Das Foto, das keines ist

Der Spanier Pedro Campos zeichnet hyperrealistische Bilder und lässt uns glauben, es wären Fotografien.

[textad]


Bild: www.pedrocampos.net

Hyperrealistische Kunst ist eine Form des Photorealismus: Bilder werden so realistisch und detailgetreu gemalt, dass man auf den ersten – und oft auch auf den zweiten – Blick denkt, es handle sich hierbei eben nicht um Ölfarbe auf einer Leinwand, sondern um eine Fotografie. Der Hyperrealismus geht sogar noch ein Stückchen weiter, der Maler nutzt die Kunst, um Themen übertrieben drazustellen, etwa so wie der geübte Photoshopper beispielsweise einen dramatischen Himmel zaubert, verwendet der hyperrealistische Künster seinen Pinsel um Situationen, beispielsweise politische Themen, in seiner Sicht zu zeigen.

Und in einer so präzisen Art und Weise, dass der Betrachter eben glaubt, er habe eine Fotografie vor sich.

Der Bildrestaurator Pedro Campos ist sich exaktes Arbeiten gewöhnt. Für seine hyperrealistischen Bilder, welche zur Zeit in London ausgestellt sind, benötigt er schon mal 3 Monate. Pro Bild! Aber es geht nicht ganz ohne Fotografie: Der Künstler arrangiert die Objekte zu einem Stilleben, fotografiert sie und malt schlussendlich die Fotografie nach.

Mehr Bilder bei Pedro Campos in der Webgalerie

3 Antworten
  1. Uwe S. says:

    Mindestens seit dem 17 Jhd. werden photographische Abbildungen von Malern als Anregung oder als Hilfsmittel eingesetzt. Ob Beugungsmuster, Filmkorn, Rauschen, JPEG-Artefakte oder Druckraster, Maler haben sich schon mit vielerlei Effekten der Fotografie auseinander gesetzt.

    Die Herstellung von Bildnissen, die frei sind von jeglichem Makel ist auch nichts Neues. Wir kennen das vom Fotorealismus und von den gephotoshopten Cover Girls unserer Magazine. Hier wie dort ein Zeugnis hoher Handwerkskunst.

    Aber vielleicht will Pedro Campos uns auch über etwas anderes nachdenken lassen. Was machte die Kunst des 20. Jahrhunderts aus? Waren es die international standardisierten Geschmacksrichtungen der Jelly Beans?

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  2. Dr. Thomas Brotzler says:

    Ich mußte schmunzeln, weil ich gerade eine Art „Wiedergängerphantasie“ hatte …

    So erinnerte ich mich, wie wir uns schon vor gut 30 Jahren im Leistungskurs Kunst über diesen Stil des Photorealismus‘ die Köpfe heiß diskutiert hatten. Es ist unzweifelhaft, daß der Maler eine technisch anspruchsvolle Wiedergabefähigkeit hat und uns zugleich die Absurdität unseres wahrnehmungsbezogenen Evidenzgefühls vor Augen führt, aber darüber hinaus suchten wir (in der damaligen Dikussion) verzweifelt und oft ergebnislos nach dem Sinn. Mit Magrittes „Ceci n’est pas une pipe“ schien uns (wiederum damals) zum Illusionsthema eigentlich alles gesagt …

    Eine solche Reminiszenz taucht bei mir also bei dieser Vorstellung auf, zumal ich den Eindruck hatte, daß es um den Photorealismus in der bildenden Kunst in den letzten Jahren ziemlich ruhig geworden wäre.

    Thomas

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