehender Zunge scheint als denke er: “Irgendwo in diesem riesigen Hut muss ich meine Kaninchen doch abgelegt haben…”

Da das Gesicht der einzige Bereich des Fotos ist, der scharf ist, konzentrieren sich die Augen darauf automatisch, gleich nach dem instinktiven Blick auf den roten Zylinder-Farbklecks. Ein gelungener Kunstgriff, der hier sehr passend gewählt ist.

Als jemand, der sonst hauptsächlich kommerziell fotografiert, stören mich trotzdem einige Nachlässigkeiten im Foto. Der Ring am Finger müsste nicht sein, da er von der Hauptlinie Zylinder-Gesicht ablenkt. Gleiches gilt für die Tätowierung am Unterarm, die dem Bild etwas von seiner naiven Leichtigkeit nimmt. Außerdem sind am linken und oberen Bildrand rechts in der Bildmitte einige störende Flecken, die vermutlich von der kaputten oder maroden Wand stammen. Diese hätten innerhalb von paar Sekunden digital retuschiert werden können.

Leider ist auch die Bildqualität sichtbar schlecht. Vor allem zeigt das Gesicht in der 100%-Ansicht ein starkes Rauschen, was bei größeren Abzügen oder gar Postern schnell störend auffallen würde.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare

  1. Ungewöhnlich in der Bildgestaltung – die Person ganz an den linken Rand gedrückt – gefällt es mir gerade deshalb, die Augen in das leere rechte Feld gerichtet… sehr gut.
    Ich kenne diesen Regelbruch und die Wirkung selbst nur zu gut…:-)
    Mich selbst stören weder Ring noch Tätowierung… die gehören irgendwie einfach zu diesem Gesicht mit den strubbeligen Haaren dazu. Die Farbgestaltung und das Zusammenspiel auch hinsichtlich der Menge, wenn auch das Rot dominiert – in diesem fall sogar positiv, finde ich gelungen.
    Eine Anmerkung zu Roberts Äußerung noch…
    … sonst hauptsächlich kommerziell fotografiert, … was bei größeren Abzügen oder gar Postern schnell störend auffallen würde…
    Ich gehe immer noch davon aus, dass hier zum größten Teil Bilder besprochen werden, die von Amateuren hergestellt werden und nicht, oder zu 90% nicht, über eine Vergrößerung von max.30x20cm hinaus gehen. Und ich glaube, dafür reichts… :-) Ich kenne das Original nicht und auch die vergrößerte Ansicht hier lässt eine subjektive Beurteilung irgendwie nicht zu…
    Was mir wesentlich weniger gefällt ist nicht die marode Wand im HG, die gefällt mir sogar, sondern eher die etwas holperige Freistellung des Gesichts durch ein Bildbearbeitungsprogramm und nicht durch die Nutzung einer offenen Blende und einer längeren Brennweite… :-)

  2. Hallo.
    Vielen Dank für diese Kritik und eure Zeit, ich freue mich wirklich sehr, dass mein Bild hier besprochen wurde.

    Reinhard, danke für deinen KOmmentar und die Anregung mit der offenen Blende und längeren Brennweite. Aber würde dann nicht auch das Gesicht unscharf werden?

    Herzlichen Dank!! :)
    Tas

  3. :-) Du fokussierst dabei NUR auf die Augen…

    bei 85mm Brennweite und Blende 1.4 würde dann zwar eine “andere” Unschärfe entstehen, also sicher nicht ganz so extrem wie Du sie “hergestellt” hast, aber dafür eine natürlichere.

    Wichtig ist dabei auf die Augen zu fokussieren und je näher Du an das Objekt heran trittst, desto unschärfer wird das Umfeld… sprich HG… :-)
    Bei Vollformatkameras extremer, als bei denen mit 1.5 oder 1.6er Crop…

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