Oliver Kern:
Die deutsche Aussicht

Aussicht, die deutsche: Oliver Kern suchte über Jahre hinweg nach deutschen Idenitäten. Seine An- und Einsichten schwingen hin und her zwischen Groteske und Banalität.

Oliver Kern: WaltropDas Bedürfnis nach örtlicher Zugehörigkeit ist im Zeitalter der Globalisierung stark gewachsen und der Begriff Heimat hat Konjunktur. Oliver Kerns Beobachtungen erzählen uns davon.


Oliver Kern bereiste in ganz Deutschland Orte, die er mit einer deutschen Identität verbindet. Die Bilder zeigen flüchtige Begegnungen mit Menschen an unscheinbaren Stellen wie Parkplätzen oder Supermärkten. Egal ob in der Stadt oder auf dem Land – Kern interessieren Szenen des Alltags, unterschiedliche Lebenssituationen und vor allem die kleinen Symbole, die veranschaulichen, wie Menschen in ihrer Heimat auftreten.

Oliver Kern: Wilhelmshaven

Wir sehen diese Bilder aktuell im Unesco-Welterbe Stiftung Zollverein in Essen. Dessen künstlerischer Leiter Fabian Lasarzik schreibt zur Ausstellung:

Oliver Kern wurde 1965 in Saarbrücken geboren. Er gehört somit einer Generation an, deren Verhältnis zur Nation und dem Bekenntnis dazu als durchaus ambivalent bezeichnet werden darf. Diese Zwiespältigkeit zeigt er offen und schonungslos, aber mit viel Humor und feiner Ironie, zuweilen auch mit Zynismus. Dies ist nichts anderes als zeitgemäß. Dabei sind die Schlüsselwörter von Kerns Arbeiten »Distanz« und (vertraute) »Nähe«. Allein der Titel belegt dies: Die deutsche Aussicht. Es ist ein Begriff aus der deutschen Romantik und meint einen Blick nach draußen auf etwas, gleichzeitig wird Aussicht auch als (meist positive) Zukunftsperspektive konnotiert. Schon im Titel nimmt Kern eine eigentlich paradoxe Position ein, denn »Aussicht« ist immer eine Position, die keinerlei Eingebundensein in das zu Besichtigende mit sich bringt. Eher ist es eine erhöhte Draufsicht auf etwas (wie klassisch Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer belegt). Oliver Kern ist aber eingebunden und kann als Deutscher eigentlich nicht von außen auf seine Heimat schauen. Er versucht dies allerdings durch große Distanz und aus einer leicht erhöhten Position, jedoch zugleich mit einer Vertrautheit und Nähe, die verdeutlichen, dass es seine Heimat ist, die er aufsucht.

Oliver Kern: Meersburg

Oliver Kern studierte Fotografie bei Arno Fischer an der Fachhochschule Dortmund. Bezeichnend für Oliver Kerns Arbeitsweise ist das Sammeln von fotografierten Einzelbildern, aus dem sich Charakter und Sprache der Serie dann entwickeln. „Die deutsche Aussicht“ entstand von 2001 bis 2012 mit Unterstützung des Kulturwerkes der VG Bild Kunst und der Firma Pixel Grain. Wir finden die Bilder und andere Serien wie „Die vorläufige Stadt“ auf Oliver Kerns Website. Als Fotoband erschien Die deutsche Aussicht (Affiliate-Link) jetzt Anfang Oktober 2012 im Hatje Cantz-Verlag Ostfildern.

Oliver Kern – Die deutsche Aussicht
Bis 13. Januar 2013
Unesco-Welterbe Zollverein, Portal der Industriekultur, Areal A (Schacht XII), Kohlenwäsche (A14), Gelsenkirchener Str. 181, D-45309 Essen
+49 (0)201 24 68 10, info@zollverein.de
Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr

Oliver Kern
Stiftung Zollverein Essen

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *