Fünf Stühle, vier Tassen, drei Gestaltungsebenen

Besondere Perspektiven machen selbst einfache Bilder schnell zu Hinguckern.

[textad]

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Martin Krenner).

Kommentar des Fotografen:

Ein Tisch, vier leergetrunkene Tassen auf einem Tablett, aber fünf Stühle – Platz für Interpretationen! Das ganze auf dem graphischen Untergrund, fotographiert genau von oben.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Martin Krenner:

Martins Bild stach aus den ganzen hoch geladenen Fotografien durch die klaren Strukturen und die relativ aussergewöhnliche Perspektive ziemlich schnell heraus. Auf den zweiten Blick kommt dann auch noch die ungewöhnliche numerische Aussage des Bildes zu Tage.

Doch zuerst einmal die Frage, was hat mich auf den ersten Blick von diesem Bild eingenommen. Klar, die erwähne Draufsicht. Diese sind wir nicht gewohnt, weil sie nicht unserem normalen Blickfeld entspricht. Wir sehen alles aus „Augenhöhe“. Da Martin mit der 42er Brennweite schon eine sogenannte Normalbrennweite verwendete, hat er sich mit dieser Vogelperspektive wieder etwas Spannendes einfallen lassen.

Wie bist du eigentlich nach oben gekommen, um dieses Bild zu machen?

Das Zweite was gut gelöst wurde, ist die grafische Aufteilung des Bildes. Die positiv aufsteigenden Diagonalen des Untergrunds, des Gehweges in den relativ zurückhaltenden Farben kontrastieren sehr gut mit den doch eher kreisförmig angeordneten Stühlen und natürlich den runden Tassen auf dem, auch wieder (gedacht) rechteckigem Tablett. UND dann kommt ja noch die dreieckige Speisekarte dazu. Das ganze Ensemble ist noch so angeordnet, dass nach rechts oben Luft oder eine „Fluchtmöglichkeit“ bleibt, also nicht alles nur mittig steht. Mit etwas Phantasie können wir erkennen, das die Speisekarte in diese Richtung weist. Auch das verrutsche Kissen des ganz rechten Stuhls weist in diese Richtung.

Die dritte Gestaltungsmöglichkeit hat Martin mit den leicht dezenten Farben der Tassen im entsprechenden Farbkontrast genutzt. Trotz der wirklich nur pastell anmutenden Farben der leeren Trinkgefässe und der Kaffeereste, reichen diese aus, um das Augenmerk auf sich zu ziehen. Ein ganz leichter Komplementärkontrast von Blau zu Schmutzigbraun-Orange reicht auf diesem reduzierten Untergrund aus.

Alles in allem ein gelungenes Bild und des Rätsels Lösung, warum vier Tassen und fünf Stühle bleibt uns wohl noch Weilchen vorenthalten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Antworten
  1. Andi Gentsch says:

    Na in Anbetracht des beschriebenen Umfelds könnte die fünfte Person ja evtl. seinen eigenen Stuhl dabei gehabt haben? ;)

    Schönes Arrangement und vielleicht ein gutes Thema für eine kleine Motto-Tour.

    Antworten
    • Martin Krenner says:

      Ja, das wäre eine mögliche Erklärung. Aber fünf Stühle sind ja da, aber eine Tasse ist weniger! ;). Martin

  2. Martin Krenner says:

    Hallo!
    Herzlichen Dank für die tolle Kritik! Das freut mich sehr!
    Das Bild ist übrigens in einem Gebäude, einem Krankenhaus aufgenommen.
    Die Tische gehören zu einem Kiosk und stehen in einem überdachten Innenhof bzw. einer Art Atrium. Oben drüber verlaufen die Gänge zu verschiedenen Stationen vergleichbar mit Balkonen. So konnte ich mich über das Geländer lehnen und das Bild aufnehmen.

    Herzlichen Gruß,
    Martin Krenner

    P.S.: Das Rätsel der Tassen könnte ich lösen, aber das lass‘ ich mal offen zur freien Interpretation.

    Antworten

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