Jodi Bieber:
Zwischen Dunkelheit und Licht

Sie hat das World Press Photo des Jahres 2010 gemacht: die Südafrikanerin Jodi Bieber. Ihr vehementes Werk aus 15 Jahren sehen wir aktuell in Ulm.

Jodi Bieber: One two three and ... The Ennerdale Academy of Dance, Ennerdale, south of Johannesburg, 1997; Courtesy of Jodi Bieber and the Goodman Gallery

Wir erinnern uns an das Porträt der von ihrem Ehemann verstümmelten jungen Afghanin, das im August 2010 als Covermotiv des Time Magazine um die Welt ging. In Ulm finden wir Jodi Biebers Menschenbilder einer jungen Generation aus dem südlichen Afrika, insbesonders der modernen afrikanischen Frau.

Die in Johannesburg aufgewachsene Jodi Bieber absolvierte ihre Fotografen-Ausbildung an einer vom Hasselblad-Preisträger David Goldblatt (fokussiert.com: Apartheid – Widerstand – Freiheit) gegründeten Fotoschule und Galerie. Sie ging zunächst zur damals größten Tageszeitung Südafrikas The Star in Johannesburg und arbeitete dort auch während der ersten freien demokratischen Wahlen. 1996 wurde Jodi Bieber eingeladen, an der Masterclass von World Press Photo in Amsterdam teilzunehmen, einer weltweit renommierten Fortbildung für junge, hoch begabte Fotografen unter der Leitung von etablierten Fotojournalisten. Nachfolgend bekam Jodi Bieber internationale Aufträge von Zeitschriften wie dem New York Times Magazine, GEO oder dem Stern und arbeitete für Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder Amnesty International. Heute ist sie als Pressefotografin auf der ganzen Welt unterwegs.

Fotografien aus sieben Werkreihen sowie Einzelarbeiten zeigen die ganze Bandbreite von Jodi Biebers fotografischem Schaffen aus den letzten 15 Jahren. Unter dem Titel Between Darkness and Light – zwischen Dunkelheit und Licht – schildert sie den Alltag im südlichen Afrika zwischen einem neuem schwarzen Selbstbewusstsein und einer Gesellschaft, die von Kriminalität und Gewalt erschüttert wird.

Jodi Bieber: Orlando West Swimming Pool, Orlando West, Soweto, 2009; Courtesy of Jodi Bieber and the Goodman Gallery

So setzt sich die Serie „Between Dogs an Wolves“ – zwischen Hunden und Wölfen – setzt sich mit dem latent mit Angst besetzten Alltag von Kindern und Jugendlichen im Südafrika der 1990er Jahre auseinander. „Soweto“ berichtet über das Lebensgefühl der Schwarzen nach dem Ende der Apartheid und das Aufblühen Sowetos vom Ghetto zur urban gestalteten Stadt. „Real Beauty“ – wahre Schönheit – ist eine 2008/09 entstandene Serie von Frauenporträts jenseits gängiger Schönheitsklischees. Jodi Bieber: „Die Fotografien entstanden in Zusammenarbeit zwischen mir und jeder einzelnen Frau, die ich immer in ihrem Zuhause fotografierte. Das Fotografieren ermöglichte den Frauen, ihre eigene Identität im Bezug auf ‚Schönheit‘ zu erkunden und für einige Stunden in ihre Fantasien einzutauchen. Diese Frauen und ich wollten gemeinsam für ‚Wahre Schönheit‘ eintreten.“ In weiteren Serien zeigt Bieber Porträts von Frauen, die einem Teufelskreis häuslicher Unterdrückung, Gewalt und Misshandlung entkommen sind.

Über ihre Arbeit sagt Jodi Bieber:

„Ob arm oder reich, wir alle tragen unsere Päckchen, fechten unsere inneren Kämpfe mit uns aus. Als Kinder akzeptieren wir, was uns vorgesetzt wird – wir sind ahnungslos und haben keine Wahl. Das Erbe der südafrikanischen Vergangenheit und die Armut haben eine Anomalie in unserer Gesellschaft hervorgebracht. Dass ich diese Fotografien gemacht habe, wird daran nichts ändern. Aber es hat mir gezeigt, dass der menschliche Geist auch unter den härtesten Lebensumständen großen Mut und Kraft besitzt und dass der Wille, es weiter zu versuchen, vorwärts zu kommen für ein besseres Leben, bei vielen sehr stark ist.“

Jodi Bieber: Babalwa, 2008; Courtesy of Jodi Bieber and the Goodman Gallery

Auch in Europa gibt es sie, diejenigen am Rande, die auf ein besseres Leben hoffen. Jodi Bieber zeigt sie uns in der Serie „Las Canas“ über die Bewohner eines „Drogendorfes“ im spanischen Valencia: „Las Canas ist ein großes Areal am Rande Valencias. Es ist eine von Fliegen verseuchte kommunale Müllkippe, auf der ungefähr hundert Menschen in alten Autos, zusammengezimmerten Hütten, Zelten oder unter freiem Himmel leben. Mindestens tausend Menschen gehen täglich nach Las Canas, um Drogen zu kaufen, die 24 Stunden am Tag zu haben sind – zu Preisen von fünf bis 500 Euro pro Tag.“

Das Titelbild auf der Website von Jodi Bieber ist natürlich das World Press Photo 2010. Aber auch ihre anderen Serien können wir uns dort anschauen. „Soweto“ gibt’s als Bildband 1770098062, im Antiquariat Between Dogs & Wolves. Growing up with South Africa. 1904587321

Jodi Bieber – Between Darkness and Light
Bis 2. September
Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, D-89073 Ulm
+49 (0)731-1617700, stadthaus@ulm.de
Geöffnet Montag bis Samstag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 20 Uhr, Sonntag 11 – 18 Uhr

Jodi Bieber
Stadthaus Ulm

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