Inessa Dolinskaia:
Geheimnisvolles Wunderland

Morgens um Fünf ist in Berlin die Welt geheimnisvoll, jedenfalls für Inessa Dolinskaia. Sie geht spazieren und fotografiert ihr Wunderland.

Inessa Dolinskaia
: Wunderland # 1, 2009 © Inessa Dolinskaia, Galerie Hilaneh von Kories

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es sind flüchtige Momente aus Großstädten wie Berlin, Moskau oder Florenz, die Inessa Dolinskaia einfängt, schwarzweiss, unscharf, subjektiv, poetisch (was nichts anderes heißt, als dass es sich einer sprachlichen Beschreibung entzieht).

Für die aus Russland stammende Inessa Dolinskaia sind die Stunden der Dämmerung am Morgen oder am Abend bevorzugte Tageszeiten für viele ihrer Aufnahmen. Neben den Fassaden und Gebäuden gilt ihr besonderer Blick den Bäumen und Pflanzen, die sich im in der Stadt behaupten müssen. Sie rückt die Zwischenräume in den Mittelpunkt. Enge Ausschnitte, Unschärfen und Überlagerungen verschiedener Bildebenen schaffen immer wieder neue Blicke auf die Städte. In Dolinskaias Kompositionen erscheint die Stadt nicht real, sondern als Traumgebilde aus Gefühlen und Sehnsüchten.

Inessa Dolinskaia
: Wunderland # 6, 2009 © Inessa Dolinskaia, Galerie Hilaneh von Kories

Inessa Dolinskaia schreibt:

„…ich ziehe mich an, mache das Fenster auf. Wichtig ist dabei, keinen zu wecken, sonst werden Fragen gestellt, auf die man keine Antwort hat. / Waren Sie schon um 5 Uhr morgens in Berlin spazieren? / Es ist wunderschön. Und da ich nicht laufen mag, fliege ich. / Ich liebe Berlin morgens, wo noch alle schlafen und die wenigen, die von der oder zur Arbeit eilen, schauen nicht nach oben, also bewege ich mich die meiste Zeit in stolzer Einsamkeit, abgesehen von ein paar verschlafenen Vögeln. / Ich sehe Hinterhäuser mit verstaubten Fenstern, die eine andere Wirklichkeit widerspiegeln. Dächer mit unzähligen Antennen, die tagsüber außerirdische Schatten werfen, aber in dieser Morgenstunde wie aus einem Märchenbuch entsprungen wirken. / Ich mag große Kreuzungen mit noch blinzelnden einäugigen Ampeln, wo die einzigen Fußgänger Tauben und Spatzen sind. Die Bäume fühlen sich im Morgengrauen auch noch unbeobachtet und flüstern miteinander. / Ein Spielplatz. Umgewühlter Sandkasten, man kann noch die Stimmung vom vorigen Tage fühlen. / Die aufgemalte Sonne auf dem Asphalt lächelt mich an. Ich setze mich auf eine Bank und mache die Augen zu. Es klingelt.“

Inessa Dolinskaia
: Wunderland # 7, 2009 © Inessa Dolinskaia, Galerie Hilaneh von Kories

Die Bildserien tragen Titel wie „Berlin pastell“, „Geflüster“, „Fiktive Heimat“ oder eben „Wunderland“. Diese Serien dokumentieren nicht, sondern sprechen das Gefühl der Betrachter an. Nicht jedes Bild muss erklärt und verstanden werden.So gehen Traum und Wirklichkeit in den Bilderzählungen eine ganz eigene Verbindung ein.

Inessa Dolinskaia
: Wunderland # 8, 2008 © Inessa Dolinskaia, Galerie Hilaneh von Kories

Inessa Dolinskaia wurde 1980 im russischen Saratow geboren. Seit 2006 arbeitet sie freiberuflich als Fotografin; sie ist Absolventin der Neuen Schule für Fotografie Berlin (Abschluss 2009). Erste Ausstellungen hatte sie in den letzten Jahren in Berlin, Köln und München. Mit Hamburger Galerie Hilaneh von Kories zeigt ihre aktuelle Ausstellung in einer Reihe „Next Generation“, mit der Nachwuchskünstlern ein Forum gegeben wird. 2010 wurde Dolinksaia mit dem Canon Profifoto-Förderpreis ausgezeichnet. Wir finden die Projekte auf Inessa Dolinskaias Website.

Inessa Dolinskaia
: Wunderland # 9, 2010 © Inessa Dolinskaia, Galerie Hilaneh von Kories

Inessa Dolinskaia – Wunderland
Bis 27. Juli
Galerie Hilaneh von Kories, Stresemannstraße 384a, D-22761 Hamburg
+49 (0)40 42 32 01 12, mail@galeriehilanehvonkories.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 14 – 19 Uhr und nach Vereinbarung

Inessa Dolinskaia
Galerie Hilaneh von Kories

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