Konzeptfoto mit „Book Birds“ – Die Grenzen zur Montage ausgedehnt

Mit digitalen Mitteln lassen sich immer noch neue fotografische Avenuen erschließen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Catherina Stuckmann).

Kommentar des Fotografen:

Inspiriert von Casey David, der eine Menge dieser Book-Bird-Bilder gemacht hat. Das war mein erster Versuch und es hat gleich super geklappt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Catherina Stuckmann:

Da ich mich nicht lange soviel mit Flickr beschäftige wie andere, mußte ich zugegebenermaßen Casey David erst einmal „nachschlagen“. Er hat, wie Du sagst, das „Book Bird“ (etwa: „Büchervögel“) Konzept zu einem Hauptthema gemacht, und lichtet sich und andere in allen möglichen Situationen mit „fliegenden“ Büchern ab. Ein paar der auf seiner Flickr-Seite zu findenden Fotos sind konzeptionell gut gelungen, bei anderen fragte ich mich unwillkürlich, was die fliegenden Bücher im Bild sollten. Es ist eben, wie man so sagt, sein „Ding“, und irgendwann gehen einem wohl die Ideen aus.

Zu Deiner Inszenierung paßt das „Book Bird“ Konzept für mich dagegen sehr gut. Eine junge Frau hockt in einer Stellung, die man schon fast als „fötal“ bezeichnen muß, die Arme schützend nach oben gehalten auf einem abgeernteten Feld. Sie wird von „Büchervögeln“ umschwärmt, nein, attackiert. Was hat sie dazu bewegt, sich aus dem schützenden Wald heraus auf diese Lichtung zu begeben?Man kann die Szene fast als kafkaesk bezeichnen, denn sie wirkt nicht nur surreal, sondern auch gleichzeitig irgendwo absurd: Bücher, die uns in Zeiten der Schwermut, der Langeweile Trost spenden, die uns sonst in Traumwelten versetzen, oder auch nur Informationen vermitteln – uns aber in jedem Fall normalerweise etwas Positives bedeuten – verwandeln sich hier rein durch die Darstellung in etwas Bedrohliches, Negatives. Der Fotograf ist schweigender Zeuge, greift aber nicht ein.

Wenn auch ein Foto wie dieses letztlich nur mit digitalen Methoden zu erreichen ist, also eigentlich eine Montage darstellt (zumindest vermute ich das) und damit die Grenzen zwischen Fotografie und digitaler Kunst verschwinden läßt, finde ich Dein Bild nicht nur sehr gelungen, sondern es ist auch „einmal etwas anderes“, auch wenn es letzthin nicht wirklich Deine Idee war. Auch Maler haben sich ja schließlich gegenseitig über die Jahrhunderte inspiriert.

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1 Antwort
  1. Markus Kohlhoff says:

    Netter Trick mit technisch gelungener Umsetzung, aber die Ausgangsszene empfinde ich lieblos fotografiert. Eine Fläche, die weder Rasen noch Feld noch Acker ist, das Gegenlicht, was ich unpassend empfinde, da es nicht zur Lichtstimmung beiträgt und schließlich der wie ausgeschnitten wirkende Himmel links. Die Szene trägt nichts zur „Bücherbedrohung“ bei.
    Bei attakierenden Vögeln musste ich sofort an Hitchcock denken und eine entsprechende Umsetzung, z.b. dunkel in s/w mit einigen Büchern auf knorrigen Ästen sitzend hätte wahrscheinlich ein klasse Bild ergeben.

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