Leserfoto:
Nachdenken im Dunkeln

Bei Low-Key-Aufnahmen wird nur sehr spärlich Licht genutzt und die dunklen Bereichen im Bild überwiegen sehr stark. Manchmal können dann aber auch wichtige Bilddetails verschwinden, wie dieses Beispiel hier zeigt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Groth).

Kommentar des Fotografen:

Low-Key Portrait um eine düstere und nachdenkliche Stimmung einzufangen.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Michael Groth:

Fotografieren bedeutet – wie die meisten der Leser sicher schon wissen – wörtlich ungefähr „Zeichnen mit Licht“. Das heißt aber nicht, dass jedes Mal die pralle Sonne oder der voll aufgedrehte Blitzkopf zum Einsatz kommen müssen, manchmal reichen wenige sehr spärliche letzte Restlichtstrahlen, um eindrucksvolle Porträts zu zaubern. Das wird dann meist „Low-Key Fotografie“ genannt, wenn der größte Teil des Bildes dunkel ist und fast keine hellen Bereiche im Foto zu sehen sind.

So auch bei diesem Porträt des Fotografen Michael Groth, der einen jungen Mann in melancholischer Stimmung festgehalten hat, die Hände in den Haaren, das Gesicht nachdenklich nach unten gesenkt. Genau zu solchen Situationen passt der sehr zurückhaltende Einsatz von Licht, der nicht nur visuell das „im Dunkeln etwas suchen“ verkörpert, sondern auch symbolisch, weil Licht im Sinne von „Erleuchtung“ ja auch das Finden einer Idee oder Lösung symblisiert, die hier noch nicht vorliegt. Außerdem steht das Dunkle für Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, beides sehr passend zur gewählten Pose des Mannes.

Ein Aspekt hat mich jedoch sofort beim Anblick des Bildes gestört und er löst sich auch nach einer längeren Betrachtung nicht auf: Die linke Hand des Mann scheint ihrer Haltung nach etwas festzuhalten, zu umklammern oder mindestens irgendwo aufzuliegen. Meine Vermutung wäre, dass es das Knie sein könnte, aber es ist eben nicht erkennbar. So klafft im Bild ein tiefes, schwarzes Loch, wo ein – zumindest minimal sichtbares – Objekt oder eben das Knie fehlt. Wenn das Bild im RAW-Format aufgenommen wurde, was bei der Nikon D1X ja möglich ist, wäre es durch eine Art künstliches HDR, bei der einmal die korrekte Version des Bildes entwickelt wird und ein mal eine hellere Variante, möglich, diesen zu dunklen Bereich nachträglich ein winziges bißchen selektiv aufzuhellen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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