Leserfoto:
Vorbereitung, Glück und Erfahrung gehören dazu!

Unterschiedliche Farbtemperaturen gut ins Bild zu setzen ist oftmals Zufall oder gute Planung

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Julian Neitzert).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Julian Neitzert).

Kommentar des Fotografen:

Der Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke. Fotografiert habe ich von einer Aussichstplattform vor dem Hyatt in Deutz. Ich habe dieses Bild gemacht, weil ich den Kölner Dom schon immer sehr beeindruckend fand, vor allem nachts, wenn er angestrahlt wird. Desweiteren reizen mich Langzeitbelichtungen. Das haben ich dann in diesem Bild zum ersten Mal versucht zu kombinieren. wenn ich nochmal so ein Bild machen würde, würde ich wahrscheinlich ein Stativ zu Hilfe nehmen, anstatt die Kamera auf einer Mauer zu stellen.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Julian Neitzert:

Julian hat sich hier dem Kölner Dom auf spannende Weise angenähert. Ich selber war auch gerade letztens zur Photokina in Köln und konnte den Feierabend nutzen an der selben Stelle zu stehen und den Dom noch mit einem herrlichen Sonnenuntergangslicht zu bewundern. Fotografieren konnte ich ihn auch, zusammen mit gefühlt 200 anderen Photokinabesuchern, aber die Crux bei der Geschichte war, dass das imposante Kirchengebäude zu dem Zeitpunkt noch nicht angestrahlt war. Ich denke Julian wird das Problem kennen. Eine schöne Fotografie zur „Blauen Stunde“ war also nicht möglich, ähnlich wird es dir, Julian auch ergangen sein!?

Wenn wir nun tagsüber die Gebäude so sehen und uns dann vorstellen, wie sie abends angestrahlt werden, wissen wir Einiges meistens nicht:

1.Wann geht die Beleuchtungen?

2.Welche Gebäude sind überhaupt angestrahlt?

3.Mit welchen Lichtquellen wird gearbeitet?

Nun ist natürlich selten der Idealfall vorhanden, dass wir an mehren Tagen zu dieser Stelle gehen können und uns somit selber Antworten auf unsere Fragen geben. Selbst wenn ich einen Abend vorher dort in alles gute erkundet habe, kann und wird an anderen Tagen auch anders Wetter herrschen. Solchen schon kitschig schönen Himmel über dem Dom wie am ersten Tag hab ich dann nicht mehr erlebt.

Das heisst wir sollten uns vorab gut informieren und natürlich im weltweiten Netz nach Antworten suchen. Dann kann ich schon tagsüber planen, wo ich mich am besten hinstelle. Die Perspektive auf Julians Bild ist schön, auch wenn der Dom etwas angeschnitten ist. Aber das Wasser im Vordergrund, die Brücke als im wahrsten Sinne tragendes Motiv und der leichte blaue Schimmer durch das Brückengerüst wirken schon sehr ansprechend. Der blaue Schimmer kommt glaube ich von einer Veranstaltungslocation hinter der Brücke, die auch verschiedenfarbig leuchtet, was wiederum zu beachten ist. Grün zum Beispiel würde mit dem warmen Licht der Brücke nicht gut harmonieren.

Desweiteren habe ich bei einer Vorabbegehung erkannt, dass ein paar Meter nach links gegangen noch der Turm zu sehen ist, der auch beleuchtet ist und von dem auch Strahlen ausgehen. Dies könnte noch ein weiteres gutes kontrastierendes Bild ergeben.

Diese ganzen Überlegungen bedarf es eben, weil wir meist nicht viel mehr Zeit haben, als gerade für ein Motiv. Wenn wir zu spät vor Ort sind, ist der Himmel ohne schöne Zeichnung und zu dunkel oder eben wie in Julians Bild von dem künstlichen Streulicht eher unansehnlich grau und konturlos.

Was ist nun die Quintessenz meiner Besprechung hier?

Gute Vorbereitung auf ein Motiv und rechtzeitiges Erscheinen sichert nicht nur die besten Plätze, sondern auch die besseren Motive.

Und was können wir machen, wenn wie an diesem Tag der Dom zur „Blauen Stunde“ noch gar nicht beleuchtet ist?

Meine Idee wäre ein Bild vom Stativ zur passenden Zeit mit spannendem Himmel zu machen, dann aufpassen, dass das Stativ nicht bewegt wird, die Kamera an Ort und Stelle bleibt und dann zu der Zeit sobald die Lichter der Stadt ihr volle Stärke erreicht haben, denn auch das dauert ein paar Minuten, ein oder zwei weitere Aufnahmen (mit gleicher Blende!!!) machen und diese dann wie ein HDR später zusammen setzen. Eine HDR- Aufnahme zu machen, wenn die Lichter an sind, bringt uns nämlich die Zeichnung der „Blauen Stunde“ im Himmel auch nicht zurück.

Noch ein kleines Detail möchte ich erwähnen, welches auf der Brücke und auch auf dem Bild Julians gut zu erkennen ist. Die riesige Anzahl von „Liebesschlössern“. Sie geben dem Foto vorn im Bild noch einen speziellen Glanz.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Kommentare

  1. hallo, ich war auch zur photokina und stand mit gefühlt 200 photokinabesuchern an dieser”klischee-postkarten-foto-stelle”. den sonnenuntergang habe ich leider nur noch von der brücke sehen können, aber die blaue stunde inklusiv angestrahltem dom erwischt.
    auf meiner facebookseite (drachenkind.fotografie) kann man das sehen. auch für nicht angemeldete besucher übrigens…bis auf die ominöse wolke hinterm dom, die sich absolut nicht verziehen wollte, hatte man eine perfekte bilderbuch blaue stunde. mit stativ natürlich..:). ohne sollte niemand auf reisen gehen :). köln fanden wir übrigens echt toll. entspannt und cool..nur die brücke mit den geschätzt millionen schlössern sollte jeder unfreiwillige singel meiden…

    ps: ich hätte hier definitiv was am weissabgleich verändert ( wenn du das bild als raw hast, versuch das doch mal) und wäre eine halbe stunde eher gekommen..
    pss: sorry, das ich jetzt hier nur werbung für mich gemacht habe…das war überhaupt keine absicht..

  2. Ich finde es eine sehr schöne Idee, eine Aufnahme in der Blauen Stunde mit einem später aufgenommenen Dom zu kombinieren. Es ist jedenfalls eine Möglichkeit, die mehr Kontrolle erlaubt.

    Bei Drachenkind ist die Brücke nicht ganz so dominant, auch farblich, was mir besser gefällt, weil der Dom besser in Szene gesetzt wird. Ich kenne die Location leider nicht, es dürfte aber schwer sein, einen besseren Standort etwas weiter weg von der Brücke und weiter weg vom Rhein zu finden, um das Gleiche im Panorama-Format erzielen zu können.

  3. Das Bild hat schon Napoleon vom Pferd aus gemacht. Man sieht es jeden Tag gefühlte 20 Mal in den üblichen Online-Galerien.

    Ich liebe den Dom auch, habe ihn selbst schon zig mal fotografiert. Zeige die Bilder aber kaum, weil das Motiv ziemlich ausgelutscht ist. Und gerade die Stelle vor dem Hyatt, da müssen wohl irgendwo drei Punkte auf dem Boden sein, wo man genau sehen kann, wo die 321651654178547984874 Fotografen vor einem ihr Stativ aufgebaut haben um genau das gleiche Foto zu machen.

    Als Amateur hat man doch die Freiheit keine Bilder mit Postkartenmotiv zu machen, weil man vom Verkauf der Postkarten leben muss. Ich fände es spannend Bilder vom Dom zu sehen, wie sie noch keiner gemacht hat. Zugegeben, das ist schwierig, ich selbst habe es auch noch nicht geschafft. Aber ich gebe nicht auf. Bis dahin bleiben meine Dom-Bilder auf meiner Platte.

    • Danke für Deinen Kommentar! Selbst mir, der noch nicht mal in die Nähe von NRW gekommen ist, ist diese Fotostelle mehr als bekannt.

    • Mir geht es genauso. Tausend Mal gesehen, ein paar Fotos selbst gemacht, aber nie gezeigt. Ein eigentlich hübsches Bild aber zu Tode fotografiert.

  4. Hallo!

    Ich finde das Bild nicht ganz so gelungen. Mich stören die doch sehr verschiedenen Farben der Lichter – eher grün links mit Spiegelung auf dem Wasser, das eher kühle helle Licht auf dem Dom und die angenehm warm-gelbe Farbe der Brücke passen m.E. nicht so gut zusammen. Außerdem wirkt der Bereich links des Doms auf mich seltsam hingepappt – er hängt halt noch dran, aber ich erkenne seine Funktion innerhalb des Bildes nicht – wenn, dann hätte ich den Dom wenigstens in den Goldenen Schnitt gesetzt, aber nicht die Lücke zwischen Dom und Brücke zentral platziert. Alternativ könnte man das Format auf ein Quadrat beschneiden, mit dem Dom im linken Goldenen Schnitt…
    Mich würde interessieren, was man rausholen kann, wenn man sich auf die Brücke konzentriert (um deren geniale Farbe zu würdigen und herauszuarbeiten). Oder was evt. Schwarz-weiß möglich gewesen wäre – dann würde die Verschiedenheit der Farben nicht so stören.
    Was meint ihr dazu? (Kann leider meine Versuche damit nicht anhängen – ihr müsst es euch vorstellen).
    Freue mich auf weitere Anregungen / Kritik / Feedback.

    Beste Grüße,
    Koa

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