Food Fotografie (3/3):
Food Styling

Im ersten Artikel über die Foodfotografie habe ich die wichtigsten Aspekte für dieses Thema aufgelistet. Nach Teil 2 hier nun noch der Rest mit detaillierten Ausführungen.

Licht und Beleuchtung


Wenn man keine Reflektoren und professionelle Beleuchtungsmöglichkeiten zur Verfügung hat, kann man entweder improvisieren oder man benutzt, wenn und wo möglich, natürliches Licht. Falls dieses nicht zur Verfügung steht, kann man auch Steh- oder Klemmlampen benutzen, die mit Glühbirnen im Tageslichtspektrum ausgerüstet sind, oder remot ausgelöste Blitze. Weiterhin ist ein Lichtzelt empfehlenswert, das auch selbst gefertig werden kann.

Wie man seine Beleuchtungssituation auch immer gestaltet, das Licht sollte durch einen Lichtzerstreuer weich gestaltet sein, sonst wird das Foto durch harte Schlagschatten und grelle ausgebrannte Stellen verunstaltet. Selbst wenn man Sonnenlicht auf einem Salat in einem Gartenrestaurant als erwünscht sieht, sollte man doch den unerwünschten Effekten entsprechend entgegenwirken.

Als Zerstreuer kann einfach nur ein weißes Leintuch benutzt werden (ich selbst habe einen weißen Vorhang am Fenster). Nicht zuletzt genügt ein einfaches, weißes Stück Karton, um Schatten aufzuhellen.

Komposition
Stilleben sind nicht umsonst eine Übung, an der man sich die Zähne ausbeißen kann. Wer jemals ein Buch zur Fotografie oder Malerei in der Hand gehabt hat, weiß um Regeln wie den Goldenen Schnitt oder Komplementärfarben. Trotzdem ist das Internet voll von richtig schlecht komponierten Food Fotos. Viele kranken an einfachen Dingen, die mit ein wenig Überlegung nicht notwendig gewesen wären.

WAS Willst Du Eigentlich Fotografieren?

Mit anderen Worten, was ist der Bildgegenstand? Diese Frage scheint einfach, aber wie bei unten gezeigtem Beispiel ist sie in der Praxis durchaus relevant. (Tipp: Hier ging es ums Brot…)

Weniger ist Mehr
Da das Essen im Mittelpunkt steht, sind minimalistische Kompositionen oft die besten. Das gilt für Farben, wie auch für Requisiten. Wenn die Umgebung und/oder das Geschirr das Gericht visuell überwältigt, ist der Sinn und Zweck der Aufnahme verfehlt.

Das bedeutet nicht, daß man nur mit weißem Geschirr oder auf weißen Tischdecken fotografieren sollte. Wenn man aber, wie in diesem Beispiel, eine grell bunt gemusterte Tischdecke benutzt (deren Farben aber die der Erdbeeren unterstreichen), ist es absolut imperativ, daß man visuell eine Barriere errichtet, die das Gericht trotzdem im Mittelpunkt läßt.

Mit Modellen Arbeiten
Aufgrund der Tatsache, daß Lebensmittel ihre Farbe und Konsistenz einbüßen, wenn sie Normaltemperaturen ausgesetzt werden, sollte man Komposition mit Modellen einstellen und perfektionieren, die dem eigentlichen Gericht oder Getränk gleichen, bevor man das eigentliche Objekt vor die Kamera bringt.

Mit anderen Worten, man stellt zum Beispiel das Foto mittels eines Glases ein, das eine (gelbe) Flüssigkeit enthält, bevor man das eigentliche Bier einschenkt, da die Krone innerhalb von wenigen Minuten verfällt. Im Amerikanischen nennt man das eigentliche Fotoobjekt den „Heldenteller“ („hero plate“) genau aus diesem Grund.

Nachbearbeitung
Auch in der Food Fotografie ist es grundsätzlich das Ziel, so wenig wie möglich nachbearbeiten zu müssen. Mit anderen Worten, das Bild sollte so gemacht sein, daß man nur noch ein bischen nachpolieren muß – an Farben drehen, Helligkeit einstellen. Man kann davon ausgehen, daß mit einem Foto fundamental etwas nicht stimmt, wenn man Stunden damit verbringen muß, es herzurichten, damit es gut aussieht.

Persönlich benutze ich dafür eine Kombination aus Lightroom und Photoshop, aber auch weniger kostspielige Programme wie Photoshop Elements sind gut (oder Picasa, das nichts kostet) – solange man sich die Mühe macht, dem ganzen noch einen letzten Schliff zu geben.

Tipp: Da Bilder beispielsweise für Food Blogs dafür aufgenommen wurden, auf einem Bildschirm angesehen zu werden, sollte man sie, wenn das Bearbeitungsprogramm diese Möglichkeit bietet, vor dem letzten Abspeichern digital schärfen.

So wird mit ein wenig Übung und Einsatz aus einem Foto, das SO hätte aussehen können, eines, das statt dessen SO aussieht:

2 Antworten
  1. Dr. Thomas Brotzler says:

    Liebe Sofie,

    herzlichen Dank nochmals (zusammenfassend) für diese schöne Übersichtsarbeit. Sehr interessant fand ich die Möglichkeit, über die Vorbereitung mit Modellen und den nachfolgenden Rückgriff auf Frisches authentisch zu arbeiten, ohne den Dingen „mit einer halben Maler- und Schlosserwerkstatt“ (Farbpinsel, Vereisungsmaschine, Bunsenbrenner, …) auf den Leib zu rücken. Und Dein wichtiger Hinweis „kenne Deine Kamera“ inspirierte mich zu einem entsprechenden Abschnitt in meinem eigenen Artikel, den ich gerade vorbereite.

    Thomas

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *