Leserfoto:
Konkurrierende Elemente im Bild

Hübsche Frauen mögen meistens keine Konkurrenz, das ist im Wahren Leben so und auch in der Fotografie.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alfons Federspiel).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstammt einer Serie mit Portraits, die in einem Park in Hamburg aufgenommen wurden. Es war das erste Mal, dass ich mich gezielt an Portraitaufnahmen versucht habe, dazu dann noch in der Öffentlichkeit. Die Belichtungsdaten: Blende: 5,6, Verschlusszeit: 1/350. Brennweite: 53mm. Das Bild wurde nur minimal bearbeitet (Gradationskurve, Aufhellung an einigen Stellen, leichte Schärfung).

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Alfons Federspiel:

Portraitaufnahmen leben ja bei Menschen und Tieren von den Augen. Diese hast du, Alfons, schon gut ins Bild gesetzt. Sie schauen in die Kamera, sind ziemlich im „Goldenen Schnitt“ angeordnet, haben einen kleinen Reflex und bringen dem Gesicht der jungen Frau die nötige Aufmerksamkeit.

Die Idee, dein Model in einem Drittel des Bildes aufzustellen ist auch schon ganz gut bedacht, doch kommen wir nun zu den Makeln, die ich für mich ausmachen kann.

Wie ich gerade schrieb, hast du dein Model aufgestellt. Es fehlt Lebendigkeit in der Aufnahme. Sie steht da und wartet, dass du abdrückst ODER aber, dass du sie etwas bespaßt, sie anregst etwas zu tun. Das Lächeln ist sehr schön, aber zu verhalten, ich glaube schon, dass sie wesentlich emotionaler und auch ausgelassener sein kann. Die Portraitsession soll ja nicht nur dir Spaß machen, sondern möglichst auch deinen Modellen, sonst wird die Auswahl an Freiwilligen für dich bald geringer.

Im Ganzen ist dein Bild trotz dezenter Nacharbeit zu dunkel. In deinem Bild bekommt das Wasser im Hintergrund mehr Aufmerksamkeit des Betrachters, als das eigentliche Hauptmotiv. Dies rührt daher, das helle Flächen immer mehr Aufmerksamkeit erregen als dunklere. Ich hab dein Bild noch etwas bearbeitet und so zumindest versucht eine ausgewogenen Helligkeit zu erreichen und den Rezipienten wieder auf das Gesicht zu lenken, auch ist nun der Hintergrund noch etwas unschärfer, was du aber schon bei der Aufnahme durch eine offenere Blende als die verwendete 5,6 erreichen kannst.

Ich finde nun bekommt dein Model die nötige und ihr auch gebührende Aufmerksamkeit und du kannst beim nächsten Outdoor-Portrait-Shooting wieder ein paar Aspekte mehr beachten.

Du kannst gerne mal auf meine aktuelle Seite schauen, dort hatte ich wieder als Animateur und Fotograf gut zu tun und alle auch sehr viel Spaß.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Antworten
  1. Erica di Motta says:

    Im voraus schon Entschuldigung, falls meine Kritik zu hart ist: Ja, als Anfänger hatte ich auch solche Fotos, stellte aber schnell fest:
    hier Zitat:
    Hübsche Frauen mögen meistens keine Konkurrenz, das ist im Wahren Leben so und auch in der Fotografie.
    Für mich sollte der Hintergrund, die zweite Ebene noch weniger Bokeh aufzeigen, oder wie vorgeschlagen, eine etwas lässigere Haltung, sonst würde ich sie in die Reihe von Mona Lisa stellen.
    Aber dafür sind wir da, dass wir helfen durch unsere Kritik; hier würde sogar die Ebenenbearbeitung sinnvoll sein, die ich aus dem Bild mit dem Turm sah.
    weitermachen, ausprobieren!!

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  2. Kai Peters says:

    Eine Kombination aus der Nachbearbeitung von Thomas (Hintergrund) mit der Nachbearbeitung von Hannes (Person) wäre für mich perfekt.

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    • Uwe says:

      Ich finde das Originalbild am schönsten.
      Eine schöne dunkelhaarige Frau in dunkler Kleidung mit einer dunkel werdenden Umgebung und einer entsprechend beeindruckender Farbkraft. Alles andere hier wirkt, wie es gemacht wurde: Aufgehellt.
      Das wasser reflektiert vielleicht etwas zu hell, das war wohl zu dem Zeitpunkt ein nicht zu ändernder Umstand, aber ansonsten gefällt es mir.

      Herr Rathey’s Ausführungen sind alle logisch, einleuchtend und das Bild „eh gut“ nachbearbeitet – viel mehr geht nun mal bei einem fertigen Foto nicht mehr, aber ob das das Ziel des Fotografen war? Kann sein – muß aber nicht ;-)

      Aber was man hier wieder zweifelsfrei erkennt: Hier läßt niemand viel Raum für Geschmack. Keine Toleranz. Jeder kann es besser. Ganz lustig. ;-)

  3. Thomas Kölsch says:

    Ich denke unabhängig von den Farbanpassungen wird klar, dass auf technischer Seite das Bild zu dunkel ist und weniger Tiefenschärfe braucht. Also: Blende auf, das löst beide Probleme. Ich persönlich würde zu Blende 3,5 oder sogar 2,8 tendieren.

    Bezüglich des Motivs hatte Thomas ja schon geschrieben, dass das Model einfach nur wartend in der Gegend rumsteht – ich finde aber auch, dass sie zu frontal steht. Wenn sie ihren Oberkörper leicht zur Seite drehen würde, könnte das Bild schon gleich viel mehr Dynamik entwickeln.

    Und dann ist da noch der Gesichtsausdruck, der (auch hier stimme ich Thomas zu) viel emotionaler sein könnte. Allerdings fällt es nicht jedem Menschen leicht, auf Kommando so in die Kamera zu lächeln, dass man verzaubert wird – viele wirken verkrampft, schließen die Augen oder setzen sogar ein Honigkuchenpferd-Grinsen auf. Das ist dann Anspannung, die man als Fotograf dem Model nehmen sollte. Was da helfen kann (kommt natürlich auf den Typ an), ist Schreien. Lass sie einfach mal richtig laut in Richtung Kamera schreien. Nicht nur kann ein derartiges Shooting oft sehr sehenswerte Ergebnisse liefern, es erzeugt auch häufig eine befreiende, unglaublich lustige Situation und entspannt die möglicherweise angespannten Gesichtszüge des Models (genauso wie Gähnen, aber das will man ja nicht fotografieren). Danach kann das Model häufig viel natürlicher lächeln als zuvor.

    Antworten
    • Die Frau auf dem Foto says:

      Lieber Herr „Kölsch“,

      zur Diskussion über die technische Seite kann ich wenig beitragen, aber Ihre Aussagen zum „in der Gegend rumstehenden Model“ sind ein gutes Besipiel für den inflationären Einsatz oftmals unechter Emotionen in der heutigen Zeit/Fotografie und haben mich zu dieser Antwort veranlasst.

      Nur weil eine Frau ruhig vor der Kamera steht und kein breites „Ruf-mich-an-Grinsen“ aufgesetzt hat, muss sie noch lange nicht in Ihre „Schrei-Therapie“. Genauso wenig erwartet sie vlt. im Einzelfall bespaßt zu werden.

      Das ist keine allgemeingültige Aussage natürlich. Wenn Sie das Foto mit einem leichten Dreh im Oberkörper subjektiv als schöner empfunden hätten, kann Ihnen keiner widersprechen. Lassen Sie es aber bitte nicht nach einem allgemeingültigen Standard aussehen.

      Das Model ist in der Tat nicht introvertiert im wahren Leben. Das macht das Foto aber keinesfalls minderwertiger.

      Haben Sie einen schönen Sonntag.

    • Thomas Kölsch says:

      Liebe „Frau auf dem Foto“,

      es geht nicht um eine verbindliche „Schrei-Therapie“, sondern um grundsätzliche Anregungen für zukünftige Shootings – wenn Sie meinen Beitrag gründlich studieren, sollte Ihnen das eigentlich klar werden. Unter anderem schreibe ich ganz bewusst, dass die Schrei-Ansatz eine Typ-Frage ist. Bei einigen Models funktioniert der Trick sehr gut, bei anderen dagegen überhaupt nicht. Die Anregung deswegen aber pauschal abzulehnen, wie Sie das tun, dient weder der Sache noch hilft ee dem Fotografen weiter, der ja offenbar Verbesserungsvorschläge sucht. Sonst hätte er das Bild kaum hier veröffentlicht.

      Grundsätzlich geht es natürlich überhaupt nicht darum, jedes Model zum Lächeln zu bringen – Emotionen lassen sich auch anders umsetzen. Allerdings ist für ein gutes Portrait (im Unterschied zu einem netten Schnappschuss) die Frage zu beantworten, was der Fotograf mit seinem Bild überhaupt ausdrücken will. Und das hier besprochene Bild bringt eben eine wie auch immer geartete Aussage nicht so zur Geltung, wie das möglich wäre. Das hat nichts mit einer von Ihnen so polemisch verwendeten „Minderwertigkeit“ zu tun, die in meiner Kritik überhsupt nicht ausgedrückt wird. Vielmehr bedeutet es, dass das Bild mit ein paar kleinen Korrekturen bei dem gleichen Model eine viel stärkere Wirkung erzielen könnte. Da der Fotograf hier in seiner eigenen Anmerkung dieses Shooting als ersten Versuch in der PORTRAIT-Fotografie bezeichnet hat, ist der Aspekt der Mimik somit nicht nur ein sinnvoller, sondern sogar ein essentieller Kritikpunkt.

      Bezüglich des fehlenden Drehs: Wie Sie vielleicht bemerkt haben, steht der Absatz in meinem ersten Beitrag im Konjunktiv, beschreibt ergo eine Möglichkeit und keinen allgemeingültigen Standard. Ich wage aber zu behaupten, dass unter professionellen People-Fotografen die Mehrheit mit meinem Vorschlag übereinstimmt. Ein leichter Dreh zur Seite bringt mehr Tiefe in die Person, verschlankt den Oberkörper und würde im Fall eines Ganzkörper-Portraits unter anderem die Taille hervorheben. Diese Wirkung ist Fakt – ob sie gewünscht ist, muss der Fotograf entscheiden.

  4. Hannes Löhr says:

    Hallo Herr Rathay,
    ich bin mit ihrer Bearbeitung nicht einverstanden. Sie hinterlässt einen Grauschleier auf dem Gesicht und erzeugt eine unnatürliche Hautfarbe.
    Eine bessere Korrektur in Lightroom 4 erreicht mM. nach z.B. mit folgenden Einstellungen:
    Temperatur; +9,
    Tönung: +34,
    Belichtung: +1,
    Lichter: -65,
    Tiefen: +60 und im HSL-Bereich
    Grün Sättigung: -100.
    Das korrigierte Bild habe ich unverlinkt auf meine Homepage
    http://www.hannes-renate.de/konkurrenzportraitLRkorr.jpg gestellt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hannes Löhr

    Antworten
    • Thomas Rathay says:

      Hallo Hannes, als Fotografierende können wir gerne beim DU bleiben, ich möchte in meinen geänderten Bildern keine perfekten Nachbearbeitungen zeigen,sondern nur Anregungen geben, wie das Bild schon bei der Aufnahme verbessert werden kann. Dein Bild mag schön natürlicher aussehen, nur fehlt diesem die von mir erzeugte Unschärfe im Hintergrund. Und der Grünstich im Bild mag schon von der Umgebung herrühren, daran wollte ich gar nicht „drehen“.
      Auf jeden Fall danke für deinen Kommentar,
      GRuss Thomas

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