Leserfoto:
Landschaftsfoto in Schwarzweiss – Hoch- oder Querformat?

Bildformat verändert Bildgewichtung.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Lorenz Pachmann).

Kommentar des Fotografen:

Wilsons Promontory National Park, Victoria, Australien. Februar 2011. Der verbrannte Baum soll die von vorne bis hinten horizontale Schichtung des Bildes durchschneiden. Kann er, ähnlich einer Strasse, das Auge zwischen Vorder- und Hintergrund führen oder macht er die räumliche Wirkung eher zunichte? Und zweitens: Ist durch Wolken, Wellen und Licht erkennbar, dass das Wetter recht stürmisch war?

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Lorenz Pachmann:

In meinem Artikeln über fotografische Komposition spreche ich unter anderem Bildformate an, und wie diese die Komposition (und damit die Bildgewichtung) beeinflussen. Dein Foto ist ein perfektes Beispiel.

Dein Foto ist wirklich kein Urlaubsschnappschuß von einem totfotografierten Ort, ganz im Gegenteil. Du hast hier das „schlechte“ Wetter zu Deinem Vorteil genutzt und ein meines Erachtens gelungenes Bild geschossen.

Deinen Bemerkungen kann ich allerdings entnehmen, daß Du Dir dessen nicht hundertprozentig sicher bist. Der Baum sollte das Auge des Betrachters lenken, aber das tut er hier für mich nicht. Er dominiert so sehr, daß das Meer und die Wolken nebst Küste dahinter visuell verdrängt werden.

Wenn Deine Absicht also war, den Baum „nur“ als Vordergrund im Foto zu haben, hätte ich ein anderes Format gewählt. Im Querformat wäre der verbrannte Baumstamm nicht so dominant gewesen, und entsprechend angeordnet hätte er dem Betrachter etwas im Vordergrund geboten, was die wilde Landschaft im Hintergrund unterstreicht, nicht überwältigt.

Ich empfehle deshalb auch immer, mehrere Formate eines Motivs aufzunehmen, um später vergleichen zu können, was im konkreten Fall besser wirkt. Allerdings muß ich sagen, daß mir Dein Foto auch so ausnehmend gut gefällt. Denn ich habe erst einmal instinktiv darauf reagiert, bevor ich Deine Bemerkungen las, und für mich „paßt“ es. Der Baum ist allerdings der Hauptgegenstand: düster, traurig, und die Landschaft dahinter unterstreicht das perfekt.

Das einzige, was ich anzumerken hätte, ist, daß der Horizont aus irgendeinem Grund leicht schief wirkt. Das liegt vermutlich an der Landschaft selbst, ich hätte aber trotzdem etwas nachkorrigiert ODER die dunklen Berge/Hügel im Hintergrund noch etwas nachgedunkelt, damit sie stärker hervortreten.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. farmer says:

    Mir gefällt das Format gut, allerdings hätte das Bild eine ausgewogenere Balance, wenn der Baum auf der linken Seite wäre. Das Gestrüpp auf der linken Seite wäre dann weg und die markanteren Steine eher im Vordergrund.

    Antworten
    • Lurenz says:

      Stimmt, der Balance zwischen links und rechts hätte das gutgetan. Allerdings würde der Baum dann nicht mehr die Gischt der Wellen durchschneiden. So ginge dort etwas vom starken hell-dunkel-Kontrast verloren und die Gischt würde eine ziemlich grosse weisse Fläche bilden. Aber etwas mehr von den Steinen wäre schon schön.
      Ich werde den Ort nochmal aufsuchen müssen, um Gewissheit zu erlangen ;)
      Danke für die Anregung.

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