Lichtunterschiede:
Portrait im Gegenlicht

Die Tücken einer Gegenlichtaufnahme illustriert dieses sommerliche Portrait sehr gut. Der Trick ist, die Balance zwischen Hintergrundhelligkeit und Motivlicht in den Griff zu bekommen.

Gegenlichtporträt © Björn Kluge

Gegenlichtporträt © Björn Kluge

Kommentar des Fotografen:

Hallo,
dieses ist eine meiner neuesten Outdoorportraits. Ich bin ein Freund von Gegenlichtaufnahmen, auch wenn ich diese noch nicht 100% beherrsche, so suche ich doch stets gern die Herausforderung.
Nach einem Jahr intensiven Lernens ist diese Aufnahme der aktuelle Stand dessen, was ich mir aneignen konnte. Nun bin ich gespannt, was ihr dazu sagen könntet, vor allem im Punkto Verbesserungspotential in allen Belangen.
Gruß Björn

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Björn Kluge:

Ich finde es gut, wenn Fotografen beständig versuchen, sich zu verbessern und neue Techniken zu lernen. In diesem Fall möchte der Fotograf Gegenlichtaufnahmen meistern. Bei denen scheint das Licht (meist die Sonne) in Richtung des Objektivs und da dies die automatische Belichtungsmessung der Digitalkamera oft verwirrt und zu einer starken Unterbelichtung führt, muss der Fotograf zusätzlich von vorne blitzen, um das Hauptmotiv nicht im Dunkeln „absaufen“ zu lassen.

Der Lohn für diese Mühe ist – insbesondere bei Portraits wie diesem hier – ein Lichtkranz um die Haare, der eine plastische Wirkung erzielt, mit der sich die Person schön vom Hintergrund abhebt und das Bild dadurch an Tiefe gewinnt.

Das ist auf auf diesem Foto von Björn Kluge sehr gut zu sehen. Leider ein bißchen zu gut, denn der Lichtkranz ist so stark, dass er die eh schon hellblonden Haare überstrahlt und damit wichtige Bildinformationen verloren gehen. Diese Technik mit dem Überstrahlen mag sehr hilfreich sein, wenn sie bei Körperformen angewandt wird, die dünner als in der Realität erscheinen sollen, bei Haaren empfiehlt es sich jedoch, etwas mehr Vorsicht bei der Belichtung walten zu lassen.

Der Spielraum ist angesichts der genannten Aufnahmewerte relativ gering, aber bei vielen Canon-Kameras wäre entweder eine künstlich niedrige ISO-Stufe von 50 ISO wählbar gewesen, welche eine leichte manuelle Unterbelichtung erlaubt hätte. Das hätte die Sonne etwas gemildert und da der Blitz sowieso händisch runtergeregelt wurde (-3 Blendenstufen), hätte der Vordergrund durch die Zugabe von einer halben oder ganzen Blende wieder aufgehellt werden können. Alternativ hätte die Blende etwas weiter geschlossen werden können, um durch einen höheren Blendenwert einen ähnlichen Effekt zu erzielen, allerdings auf die Gefahr hin, das sehr schöne Bokeh im Hintergrund zu verlieren.

Notfalls würde eine doppelte Belichtung des RAW-Bildes helfen, bei dem einmal unter- und einmal normal belichtet wird, um die zu hellen Haare durch die unterbelichtete Version zu ersetzen. Das klappt jedoch auch nur in Grenzen und geht besser, wenn das Ausgangsbild eher etwas zu dunkel als zu hell ist.

Beim Motiv selbst ist der Anschnitt meiner Meinung nach nicht ganz gelungen, weil die Stirn immer entweder dicht über den Augenbrauen oder gar nicht angeschnitten werden sollte. So ist es weder Fisch noch Fleisch. Auch passt der eher traurige, enttäuschte Blick der jungen Frau nicht ganz zum sonnendurchfluteten, farbenfrohen, sommerlichen Hintergrund und auch ihrer gelben Kleidung. Eine glücklichere Mimik hätte hier vielleicht besser zum Gesamtbild gepasst.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Peter Weisner says:

    Auch ich mühe mich nur, um mich und andere erfreuende Bilder zu machen. Hierbei sind Gegenlichtaufnahmen eine interessante Herausforderung, weil sie m. E. ihre Spannung aus enem ausgewogenen Verhältnis von Hell/Dunkel beziehen und ehrlich bleiben sollten. Vorder- und Hintergrund dieses Porträtfotos sind einfach nur bleich, weil viel zu hell und daher ohne jede Spannung. Damit erscheint z. B. der Lichtkranz zu breit und ausdruckslos, kann kaum noch seine Rolle spielen. Betrifft genauso das schöne Gesicht. – Auf der waagerechten Mittellinie, dem Bereich, auf den das Auge zuerst und am längsten ruht, liegt der Knorpel(!!!), umgeben vom hier langweiligen, flächigen Hals und dem nichtssagenden, Fläche beherrschenden Dekolletè. Das Wichtigste an jedem Porträt, die Augen, findet man erst viel zu hoch nahe am Bildrand. – Welche Dame von Welt zieht zu blonden Haaren eigentlich eine gelbe Bluse/Kleid an? Da hat wohl der Photogaraf „Gewalt“ angewendet? – Fazit: M. e. weder als Foto noch als Grafik geeignet. Einfach eine Serie mit verschieden Einstellungen machen, das beste Foto aussuchen und zurückhaltend beim Verschlimmbessern sein. Und: Unser Profi könnte rein sprachlich jederzeit in den höheren diplomatischen Dienst gehen.

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