Fotografische Komposition – Teil 2 von 3:
Optische Spannung im Bild

Im ersten Teil über die Grundregeln der Bildgestaltung wurde aufgezeigt, wie mittels Goldenem Schnitt eine optische Spannung im Bild erzeugt werden kann. Der zweite Teil widmet sich nun der Perspektive.

Perspektive und Blickwinkel
Egal, ob man eine Stadtszene fotografiert oder ein Porträt – man muß sich darüber klar sein, wo die Horizontallinie verläuft, und in welchem Verhältnis zu ihr die anderen Elemente angeordnet sind. Der Horizont befindet sich auf unserer Augenhöhe, wenn wir nach vorne schauen. Fluchtpunkte und Blickpunkt liegen auf dieser Horizontallinie, und alle Parallelen im Bild verlaufen hierhin. Dies erzeugt Tiefe. Dem Fotografen bleibt die Entscheidung, von welchem Standpunkt aus er das Motiv abbildet.

Er wählt, welche Objekte den Vordergrund bilden, welche im Hintergrund bleiben, welche als „Rahmen“ dienen und so weiter. Dabei sollte er sich bewußt sein, was eigentlich das Motiv des Fotos bilden soll. Zu oft sind Elemente im Bild, die die als Hauptelement gewollten visuell überwältigen.

Negativer Raum
Als negativen Raum bezeichnet man den Teil des Bildes, der keinerlei Bildelemente enthält, sondern vollkommen leer ist. Negativer Raum läßt Bildobjekte „atmen“, er kann aber auch zu unnötiger Zerstreuung von Blickpunkten führen. Gekonnt eingesetzt kann er zu einem Stilmittel werden.

Bildformat
Die Komposition eines Fotos steht automatisch in Beziehung zu den Aufnahmemaßen. Mit anderen Worten, es macht einen großen Unterschied, ob ein Foto im Verhältnis 1:1, 4:3 oder 3:2 aufgenommen wird, denn danach richtet sich unter anderem, wo sich der Goldene Schnitt befindet. Man sollte sich auch bei einer Kamera, die von einem zum anderen Format wechseln kann, wie auch bei der Aufnahme von Panoramen, immer bewußt sein, daß die Seitenverhältnisse die Bildaufteilung mitdiktieren.

Bestimmte Fotogenres werden bevorzugt im Hoch- oder Querformat aufgenommen. Für Porträts beispielsweise wird eher Hochformat benutzt, während Landschaftsaufnahmen meistens in Querformat gemacht werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die obigen Regeln generell als Leitschnur dienen. Man sollte sich ihrer bewußt sein, sie einsetzen können (genauso, wie man seine Kamera und Grundbegriffe der Fotografie beherrschen sollte) aber auf seine Motive doch intuitiv reagieren können – insofern ist Fotografie Handwerk und Kunstform zugleich. Man kann sein Auge zwar schulen, aber entweder „sieht“ man bestimmte Motive, Kompositionen, oder man sieht sie nicht. Anders ausgedrückt: „Manche Leute schauen nur, während andere sehen.“

Der Fotograf sollte sich die Zeit nehmen, wenn es die Situation erlaubt, sein Bild zu komponieren, anstatt einfach nur auf den Auslöser zu drücken. Eine schlecht komponierte Aufnahme kann nicht nachträglich in eine andere umgedeutet werden , wenn man beispielsweise die Nachbearbeitungsmethode ändert (aus einem schlechten Landschaftsfoto wird nicht automatisch ein gutes Kunstfoto, nur weil es in Schwarzweiß umgewandelt wurde). Gleichermaßen kann man eine langweilige oder schlecht umgesetzte Idee nicht mit Photoshop verschönern, und im Nachhinein störende Objekte aus einem Foto zu entfernen ist schwierig oder in einem Dokumentarfoto beispielsweise illegitim.

Im letzten Teil über die Grundzüge der Bildgestaltung wird anhand von Praxisbeispielen aufgezeigt, wie diese Grundregeln wirken.

 

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