Lewis Baltz:
Vom Menschen gestaltete Landschaft

Lewis Baltz kennen wir als Vertreter der „New Topographics“, von „Park City“ und anderen Projekten in strengen, schwarzweißen Fotografien. Später wandelte sich seine Bildsprache.

Lewis Baltz: Anechoic Chamber, France Télécom Laboratories, Lannion, France, 1989-1991. Aus der Serie 89/91 Sites of Technology © Lewis Baltz, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Seit den Neunzigerjahren benutzt Lewis Baltz Farbe und erstellt großformatige Einzelbilder. Aber immer geht es um die vom Menschen gestaltete, veränderte oder zerstörte Landschaft.

In den Siebzigerjahren veränderte der Amerikaner Baltz, Jahrgang 1945, mit anderen damals jungen Fotografen wie Stephen Shore, Robert Adams oder Frank Gohlke den Blick auf die Landschaft. In der legendären Ausstellung „New Topographics“ im MoMA New York (fokussiert.com: Neuer Blick auf die Landschaft) wurde die vom Menschen geänderte Landschaft in den Fokus gerückt – statt einer mehr romantischen Sicht auf eine „schöne“ Landschaft (die gleichwohl immer noch vertreten wird).

Lewis Baltz: Palo Alto, 1973. Aus der Serie The Prototype Works © Lewis Baltz, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Schon in seinem Frühwerk, den „Prototype Works“ (1967-76) oder den „New Industrial Parks Near Irvine“ (1973-75) zeigte Baltz seine formal ungeheuer strenge Formensprache. Seine damals innovative Landschaftsfotografie dokumentiert Orte, die Produkt der industriellen Zivilisation sind: Brachlandschaften, Industriegebiete, Lagerhallen. Ihre räumliche Gestalt offenbart in der präzisen Form der Schwarzweiß-Fotografie eine unverkennbare Nähe zur Kunst des Minimalismus: Das ästhetische Wohlgefallen der strengen Komposition und das Entsetzen über den Preis des Fortschritts markieren die beiden entgegengesetzten Pole in den Fotografien von Lewis Baltz.

Lewis Baltz: Organisation Europénne pour la Recherche Nucléaire (CERN), Geneva, 1989-1991. Aus der Serie 89/91 Sites of Technology © Lewis Baltz, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Nachdem Baltz anfangs im Hinblick auf seine klare Formensprache eher als Dokumentarist wahrgenommen wurde, hat sich das Werk des seit 1986 in Paris und Venedig ansässigen Fotografen auf den ersten Blick erheblich gewandelt. Doch trotz der neuen Formensprache mit Farbe und großen Abzügen bleibt sich der Künstler treu: stets geht es um eine Auseinandersetzung mit dem urbanen Raum, Architektur, Landschaft und Ökologie. Lewis Baltz wirkt als subtiler Künstler mit politischen Motiven fernab von plakativen oder agitatorischen Tendenzen. „Fotografie ist eine politische Methode des Staunens“, sagte er einmal in einem Interview.

Lewis Baltz: Unoccupied office, Mitsubishi, Vitre (FR), 1989-1991. Aus der Serie 89/91 Sites of Technology © Lewis Baltz, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Ein breiter Überblick über Lewis Baltz‘ ganzes Wirken wird nun aktuell im Bonner Kunstmuseum gezeigt – eine seltene Gelegenheit, diese Bilder im Original zu sehen. Es gibt eine Reihe von Bildbänden zu kaufen, zum Beispiel The Prototype Works (Affiliate-Link), von Steidl in Göttingen 2011 neu herausgegeben. Zur Ausstellung erscheint 2012 neu als Taschenbuch Rule without Exception / Only Exceptions (Affiliate-Link), ebenfalls bei Steidl.

Lewis Baltz: Ideal, 1976. Aus der Serie “The Prototype Works” © Lewis Baltz, courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Lewis Baltz
Bis 2. September
Kunstmuseum Bonn, Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 2, D-53113Bonn
+49(0)2 28 77-6260, kunstmuseum@bonn.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Mittwoch 11 – 21 Uhr

Lewis Baltz bei Wikipedia
Kunstmuseum Bonn

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