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Schwarzweißporträt – Auf Einzelheiten achten

Wenn man sich die Zeit nehmen kann, sollte man auf alle Einzelheiten achten. Das kann der Unterschied zwischen einem guten Foto mit ein paar Problemen und einem exzellenten sein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© André Heßler)

Kommentar des Fotografen:

Sänger einer befreundeten Rockband. Sie spielten an diesem abend unplugged in einem kleinen lokal in Oberfranken. 85mm, F1.4, 1/80s

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von André Heßler:

Du hast hier ein experimentelles Porträt eingereicht, das mir aus mehreren Gründen ins Auge stach. Erstens, weil es eben experimentell ist – das Format ist quadratisch, das Modell in der genauen Bildmitte etc. Zweitens aus dem Grund, weil das Modell selbst so interessant wirkt: er schaut nicht in die Kamera, die Pose ist emotionsgeladen, man „kauft“ sie ihm „ab“, sie paßt; sie wirkt, obwohl gestellt, natürlich. Die Tatsache, daß es in schwarzweiß gehalten ist, gibt ihm einen gewissen „Retrocharakter“, und man sieht einmal mehr, was Schwarzweißproträts so attraktiv macht, denn man muß man sich auf die Details konzentrieren, ohne von Farbe abgelenkt zu werden.

Bei einer Aufnahme wie dieser fallen allerdings auch alle Dinge auf, die sonst, wenn nicht untergegangen, jedenfalls nicht so ins Auge gestochen wären. Da ist zunächst einmal das ausgebrannte linke Ohr. Durch die Beleuchtung und Schwarzweißumwandlung ist es komplett weiß, keinerlei Details sind geblieben. Das hätte man in der Nachbearbeitung leicht korrigieren können, ohne daß es aufgefallen wäre.

Des Weiteren fällt der Hintergrund auf der selben Seite weiter unten auf. Weil das Bild so symmetrisch gehalten ist, stören die Linien. Was es auch immer ist (Tische und Stühle?), ich hätte bereits bei der Aufnahme vermieden, daß es ins Foto kommt. Oder zumindest zu vermeiden versucht. Wenn es nicht vom Ort her vollkommen umgehbar war, weil es eben in einem kleinen Lokal nur so viel Platz gibt, kann man doch bis zu einem bestimmten Punkt darum herumarbeiten.

Abgesehen davon, daß man Möbel beiseiterücken kann, kann man auch Dinge darüberhängen. Du hättest auch eine Aufnahmereihe machen und die dunkelste selektiv über die Stelle legen können, damit sie wenigstens nicht so hervorsticht. Das hätte auch mit dem ausgebrannten Ohr geholfen, denn Details, die in der vorliegenden Aufnahme unter Umständen nicht mehr zurückzuholen waren, wären in der unterbelichteten Variante noch vorhanden gewesen.

Trotz dieser beiden Punkte gefällt mir das Foto ausnehmend gut, und was ich angesprochen habe, ist so einfach zu korrigieren, daß Du leicht aus einem guten Porträt mit ein paar Problemen ein exzellentes machen kannst.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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