Abgeerntetes Feld:
Struktur in Konkurrenz

Verschiedene Strukturen können in einem Foto zusammen- oder gegeneinander arbeiten. Der Fotograf entscheidet, wer “gewinnt”.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Beate Wehrle).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Beate Wehrle).

Kommentar des Fotografen:

reizvoll fand ich das Aufeinandertreffen der Wolkenstruktur mit der des gemähten Feldes sowie die Hügellandschaft.

Canon EOS 60D
Brennweite 50 mm
Iso 100
Blende 4,0

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Beate Wehrle:

Der von mir oft zitierte David Hurn sagte in seinem Interview mit Bill Jay, das in dem hier auch besprochenen “On Being a Photographer” (Fotograf Sein) aufgezeichnet wurde, daß ein Fotograf eigentlich nur bestimmen muß/kann, wo er steht und wann er auf den Auslöser drückt. In diesem Sinne sei Fotografie sehr einfach.

Mein erster Impuls, als ich das las, war zu protestieren: was ist mit Kameraeinstellungen? Ausrüstung? Doch wenn man es sich genau überlegt, sind das in der Tat Nebensächlichkeiten. Wirklich gute Fotografen können auch mit einer Holga bessere Bilder machen als andere mit einer Leica M9. Das Technische gehört zum Handwerk, die Auswahl von Standpunkt und Zeitpunkt zur Kunst der Fotografie.

Dein Bild hat mich hauptsächlich wegen der Strukturen im Feld interessiert. Wie die Linien so wellenförmig durch das Bild laufen, hat auch für mich eine anziehende Wirkung. Damit kontrastiert der Wolkenhimmel, der weniger geometrisch zum Feld ein Gegengewicht bildet. Und damit wären wir auch bereits beim Thema. Wieviele Wolken bei einem Schnappschuß wie diesem am Himmel sind, kann man als Fotografin schwer beeinflussen – außer, man veharrt stundenlang und wartet auf den EINEN entscheidenden Augenblick, wie das Landschaftsfotografen oft tun.

Hier interessiert mich weniger der Himmel, der schon alleine durch den Raum, den er einnimmt, dominiert, und der hier “gegen” das Feld arbeitet. Hier interessieren mich genau die Strukturen im Feld, und davon ist leider zu wenig zu sehen. Vor ein paar Monaten habe ich ein Foto von Sten Schneider besprochen, der gekonnt vorgeführt hat, wie das aussehen kann.

Wie David Hurn schon sagte, Du hattest die Kontrolle darüber, wo Du stehst und was Du aufnimmst. Und leider ist davon zu wenig im Bild. Letztlich ist noch anzumerken, daß das Bild verschwommen wirkt, was allerdings auf die eingereichte Auflösung zurückzuführen sein mag.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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14 Kommentare

  1. Ich finde Sofie hat in ihrer Kritik völlig recht. Mit diesem Bildausschnitt, der sich nicht für Himmel oder Erde entscheidet, kann man nur verlieren.
    Aber auch die Konzentration auf die “Wellen” der Hügellandschaft ergibt nicht automatisch ein gutes Bild. Als Betrachter braucht man etwas, an dem sich das Auge festhalten kann, seien es diagonal verlaufende Linien oder ein Objekt, z.B. ein Baum.

  2. Da schließe ich mich an. Abgesehen von den breiig wirkenden Strukturen im Feld und den käsig erscheinenden Wolken (ob es nur an der Verkleinerung und Kompression liegt oder ob da eine etwas heftige Entrauschung zum Tragen kam?) erscheinen mir dieses Motiv und die Darstellung desselben “zu sehr zufällig gefunden, zu wenig von einer inneren Idee getragen und gesucht”. Dieses allfällige “ach, das ist jetzt aber schön, das muß ich gleich aufnehmen” garantiert nicht, daß das Bild eine Botschaft transportiert und den Betrachter berührt. Es geht mir dabei nicht darum, daß man nicht aus einfachsten Dingen etwas Tolles machen kann – in diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf Robert Häussers berühmtes Ackerbild von 1950 hinweisen: trockene Furchen, ein Pferdegespann mit Bauer und Pflug, eine kleine Staubwolke, kein Himmel, fertig … und doch atmet dieses Bild und läßt uns all die Beschwernis und Erdigkeit der Situation spüren …

    • Hey, Thomas, das ist eines der besten Bilder, die ich in meinem Leben gesehen habe. Eigentlich gibt es nichts von Häusser, das ich nicht super finde. Wir waren vor Jahren mal in Mannheim in einer Häusser-Ausstellung, wo die berühmtesten Aufnahmen seinerseits ausgestellt waren. Leider mit nicht besonders tollen Gedichten nebendran, die dann auch (eben leider) im zugehörigen Katalog zu finden waren. Der Mann ist ein Genie!

    • Wir waren vor Jahren mal in Mannheim in einer Häusser-Ausstellung, wo die berühmtesten Aufnahmen seinerseits ausgestellt waren. Leider mit nicht besonders tollen Gedichten nebendran, die dann auch (eben leider) im zugehörigen Katalog zu finden waren.

      Hallo Sofie, Du meinst “Ins Wort gesetzt”, jenen Katalog der kombinierten Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museum um 2007 herum, nicht wahr? Wie Du fand auch ich manche Paarungen von Bildern und Gedichten etwas schwerverdaulich bzw. aufgesetzt. Wolf Biermanns Partnergedicht zum Ackerbild (“Und schärfer seh ich so Bilder im Bild nun, die ich einst sah.”) allerdings sprach mich tief an.

      Thomas

    • Ja, genau die. Wir haben damals Familie in Deutschland besucht, und zufälligerweise hatten sie Häusser dort ausgestellt. Ich hätte auch noch Cartier-Bresson mitnehmen sollen, die gab’s auch noch vor Ort, aber die Zeit war zu knapp… :) Biermanns Gedicht hatte ich vergessen, muß ich gleich nochmal nachlesen.

    • Für diejenigen, die es interessiert: Bild und Gedicht sind hier Anfang 2011 schon einmal vorgestellt worden … http://fokussiert.com/201…otografie-und-lyrik/

  3. Das Bild bzw. die Situation in der es entstand hat aus meiner Sicht durchaus eine Qualität, aber es mangelt meiner Meinung nach an einem anderen Punkt den Sofie aber auch schon angesprochen hat: Der Zeitpunkt war nicht optimal. Die zweite Welle liegt im Schatten einer Wolke und das Muster verliert sich dadurch ein wenig. Auch die Verteilung der Wolken ist nicht optimal. Eine einzelne Wolke links oben, anstatt dem blauen Himmel, die sich dort etwas von den anderen Wolken abhebt, würde einen besseren Kontrast zum Feld erzeugen und den gefühlten Schwerpunkt des Bildes noch nach oben verschieben.
    Etwas warten und die Strukturen beobachten kann sich da lohnen. Aber oft erkennt man halt vor Ort nicht das Potential das so eine Situation bergen kann, oder man hat die Zeit nicht. (Geht mir zumindest oft so)

    • Deswegen arbeiten Profis in Serien. Dann ist man mit dem Objekt oder der Landschaft so gut vertraut, daß einem diese Dinge nicht mehr entgehen, aus Zeitgründen oder anderweitig.

  4. Das ist wirklich ein sehr interessantes Bild. Schön und beeindruckend, wie die einzelnen Strukturen aufeinandertreffen. Die Natur bietet schon ihre Wunder.

  5. Für mich sieht das Bild aus als wäre der Himmel nachträglich eingefügt worden und der Vordergrund dann farblich aufgehellt worden. Da passt nichts zusammen.
    Dass der Himmel toll ist und auch das strukturierte Feld – keine Frage, aber das Bild ist für mich nicht stimmig. Auch die Farben sind mir zu verwaschen.

  6. …ein Wolkenloser Himmel mit einen schönen Verlauf würde die Aufnahme unheimlich aufwerten.

  7. Weiß nicht… ich finde, der Fotograf hat das Beste aus diesem Motiv in diesem Moment gemacht. Ohne Schatten auf der 2. Welle wärs z.B. weniger gut. Aber es stimmt schon: Es fehlt das “Punctum”, der Pfeil ins Herz.

  8. Mich hat das Bild in der Miniansicht bereits angesprochen.

    Meiner Meinung nach hat der Bildautor die vorgefundene reizvolle grafische Struktur zu recht fotografierenswert gefunden.
    Ein solch schönes Motiv ist es wert, Stunden vor Ort zu bleiben, um eine optimale Wolken- und Lichtsituation abzuwarten.

    Ich finde die Gestaltung zwar nicht optimal, aber alles andere als schlecht.

    Die Wolkenformation bildet eine schöne Schräge/doppelte Deiecksformation, wenngleich nicht perfekt, weil das Verhältnis Wolke/freier Himmel am rechten Rand nicht hamonisch ist.

    Die sanften Wellen des Bodens mit der strengen Linierung ist ein ziemlicher Hingucker, finde ich, der Kontrast zu den dicken chaotischen Klecksen der Wolken macht für mich gerade den Reiz des Fotos aus, baut Spannung auf.
    Auch finde ich, daß die dezente schattierung durch die Bewölkung der zum Betrachter abfallenden Ackerseite keineswegs ungünstig, sondern reizvol ist.
    Es wundert mich, daß Niemand das als mögliches Indiz für eine entgegen der Hiesigen Kritik DOCH erfolgte Gestaltung durch Abwarten auf diesen Schattenwurf wertet.

    Alles in allem also für mich ein echt reizvollles und GUT gesehenes Motiv.
    Von den meisten Kritikern hier würde so manche Ikone der Fotografiegschichte heutzutage einen ganz üblen Verriss bekommen, so wie hier völlig nachrangige Aspekte wie Schärfe etc über die Gestaltung gestellt werden… ;-) zumal es vielleicht nur ein Fehler bei der Verkleinerung war?

    Verbesserungspotential aus meiner Sicht:
    1) hier hätte mehr Panoramaformat, sprich eine kürzere Brennweite, gut getan. Weil so mehr Möglichkeiten zum besseren Beschnitt und weil die geradezu sexy weiblichen Aspekte der Landschaft so möglicherweise besser hätten gestaltet werden können. Auch hätte man mehr Himmel zur Verfügung gehabt, was weiteres Potential geboten hätte.
    2) Landschaftsfotografie schreit geradezu nach Polfiltern. Ich persönlich halte Polfilter für das wichtigste Zubehör. Mit einem Polfilter wäre die Aufnahme viel kontrastreicher und knackiger und der Himmel bereits VOR der nachbearbeitung viel dramatischer ausgefallen.
    3) das Foto hat wegen fehlendem Polfilter und ungünstiger Nachbearbeitung zu wenig Kontraste, vermutlich wäre bereits eine Absenkung der Helligkeit ein ziemlicher Gewinn in der Bildwirkung.
    4) eine S/w umsetzung des Bildes halte ich für erfolgversprechend ! Insbesondere, weil eine Umsetzung wie bei Einsatz mit orangefilter bei panchromatisxhem S/w film oder auch wie bei einem orthochromatischen Filmmaterial einen Teil des bei der Aufnahme versäumten wieder gutmachen könnte?
    5) Beschnitt: ich halte ihn für suboptimal am unteren Bereich. hier würde ich horizontal so beschneiden, dass dieeine Höhenlinie schräg bis in genau die linke untere Ecke verläuft.
    Dann hat man zwei interessante Schrägen,eine durch die untern Wolkenformationen und dann eine zwar nicht parallele, aber ähnliche Achse am Boen, was die Spannung erhöht.

    Wieso dieses bild mit dem wunderbaren Bild Häussers verglichen wird, ist mir schleierhaft: Dieses Hier ist ein rein grafisches Landschaftsbild, dasjenige von Häusser hat den Menschen zum Thema, insbesondere die DAMALIGE mühevolle Arbeit eines Bauern auf seinem Feld und ist KEIN landschaftsbild.

    Diese Zeiten sind vorbei, heutzutage wäre in Zentraleuropa da bestenfalls ein Traktor zu sehen, also was soll dieser Vergleich? Anderes thema, andere Epoche, daher aus meiner Sicht eher wenig konstruktiv, aber trotzdem von mir Danke für den Hinweis auf die wunderbaren Bilder Häussers.

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