Bildkritik:
Landschafts-Schnappschuß:
Regelbrüche bewußt einsetzen

Die Krux mit Regelbrüchen ist, daß sie bewußt und gekonnt eingesetzt werden müssen, wenn sie eben genauso wirken sollen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Huber).“ title=“© Christian Huber Canon – Canon EOS 5D – 1/100 – f16 – ISO 500 – 17mm“ width=“208″ height=“300″ class=“alignnone size-large wp-image-27959″ />

Kommentar des Fotografen:

Bild entstand kurz vor Sonnenuntergang im Aargauischen Fricktal. Freihandaufnahme, 1/100 sek. / ISO 500 / f16 -> damit auch Gräser im Vordergrund bzw. Landschaft im Hintergrund scharf sind.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Christian Huber:

Du hast hier einen Baum im Gegenlicht so fotografiert, daß die Sonne als Sonne und nicht bloß als heller Fleck im Bild erscheint. Viele Leute hätten in dieser Situation die Blende möglichst weit geöffnet, eine schnellere Verschlußzeit zu erreichen. Du hast das Problem damit gelöst, daß Du den ISO heraufgeschraubt hast, und bei einer Blende von f/16 entstehen so Sonnenstrahlen anstatt einer Sonnenaura. Da Du schreibst, die Wahl der Blende sei dadurch zustande gekommen, daß Du den Vordergrund scharf abbilden wolltest, nehme ich einmal an, daß es sich um einen „glücklichen Zufall“ handelt, daß die Sonne so „ausfiel“ – oder, wie man es im Amerikanischen ausdrückt, „you got lucky“. Es wirkt auch alles im Vordergrund leicht verschwommen, was allerdings an der Größe des Bildes liegen kann, das mir zur Verfügung stand – das sei also dahingestellt.

Was mir bei Deinem Foto allerdings sofort negativ auffiel war die Bildaufteilung. Der Horizont, wie auch der Baum mit dahinterliegender Sonne – alles ist zu mittig für mich, zu statisch. Du hättest das hier dadurch lösen können, daß Du entweder im Querformat fotografierst und weiter entfernt stehst, so daß der Baum aus der Mitte heraus nach links verschoben wird. Du hättest auch, wenn Du das Hochformat beibehalten willst, weiter von ihm entfernt und so stehen können, daß er aus der Mitte heraus nach links verschoben wird.

Man kann natürlich argumentieren, dieser Regelbruch, was die Komposition angeht, war Absicht. Auch wenn das der Fall sein sollte, er funktioniert hier für mich nicht. Nichts ist sonst da, nichts sonst angelegt, was diese Statik auflöst.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Antworten
  1. Mary says:

    Landschaft = Querformat. Goldener Schnitt = Optimung. Gerade das ungleich macht das Bild für mich zu einem sehr Sehenswerten und ich finde die Bildaufteilung toll und gelungen. Die Stimmung, die es transportiert ist wunderbar.

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  2. Gerhard says:

    leider ist für mich nur die Miniatur ersichtlich. Beim Anklicken des Bildes erscheint nur die Bildkritik ohne die Vergrößerung. Dadurch ist es nicht möglich die Kritik nachzuvollziehen. Ist da etwas vergessen worden?

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  3. Dr. Thomas Brotzler says:

    Auch mir geht es so, daß ich die Bildidee des Fotografen aus seinen Äußerungen zwar erahne, diese im Bild jedoch nicht umgesetzt sehe.

    Über solche Schwierigkeiten der Um- und Übersetzung der Bildidee in das fertige Werk haben wir verschiedentlich schon diskutiert. Es reicht leider nicht, wie der Laie erhofft, sich auf die heutzutage recht fortgeschrittene Fototechnik zu verlassen, um die Stimmung vor Ort über das Bild zum Betrachter zu transportieren. Dies gelingt erst mit einigem kompositorischen und dramaturgischen Geschick.

    Im Vergleich zur Malerei denke ich übrigens, daß die nötige Um- und Übersetzung der Bildidee in das fertige Werk bei der Fotografie noch schwieriger ist. Dies mag auch mit besagtem Irrglauben „die Kamera wird es schon richten“ zu tun haben, denn kein Maler wird sein nötiges Zutun im Sinne eines „der Pinsel wird es schon richten“ verleugnen.

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ich persönlich denke auch, daß es in der Fotografie schwieriger ist – und wenn nur deshalb, weil die Kamera nur schwer das wiedergibt, was das Auge sieht. Ich könnte mir manchmal selbst die Haare ausreißen – aber man muß eben akzeptieren, daß keine Kamera dieser Welt technisch an das menschliche Auge heranreicht, und daß man sich letztlich nur annähern kann. Und eben auch nur im Rahmen der Kamera, und nicht freihand mit einem Pinsel.

  4. Christian Huber says:

    Vielen dank für die Bildkritik! Hatte verschiedene Perspektiven, welche auch den Kompositionsregeln entsprachen, versucht. Mir gefiel diese jedoch am besten, da sich keine unnötigen Details darauf befinden und die Gräser am besten zur Geltung kommen. Allerdings muss ich jetzt auch zugeben dass es somit zu statisch wirkt. Gruss C. Huber

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    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Ich kann diesen Zwiespalt gut nachvollziehen. Oft schwanke ich zwischen mehreren Versionen hin und her, um dann an einer hängenzubleiben.

      Hätte sich nur ETWAS im Foto befunden, was es etwas „aufgelockert“ hätte, wäre ich mit der Komposition voll einverstanden gewesen. Ich habe vor ein paar Monaten mal ein Bild mit einem Baum besprochen, der ebenfalls vollkommen mittig im Bild angeordnet war. DORT hat es allerdings funktioniert, weil unten ein Weg vorhanden war, und das ganze nicht anders hat angeordnet werden können. Hoffe, das macht Sinn.

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