Fotografische Komposition – Teil 1 von 3:
Darauf ist bei der Bildgestaltung zu achten

Komposition, kompositionelle Regeln und Stilrichtungen haben sich über die Jahrhunderte hinweg grundsätzlich geändert, sind geformt und gebrochen worden. Die folgenden Ausführungen sind daher auch nicht als historische Abhandlung gedacht, sondern als kurzer Überblick über wichtige Gesichtspunkte fotografischer Komposition.

David Hurn bemerkte in seinem Interview mit Bill Jay, dem auf fokussiert besprochenen „Fotograf sein – On being a photographer“, ein Fotograf habe grundsätzlich nur zu entscheiden, wo er steht, und wann er auf den Auslöser drückt. Insofern sei Fotografie sehr einfach. Und dem pflichte ich uneingeschränkt bei.

Für den Fotografen ist der Sucher oder rückwärtige Bildschirm die Leinwand. Er entscheidet, was für einen Blickwinkel er wählen will, was für einen Ausschnitt. Beides wird zu einem Stilelement, oder sogar, wenn konsequent entwickelt, zu einem Markenzeichen. Um dorthin zu kommen, sollte man sich jedoch über ein paar Grundzüge und Regeln im klaren sein – insbesondere, wenn man sie gekonnt brechen will. Auch Maler wie Picasso und Van Gogh haben erst einmal „ganz normal“ zeichnen gelernt, bevor sie ihren eigenen Stil entwickelten. Eine gute Übung sind hier Stillleben, weil man ohne Unterbrechung und in Ruhe unterschiedliche Anordnungen und Aufnahmewinkel ausprobieren kann.

Der Goldene Schnitt
Als allgemein für westliche Augen angenehm werden Kompositionen empfunden, die dem ästhetischen Prinzip des Goldenen Schnittes folgen. Vereinfacht wird er auch als „Regel der Drittel“ wiedergegeben. Er entspricht nach Pacoli ungefähr dem Wert von 0,618 und hilft, die Hauptlinien und das Interessenszentrum des Bildes zu ermitteln („Goldener Punkt“). Das bedeutet nicht, daß man jedes Mal ein Lineal anlegen muß – die meisten Maler und Fotografen gehen hier intuitiv vor, und viele Digitalkameras bieten die Möglichkeit, auf dem rückwärtigen Bildschirm ein Linienraster einzublenden, das den Bildschirm in neun gleiche Flächen teilt.



Anordnung von Bildelementen und optische Spannung
Ausgehend vom Goldenen Schnitt kann man Hauptelemente im Foto so anordnen, daß sie sich im Goldenen Punkt befinden. Alle unterstützenden Elemente werden entsprechend darum herumgruppiert. Mit anderen Worten, bei einem Stillleben mit Vase und Obst stellt man etwa die Vase in den Goldenen Punkt nach links, die Schale mit Obst in den Goldenen Schnitt daneben, einzelnes Obst lose vor die Vase etc. Zuviel Raum zwischen den Objekten schafft unnötige Blickpunkte, zu wenig läßt das Bild statisch und monoton erscheinen. Ziel sollte sein, eine visuelle Beziehung herzustellen.

Statisch und monoton erscheinen regelmäßig Kompositionen, bei denen das Hauptobjekt genau in der Mitte angeordnet ist, außer, die Symmetrie im Bild wird als Stilelement gekonnt eingesetzt ODER ein anderes Element im Bild lockert diese Symmetrie wieder auf.

Im zweiten Teil, der nächste Woche erscheint, wird näher auf Perspektive und Bildraum eingegangen.

 

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3 Kommentare

  1. “Ein mathematisches Pendel besteht aus einer punktförmigen Masse, die an einem unelastischen, masselosen Faden der Länge l aufgehängt ist.”

    Ähnlich verhält es sich mit den sogenannten Gestaltungsregeln für Bilder. Sie sind sehr präzise formuliert, lassen sich irgendwie mathematisch herleiten und passen schlecht auf Fälle aus der Praxis.

    Fotomotive sind in der Regel nicht punktförmig, sondern flächig. Natürlich macht es in der Bildwirkung einen Unterschied, wo Objekte auf dem Bild zu liegen kommen und welches Seitenverhältnis das Foto hat und wie groß Objekte abgebildet werden und so weiter und so fort. Damit sollte man sich auseinandersetzen. Weiter als mit der Theorie kommt man mit Intuition und Erfahrungen sammeln durch Üben. Probieren geht über studieren.

  2. Ich stimme Dir vollkommen zu. Allerdings bleibe ich dabei, daß man diese Grundsätze erst einmal kennen sollte, bevor man weiterzieht. Ich persönlich mache mir mittlerweile überhaupt keine spezifischen Gedanken über Komposition mehr, wenn ich fotografiere – ich gehe vollkommen intuitiv vor. Allerdings habe ich festgestellt, daß ich praktisch immer richtig liege, wenn es bei einer Fotokritik um Kompositionsfehler geht. Leider sind sich nicht genügend Leute der Grundregeln bewußt, sonst würden hier nur perfekte Bilder eingereicht, was Kompositionsregeln angeht – sowohl, was Einhaltung als auch Brechen derselben betrifft. ;)

  3. Also, ich bin der gleichen Meinung wie Sofie. Natürlich ist das alles sehr theoretisch, und der Vergleich mit dem mathematischen Pendel trifft den Nagel auf den Kopf. Nichtsdestotrotz beschreibt diese Theorie so ziemlich genau, wie ein Bild auf den Betrachter wirkt. Daher sage auch ich: man muss sich dessen erstmal bewusst werden. Niemand geht tatsächlich mit Lineal raus und fotografiert milimetergenau. :-) Ausserdem: keine Regel ohne Ausnahme.

    Ich zeige Einsteigern z.B. auch oft typische Bilder wie z.B. einen Hund der nach rechts schaut. Der Hund ist eher rechts vom Foto platziert, und ich frage wie sie das Bild empfinden. Dann zeige ich das gleiche Bild mit dem Hund links platziert. Und das gefällt ihnen dann besser. Wenn man sie darüber aufklärt, warum das zweite Bild harmonischer wirkt, kommt meistens ein: an sowas hätte ich gar nicht gedacht…

    Von daher volle Zustimmung: erst mal bewusst werden, und danach fotografiert man ganz intuitiv “richtiger”
    Schönen Gruss
    Pino

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