Schnappschuss statt Serie

Serien sind wie Sahne auf der Torte. Eine gute Serie vermag es, dem gelungenen Einzelbild durch das Hinzustellen weiterer gelungener Einzelbilder einen roten Faden zu verleihen, der jedes Foto noch intensiver wirken lässt. Das setzt jedoch voraus, dass dieser „rote Faden“ auf dem Bild inhaltlich oder kompositorisch erkennbar ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© lucas  ziegler).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist ein Teil einer Bildstrecke/Streetphotogr. zum Thema Kältewelle in Zürich.

Ich wollte Menschen, die bei diesen tiefen Temperaturen unterwegs waren, bildnerisch festhalten um in einem Gesamtbild (siehe Homepage)die Stimmung dieses Tages in Zürich wiedergeben zu können.

Ich habe diese Bild augewählt, da die 3 Personen zwar zusammen waren, gedanklich dennoch für sich standen. Des Weiteren finde ich die Herkunft der Menschen interessant. Es war offensichtlich, das die Personengruppe aus dem Ausland stammte und sich zwangsweise an das neue Umfeld (Temperatur) gewöhnen musste.

Über konstruktive Kritik und Tipps würde ich mich sehr freuen.

Blende 1.8
Verschlusszeit 250
(Bin mir nicht mehr ganz sicher)

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von lucas ziegler:

Serien sind wie Sahne auf der Torte. Eine gute Serie vermag es, dem gelungenen Einzelbild durch das Hinzustellen weiterer gelungener Einzelbilder einen roten Faden zu verleihen, der jedes Foto noch intensiver wirken lässt. Das setzt jedoch voraus, dass dieser „rote Faden“ auf dem Bild inhaltlich oder kompositorisch erkennbar ist.

Kompositorische Ähnlichkeiten sind wegen der mangelnden Vergleichsmöglichkeit bei diesem Bild nicht festzustellen, was aber sofort auffällt, ist, dass das selbstgewählte Serienthema „Kältewelle in Zürich“ ohne den Fotografenkommentar nicht zu erkennen gewesen wäre. Das Bild zeigt drei Männer mittleren Alters auf einem Bürgersteig stehen. Das ist die nüchterne Betrachtungsweise. Die philosophischen Gedanken des „gedanklich für sich Stehens“ oder die kulturalistisch angehauchte Herkunftsanalyse sind auf dem Bild per se nicht sichtbar. Wenn aber der Fotograf mehrere Sätze schreiben muss, um sein Bild zu erklären, gibt es für das Foto Verbesserungsbedarf.

Das fängt bei den technischen Details an. Das Bild ist wegen des Gegenlichts kontrastarm und zeigt Linsenflecke. Das Thema „Kälte“ ist kaum sichtbar, obwohl es vielfältige Möglichkeiten gäbe, diese sichtbar zu machen. Entweder durch Eis oder Schnee in der Landschaft, der sichtbare warme Atem, wenn er in kalter Luft entweicht, Gänsehaut, bibbernde Gesichtsausdrücke etc. Nichts davon hat der Fotograf genutzt. Dazu kommt, dass es nicht so kalt sein kann, wenn die Männer sich die Zeit nehmen, bei der Temperatur auf der Straße für ein Gespräch stehenzubleiben. Sollte es andere Gründe für das Warten geben wie eine Bushaltestelle oder eine Warteschlange, hätte der Fotograf das mit einfangen können, um die Zwangslage des „im Kalten Wartens“ zu betonen. Auch die Bildaufteilung ist lieblos und nicht durchdacht. Der Horizont könnte begradigt werden und die vordere Person wäre bei anderer Aufnahmeposition besser sichtbar.

Es mag hart klingen, aber so wirkt das Foto höchstens wie ein liebloser Schnappschuss einer kleinen Menschengruppe.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Ziegler Lucas says:

    Hallo Fokusiert-Team,

    Danke für das Feedback. Auch wenn die Kritik stärker als erwartet ausgefallen ist. Somit habe ich für neue Bildstrecken, weitere Kriterien die ich beachten werde und mir bei der Umsetzung helfen. Merci.

    Grüsse Euch
    Lucas Ziegler

    Antworten

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