Leserfoto:
Die fotografische Quadratur des Kreises

Die Kombination aus strengen geometrischen Formen und menschlichem Einfluss macht den Reiz dieses Straßenfotos aus.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Volker Rein).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Volker Rein).

Kommentar des Fotografen:

Am Münchner Marienplatz ist am Abgang zur U-Bahn dieses interessante Bodenmuster aufgeklebt. Per Zufall kam dann noch eine Dame mit dem gepunkteten Rock in Blau. Ich stand da gute 10 Minuten und habe einige Aufnahmen gemacht, aber diese hier gefällt mir besonders gut. Die räumliche Situation ist allerdings sehr beengt und man braucht ein gewisses Beharrungsvermögen, wegen der vielen Leute die rauf und runter gehen

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Volker Rein:

Ein guter Fotograf hat nicht nur eine Kamera, sondern auch ein geschultes Auge, welches spannende Farben, Formen und Motive auch dort entdeckt, wo die meisten Leute gedankenlos vorbeigehen. Oder wie in diesem Fall wortwörtlich täglich mit den Füßen darauf rumtrampeln. Volker Rein hat am Münchener Marienplatz dieses Foto gemacht, das auf den ersten Blick wie ein gelungener Schnappschuss aussieht, aber in Wahrheit Geduld und Ausdauer erfordert.

Die knallgelben Karos und dicken Linien auf dem Boden bilden einen sehr starken Kontrast, der jedoch alleine noch nicht ausgereicht hätte. Das i-Tüpfelchen ist hier – fast wieder im Wortsinn – der blaue Rock mit den weißen Punkten, die in ihrer Form das genaue Gegenteil zu den Quadraten bilden.

Sehr gut gefallen mir die vielen kompositorischen Details, die vielleicht nicht immer Absicht waren, aber hier im Endergebnis alle dazu beitragen, dass das Bild sehenswert wird. Dazu zählt zum Beispiel, dass der Fotograf das quadratische Format für sein Bild gewählt hat, womit die kleinen Quadrate zum Abbild des großen Quaderformats werden.

Die diagonalen Linien, vor allem der Linien, nicht der Quadrate, lenken den Blick direkt zu der Frau und damit auf das Hauptmotiv. Der auf dem Bild linke Fuß, welchen wir zuerst wahrnehmen, steht noch am Rande des “Quadergebiets”; während der rechte Fuß schon im Bereich der gelben Linien verweilt. Der Übergang zwischen den beiden geometrischen Formen wird so durch den Gang der Frau verstärkt.

Etwas störend wirken lediglich der weiße Fleck auf dem Boden unter dem rechten Fuß und das Pflaster am Hacken der Frau. Aber das sind die Details, gegen die ein Straßenfotograf bei der Aufnahme machtlos ist und es ist wohl eine zutiefst persönliche Geschmacksfrage, ob so etwas nachträglich retuschiert werden darf oder nicht. Was sagt ihr?

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Kommentare

  1. Ich mag den kleinen Fleck: Ein weißer Punkt ist vom Rock gefallen und auf der Straße zerdeppert…

  2. Gutes Bild – und gute Frage zur Retusche. Spontan dachte ich, dass der weisse Fleck weg muss und das Pflaster bleiben soll. Beim weiteren Nachdenken dann die Idee, dass der Fleck zum Punktekleid passt, ein verloren gegangener weisser Punkt vom Kleid als weiteres stimmiges Detail,wie die gelbe Farbe der Handtasche.
    Und wenn Retusche, wo aufhören? Es gibt noch weitere helle Flecken im Strassenbelag.

  3. Es freut mich natürlich ungemein, dass mein Bild hier erscheint und einer Kritik unterzogen wird.
    Aufgenommen habe ich das Bild im 2/3 Format, habe mich aber für eine Veröffentlichung im Quadrat entschieden, weil es insgesamt besser wirkt.
    Gut, der weisse Fleck zieht irgendwie immer den Blick an, wenn man die Kritik gelesen hat um so mehr. Aber ich bin mit der Retusche immer äuserst sparsam und hab es mehr mit den “naturbelassenen” Fotos, grade bei Street-Szenen.
    Ansonsten-danke für die erfreuliche Beurteilung

  4. Die zerbrochene Scheibe, die Zigarettenkippen in der Ecke, das Pflaster an der Ferse, die abgestoßenen Stellen in den gelben Streifen und der weiße Fleck. Wenn das alles weggestempelt wäre, müsste ich an Thomas Demand denken, der seine Szenen aus Papier bastelt, bevor er sie fotografiert.
    Ich würde dieses vorzügliche Bild so lassen wie es ist.

  5. Tja, irgendwie alles richtig: Quadrate, Formen, Street,… Ok. Was mir irgendwie gar nicht gefällt: das Model! Das Kleid: unscharf. Die Beine: na ja. Die Schuhe: abgelaufen, an der Ferse das Pflaster. Nicht falsch verstehen. Ich respektiere den Einsatz und die Geduld auf den passenden Moment zu warten. Der im Bild präsentierte ist es m.M. nach leider nicht.

    • Danke Daniel für deine Kritik. Ich geb dir recht, das Model ist nicht ideal, aber das ist ja Streetfotografie, so wie ich sie verstehe. Natürlich kann ich ein Model engagieren, deren Beine wohlgeformter sindund ohne Pflaster, und die Dame dann hundert Mal über die Streifen laufen lassen und mir dann das ideale Bild aussuchen, aber dann ist es mehr eine Studioaufnahme. Für mich war es das ideale Bild, mehr war an diesem Tag nicht drin. Die STreifen gibt es schon lange nicht mehr und ob die Dame jemals wieder nach München kommt und dort entlangläuft – wer weiß??
      Übrigenms wurde das Bild bei einem Wettbewerb zum Thema “Kontraste” angenommen und ausgestellt.
      herzlichen Gruß
      Volker

  6. Ich würde oben noch einiges wegschneiden, so dass nur noch das vordere Knie zu sehen ist, die Wand und die Hand jedoch nicht mehr. Bei der Version oben wären das also die unteren 240 Pixel bei voller Breite von 300 Pixel. Die Wand stört in meinen Augen wesentlich mehr als das Pflaster oder der helle Fleck.
    Übrig bleibt ein Bild im Format 5×4 mit tollen Linien, Formen und Farben.

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