Leserfoto:
Frau mit wehendem Tuch

Halbnackte Frauen mit wehenden Tüchern gehören zum Standardrepertoire vieler Aktfotografen und auch in Foto-Workshops wird das Thema gerne umgesetzt. Was es zu beachten gibt, wird an diesem Bild sichtbar.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Kölsch).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist im Rahmen eines Akt-Workshops mit einem großartigen Model entstanden. Irgendwann haben wir angefangen, mit diesem Tuch zu experimentieren, das im Studio lag. Bei diesem Bild hat ein Helfer auf Kommando das hintere Ende dees Tuches in die Luft geworfen, während von rechts ein Ventilator für Bewegung des Stoffes sorgte. Leider hatte das Model etwas zu viel Spray im Haar, so dass dieses nicht ganz so toll flog. Dennoch bin ich dem Ergebnis sehr zufrieden, aber auch sehr gespannt auf Verbesserungsvorschläge.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Thomas Kölsch:

Ich habe an dieser Stelle schon oft über die Klischees in der Aktfotografie gelästert und unbestritten gehören Aktaufnahmen von Frauen, nur notdürftig mit einem Tuch bekleidet, dazu. Ausnahmsweise ist das jedoch eins der Klischees, die häufig ansehnliche Bilder erzeugen und außerdem ist das Foto in einem Workshop entstanden, wo das Lernen durch Wiederholung bewährter Bildkonzepte legitim ist.

Widmen wir uns deshalb der Komposition und den technischen Aspekten. Da das europäische Auge von links nach rechts wandert, zieht das fliegende Tuch links automatisch den Blick nach unten ins Bild hinein, wo es beim Ellenbogen nach oben verlängert durch den Oberarm direkt ins Gesicht des Models gelenkt wird. Das ist eine angenehme Blickrichtung, die – bewußt oder unbewußt – durch die Bildgestaltung bestärkt wird.

Störend sind bei dem Bild hingegen einige Details, die in Photoshop innerhalb von Sekunden entfernt hätten werden können. Dazu zählt zum einen der auffällige Leberfleck auf dem rechten Unterarm des Models. Außerdem hätte der linke Ellenbogen etwas aufgehellt werden können (oder besser noch: vor der Aufnahme besser beleuchtet werden können). Der Hintergrund ist hier weder Fisch noch Fleisch: Zu dunkel an den Rändern, um als weiß durchzugehen, aber zu hell, um als strukturierter Hintergrund dem Bild eine zusätzliche Ebene zu verschaffen. Hier meine Version zum Vergleich, bei dem ich die drei bemängelten Punkte (Leberflecken, Ellenbogen und Hintergrund) schnell retuschiert habe. Das Bild wirkt dadurch gleich viel ansehnlicher.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Uwe S. says:

    Dass der Fleck zum Model gehört, konnte ich nicht sehen. Mein erster Eindruck war, dass er durch Unachtsamkeit auf das Foto gekommen ist.

    Die etwas „verklebten“ Haare passen sehr gut zur Künstlichkeit der Szene. Zu viel Realismus würde die traumartige Stimmung stören. Das sollte man auch bei der Wahl des Hintergrunds bedenken.

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  2. Stefan Koch says:

    Ich finde den leicht lilanen Hintergrund vom Ursprungsbild wesentlich ansehnlicher. Irgendwie gleicht er von oben her die starke Farbverteilung auf den unteren Raum aus. Ansonsten hat das Bild eine sehr starke Gewichtung im unteren Bereich und nach oben hin fehlt ein Abschluss.

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  3. Thomas Kölsch says:

    Hallo Robert,

    vielen Dank für deine Kritik. Bei dem Ellbogen hast du zweifelsfrei recht, da hätte ich wohl mit einem Sunbounce noch etwas Licht zurückgeben sollen. Den Hintergrund habe ich bewusst nicht völlig weiß gemacht, da mir sonst das Model zu sehr in der Luft hängt – ich fand in diesem Fall, dass der Weißraum das Bild nicht zwingend verbessert. Allerdings hätte ich in der Tat dann etwas mehr Struktur im Hintergrund gebrauchen können. Auch darauf werde ich in Zukunft achten.

    Was ich allerdings nicht gut finde, ist die Retusche des Leberflecks. Hier geht es nicht um kleinere Hautunreinheiten, sondern um ein spezielles Merkmal des Models. Auch wenn ich grundsätzlich keine Probleme mit einer Nachbearbeitung in Photoshop bzw. Lightroom habe, ist die Entfernung des Flecks in meinen Augen eine unnötig grobe Verzerrung der Wirklichkeit, die auch bei künstlerischen Fotos fehl am Platze ist. Ich finde sogar derartige „Makel“ bei einem Model erst richtig interessant – daher würde ich wahrscheinlich auch bei Shootings, die nicht mit einem konkreten Auftrag verbunden sind, solche Stellen auch nicht wegschminken. Aber wie gesagt, das ist meine Meinung.

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