Bildbearbeitung:
Digitale Filmkornsimulation (2)

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einleitung
2. Das Problem des Bildrauschens
3. Die Haptik des Bildes
4. Das Phänomen der Kornschärfe
5. Der Aspekt des Stilmittels
6. Einbindung des beigelegten Aktionssets
7. Eine Beispielbearbeitung
8. Was noch zu sagen wäre …
9. Und noch etwas …

 

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6.Einbindung des beigelegten Aktionssets

Nach dem Herunterladen des Aktionssets und dem Abspeichern an einer möglichst wiederauffindbaren Stelle der Festplatte öffnet man Photoshop und wählt die Aktionsverwaltung über das Menü (Fenster: Aktionen) oder über F9 direkt aus. In dieser findet sich rechts oben ein kleines Icon mit einem Pulldownmenü und dort in der fünften Abteilung der Befehl Aktionen laden. Nun kann der Aktionsset ausgewählt und eingebunden werden, er steht nun zur Anwendung bereit. Ich empfehle noch, die nachfolgende Verwendung zu automatisieren, indem man den Set rechts neben dem Namen doppelklickt und eine Funktionstaste auswählt (siehe Bild 4).


Wenn wir den Aktionsset dann durchlaufen lassen, arbeitet das Programm einen kurzen Augenblick, erstellt vier neue Ebenen (Korn ISO 100, Korn ISO 200, Korn ISO 400, Korn ISO 800). Die zugrundeliegende Technik ist simpel, es wird mit Photoshop‐Bordmitteln gearbeitet: die jeweils neue Ebene wird mit Neutralgrau gefüllt, mit den darunterliegenden Ebenen im Modus Ineinanderkopieren verbunden und dann mit dem Rauschfilter (Menü Filter: Rauschfilter: Rauschen hinzufügen mit Gaußscher Normalverteilung, Monochromatisch und der Stärke 5, 7, 12 und 17%) versehen. Man kann das alles einzeln per Hand machen, aber so geht es doch um einiges schneller (siehe Bild 5). Wir sehen zunächst, daß die vier eingefügten Ebenen ausgeblendet und deren Flächen standardmäßig auf 80 % eingestellt (in ihrer Wirkung also um 20% gemindert) sind. Nach Auswahl der zum Umfang des Bildrauschens passenden Ebene (siehe Bildbearbeitung im nächsten Abschnitt) erfolgt das Feintuning über die Flächenfüllung. Man kann den Effekt durch eine Abschwächung auf 60% mindern Weniger würde ich dabei nicht empfehlen, da er Effekt sonst kaum sichtbar ist. Auch eine Verstärkung über 80% kann kritisch sein, da der Korneindruck dann bisweilen etwas aufdringlich wirkt. Hier wäre alternativ die Auswahl zweier Ebenen zu erwägen – etwa eine Kombination von Korn ISO 100 und Korn ISO 200, was sich insgesamt schwächer auswirkt wie Korn ISO 400.

7. Eine Beispielbearbeitung

Jedes Bild braucht die ihm angemessene Stärke der Filmkornsimulation, hier sind deswegen keine Pauschalisierungen möglich. Selbst die Druckgröße muß berücksichtigt werden, da bei einem großformatigen Print Korn ISO 800 angemessen, bei einem kleinformatigen Druck Korn ISO 400 jedoch schon zu viel sein kann. Praktisch schlage ich vor, das Bild in Photoshop zunächst auf die Druckgröße zu verändern (Menü Bild: Bildgröße oder Shortcut Strg+Alt+I) und dann auf die 100%‐Darstellung zu wechseln (Werkzeug Zoom oder Shortcut Strg+1). Die vorhandenen Artefakte und der Überdeckungsbedarf können so am besten beurteilt werden. Wir wechseln das Werkzeug zur Hand (Shortcut H) und schauen uns die verschiedenen Bildbereiche genau an. Die Stellen mit dem stärksten Bildrauschen (typischerweise in den Mitten und Schatten) gibt dann die Referenz ab, wie stark überdeckt werden muß. Generell gilt, das vorhandene Bildrauschen so gerade eben mit der Filmkornsimulation (durch Auswahl der geeigneten Ebene und der Flächenprozente) zu überdecken, so daß dieses dahinter quasi untergeht.


Im Beispielbild sehen wir zunächst ein leichtes bis mäßiges Rauschen vor allem in den dunklen Partien (siehe nochmals die originale 100%‐ Darstellung eines Hintergrunddetails in Bild 6). Eine erste Anwendung der Filmkornsimulation mit 80% Korn ISO 400 (siehe Bild 9) und vor allem mit 80% Korn ISO 800 (siehe Bild 10) sind eindeutig zu viel des Guten, da nun zwar die Artefakte überdeckt sind, zugleich aber auch die Feinstruktur zunehmend leidet. Ich entscheide mich in diesem Fall für das Konstrukt 80% Korn ISO 300, indem ich die Ebenen 80% Korn ISO 100 und 80% Korn ISO 200 (siehe Bild 11) zugleich auswähle. Dies wäre für mich der beste Kompromiß im Sinne der Überdeckung des Bildrauschens, der Akzentuierung der Feinstruktur (Bildhaptik) und einer leichten Anhebung des Schärfeeindrucks (Kornschärfe).

8. Was noch zu sagen wäre …

Die hier dargestellte Filmkornsimulation ist natürlich nicht der einzig mögliche Zugangsweg und hat insofern keinen Alleinvertretungsanspruch. Rolf Walther aus Mainz, bei dem ich diese Technik nebst manchen anderen Dingen (der Bildausarbeitung, der Monitorprofilierung und Druckersteuerung) lernte, arbeitet mittlerweile des öfteren mit Echtkornsimulation. Man muß sich das so vorstellen, daß mit verschiedenen Analogfilmen jeweils ein Neutralgrau abfotografiert, die Aufnahmen dann eingescannt und digitalisiert und das resultierende Kornmuster über den Modus Ineinanderkopieren verwendet wird. Das Ergebnis wirkt dann noch natürlicher und kann sich zweifelsohne sehen lassen, aber es ist doch auch sehr aufwendig und birgt aus meiner Sicht auch manche Widrigkeiten bei der Feindosierung und Größenanpassung.

9. Und noch etwas …

Das Filmkorn wird üblicherweise eher mit Scharzweißfotografie assoziiert, doch läßt sich dies auch auf die Farbfotografie übertragen? Grundsätzlich schon, meine ich, denn auch der Farbfilm wies eine Körnung auf, und die dargestellten Überlegungen in Richtung von Rauschüberlagerung, Bildhaptik und Kornschärfe sind somit grundsätzlich auch auf Farbfotografien anwendbar. Auch dort gilt, daß übliche Entrauschungsroutinen die Feinstruktur deutlich schädigen können

Download Photoshop Aktionsset

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5 Antworten
  1. Volker says:

    Danke an den Autor des Artikels. So habe ich einiges über die PS-Funktion Aktion gelernt und wurde wieder an das Thema Filmkorn herangeführt.
    Zu dem Ergebnis muss ich leider -als langjähriger Analogfotograf- sagen, dass die Kornsimulation mich nicht überzeugt. Filmkorn sieht anders aus, es sind runde, ungleichmäßig verteilte Körnchen, auch von Filmart zu Filmart verschieden, nicht nur von der ISO-Zahl. Ein Tri-X hatte anderes Korn als Agfa, Ilford etc.
    Wie der erste Gastbeitrag erwähnt, gibt es die Funktion auch bei Lightroom, die meines Erachtens schon besser dem echten Korn nahekommt.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Ich möchte diesen schon etwas älteren Diskusssionsfaden nochmals aufgreifen …

      „True Grain“ und „DxO“ sind zweifelsohne die Epigonen der Echtkornüberlagerung, alles andere ist simuliert. Ersteres krankt aus meiner Sicht an der mangelnden Plugin-Lösung und einem Entwicklungsstillstand, zweiteres an superben Kosten.

      Hingewiesen wird auch auf die eingebauten Bildfehler, Kratzer etc., die das Ergebnis eben „so authentisch wirken lassen“. Wenn ich allerdings 25 Arbeiten in einer Ausstellung präsentiere und alle haben an der gleichen Stelle den gleichen Fehler, dann würde ich persönlich das Ergebnis eher als peinlich denn authentisch bezeichnen …

  2. Dierk says:

    …Grundsätzlich schon, meine ich, denn auch der Farbfilm wies eine Körnung auf…

    wer den 1000 ASA Diafilm von 3M noch kennt, weiß, was Korn ist:)
    Es ist hier vielleicht auch von Interesse, das es von DxO ein FilmPack zur Kornsimmulation gibt. Ich habe vor langer zeit gelesen, dass dort auch eingescannte Filme verwendet werden, bin aber nicht sicher.
    Daneben bieten z.B. Lightroom und Nik diese Efekte auch, sind aber nur simuliert.
    dierk

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Es ist so, wie Du sagst: das Thema der digitalen Filmkornsimulation pendelt zwischen der Überlagerung mit eingescanntem Echtkorn (welches ich in letzten Abschnitt kritisch in Hinblick auf mögliche Skalierungsartefakte erwähnte) und der Nachbildung mit Photoshopmitteln (von mir momentan wegen besserer Dosierbarkeit bevorzugt).

      Thomas

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  1. […] Beim Thema der digitalen Filmkornsimulation gehen die Meinungen oft weit auseinander. Bildbearbeitung: Digitale Filmkornsimulation (2) 6.Einbindung des beigelegten Aktionssets Nach dem Herunterladen des Aktionssets und dem […]

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