Leserfoto:
Haustierfotografie – Hund um High Noon

„Schlechte“ Lichtverhältnisse sind nicht immer von Nachteil.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jörg Oertel).

Kommentar des Fotografen:

In vollem Lauf fotografiert. Das Highlight einer Serie von 15 Aufnahmen.
Nikon D300s, Sigma 70-200/2,8, ohne OS, Helle Mittagssonne, 1/2500sec, Blende 4,5, Blendenautomatik, ISO 200, Brennweite 200mm,
Autofokus und Belichtungsmessung: spot, zentral.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jörg Oertel:

Dein Foto hat bei mir ein dickes Grinsen aufs Gesicht gezaubert. Der Hund – Australischer Schäferhund? – sieht so komisch aus, daß ich an Deinem Bild nicht vorbeikonnte, wenn auch Haustierfotografie nicht so mein Ding ist. Dein Schnappschuß fängt einen Hund in seiner natürlichen Umgebung ein, und nicht nur ist er in seinem vollen Element, er sieht regelrecht glücklich aus.

Mein eigener Boxermischling rennt für sein Leben gern; die Energie überträgt sich auf den Betrachter, wenn man ihn durch die Gegend schießen sieht. Weil sich das Geschehen so schnell abspielt, ist es wie bei allen Szenen, in denen sich das Objekt sehr schnell bewegt (Radrennen, Fußballspiel etc.), jedoch sehr schwierig, das Gesehene effektvoll einzufangen.

Man kann die Szene so darstellen, daß man die Bewegung selbst mit ins Bild nimmt. Dazu muß man die Kamera mitziehen, während man auf das sich bewegende Objekt fixiert bleibt. Dieses ist dann scharf, während die Umgebung verschwimmt.

Oder man kann die Szene im Moment „einfrieren“, wie Du es hier getan hast. Dann sollte es aber ein Moment sein, der wirklich heraussticht, und das ist hier für mich der Fall. Der Hund schwebt visuell über dem Boden, Du hast ihn im vollem „Flug“ erwischt. Der Gesichtsausdruck, alles paßt.

Der Hund ist voll mittig angeordnet, aber durch die Dynamik der Szene finde ich das persönlich nicht störend. Es gibt keinen anderen Ausschnitt dieses Fotos, der besser gepaßt hätte.

Du hast das Foto mehr oder weniger zu High Noon aufgenommen – Lichtverhältnisse wie diese sind im allgemeinen nicht ideal, weil sie für störende Schlagschatten und blasse Farben sorgen. Hier trägt die Mittagssonne zur Aufnahme positiv bei, sie unterstreicht die Authentizität, und der Schatten des Hundes auf dem Sand unterstützt visuell den Eindruck des „Fliegens“. Ich hätte hier nur noch die Farben etwas mehr verstärkt, denn sie sind mir etwas zu ausgebleicht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Antworten
  1. Uwe S. says:

    Hund ist drauf, Schatten ist drauf, alles ist gut. Himmel, ok den brauch ich nicht, denn er macht mir das Bild zu bunt und drückt den Hund optisch etwas nach unten. Aber die eingefangene Energie hält auch das aus.

    Antworten
  2. Jörg Oertel says:

    Vielen Dank für die freundliche, positive Kritik!

    Drei Anmerkungen zur Kritik von Sofie Dittmann und zum Kommentar von Georg möchte ich machen.
    1. Kräftigere Farben: damit habe ich experimentiert, mich dann jedoch dafür entschieden, die Farben zu lassen, wie sie sind. Die Farben an meiner Hündin sind absolut natürlich, und die kräftige spanische Sonne ließ eben die Umgebung so aussehen.
    2. Schnappschuss: es ist eine geplante Aufnahme. Wenn bei der ersten Serie dieses Motiv nicht geklappt hätte, wäre Lucy eben nochmal gerannt. Und nochmal… :)
    Bei der hohen Serienbildgeschwindigkeit der D300s war es nur eine Frage der Zeit, bis im richtigen Moment ausgelöst wird.
    3. Beschneidung am oberen Rand: Ich hatte auch damit experimentiert. Aber zum einen nimmt es dem Bild etwas von der abgebildeten Dynamik, wenn das Format geändert wird, und zum anderen fehlt dann das Blau.

    Viele Grüße,
    Jörg

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    • Micha says:

      Tolles Foto!
      Ich finde ein positives Beispiel dafür, dass man in Ausnahmesituationen das Motiv direkt ins Bildzentrum setzen kann ohne an Spannung zu verlieren.

      Darf ich fragen, welche Fokuseinstellungen Sie genutzt haben und wie viele Bilder aus der Serie nichts geworden sind?
      Mir will soetwas nicht so richtig gelingen.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann says:

      Es wirkt für mich dennoch wie ein Schnappschuß, und das ist zunächst einmal nichts Schlechtes. Gottseidank war er im Kasten, bevor Lucy einen Herzkasper bekommen hat. :)

    • Jörg Oertel says:

      @Micha:
      Richtig nichts geworden ist ein einziges Bild, bei der Autofokus auf den Hintergrund scharf gestellt hatte. Aber die anderen Bilder der Serie sind eben einfach Bilder von einem rennenden Hund, wie man sie schon zuhauf gesehen hat. Nicht schlecht, alle scharf und schön eingefroren und freigestellt, aber eben nichts besonderes.

      Für die Aufnahme habe ich Fokus (AF-C) und (Spot-)Belichtungsmessung auf das zentrale Sensorfeld gelegt.
      Belichtungszeit wie beschrieben 1/2500s. Die Zeit hatte ich so gewählt, dass bei dem vorhandenen Licht die Blendenautomatik eine große Öffnung wählen musste.

      Ich hatte den AF des Objektivs vorher schon feinjustiert. Der AF des Objektivs ist schnell genug, immerhin hatte der Hund mindestens 30-40km/h drauf.

    • Jörg Oertel says:

      @Sofie:
      Lucy ist ja noch jung und fit wie’n Turnschuh. Die hätte ohne Probleme noch ein paar mal rennen können :)

    • Micha says:

      @Jörg

      Danke für die Infos. Sehr hilfreich.

      Ich nutze zwar ein anderes System, werde das aber so mal probieren. Bisher hatte ich immer recht viel Ausschuss, meist weil nicht richtig fokussiert wurde, trotz Fokusjustierung.

      Gruß, Micha

  3. Georg says:

    Wow, was für ein tolles Foto, das – zumindest in dieser kleinen Version – auch sehr scharf wirkt. Der Schatten ist dazu noch ein besonders „Highlight“.
    Abgesehen von etwas kräftigeren Farben hätte ich ggf. das Bild oben noch beschnitten, aber das ist letztlich Geschmackssache.
    Wirklich klasse, das Bild! :-)

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