Leserfoto:
Licht haucht den Figuren auf der Bühne Leben ein

Im Theater oder generell bei der Bühnenfotografie können wir die Beleuchtung nicht beeinflussen, sondern müssen mit der Aufnahmetechnik die besten Ergebnisse herausholen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Lukas B.).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Lukas B.).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto habe ich in einem amerikanischen High School Musical aufgenommen. Mir gefallen sehr gut die Bildausschnitte, die Farben und die Ausdruecke.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Lukas B.:

Das Bild von Lukas B. zeigt sehr gut, wie schwierig es doch ist von Bühnenstücken gute und druckbare Bilder zu bekommen. Wie er finde auch ich, dass die gedämpfte Farbigkeit der Aufnahme einen Eindruck der Zeit vermittelt, in der das amerikanische Musical spielt. Der Gesichtsausdruck des Interviewten ist auch recht ausdrucksstark. Das muss er ja aber auch sein, schliesslich ist er in diesem Moment Schauspieler und muss durch seine Mimik auch den entfernteren Zuschauern noch zeigen, was er denkt, fühlt und sagen will.

Lukas hat für diese Fotografie ein sehr nahe Position an der Bühne inne gehabt, was bei größeren Aufführungen nicht immer gelingt. Dadurch bekommen wir als Betrachter schon etwas das Gefühl mittendrin zu sein, was noch einen Hauch besser wäre, wenn die Darsteller auch in die Richtung der Kamera also direkt zu den Zuschauern geguckt hätten.

Wenn ich für meine Agentur in der Oper oder im Theater fotografiere, wird immer gewünscht, das der Schauspieler denjenigen der das Foto ansieht direkt anschaut, ihm somit Nähe vermittelt.

Das nächste Problem bei der Bühnenfotografie ist, wie in der Überschrift angekündigt, das Licht. Wir als Fotografen können es nicht beeinflussen, sollten dies auch nicht versuchen, durch blitzen etwa. Das wird nicht gern gesehen, gelinde gesagt und zerstört auch die Stimmung des Bühnenbildes, welche ja extra für das Stück durch ein riesiges Aufgebot an Schweinwerfern erzeugt wird und wesentlich zum Erfolg beitragen soll.

In Lukas Bild ist der Lichtkegel schön auf den Hauptdarsteller gerichtet. Sein Gesicht ist optimal beleuchtet und lenkt so die ganze Aufmerksamkeit auf ihn. SO soll es sein! Nur für einen Abdruck in der Zeitung oder in einem Magazin zum Beispiel ist zuviel Schwarz im linken Bereich. Dort ist keine Information und es wird nur teure Tinte verschwendet. Ich denke für den Hausgebrauch und zum Erfreuen am Computermonitor spielt das keine Rolle, aber als Hinweis vom Berufsfotografen wie die Branche tickt, wollte ich dir das nicht vorenthalten.

Ich habe das Bild in Photoshop noch etwas in den dunklen Bereichen aufgehellt, somit sehen wir auch etwas mehr von den Gesichtern der PRESS-Leute.

Direkt bei der Aufnahme hättest du noch ein wenig überbelichten können ohne das die hellen Gesichter ausfressen, aber auch nicht viel mehr, denn an der Stirn des mittleren Herrn sind schon sehr helle Stellen zu sehen.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass die Bühnenfotografie ein Feld der Fotografie ist, die viel Übung, Antizipation und Nacharbeit erfordert. Du musst oft etliche Bilder schiessen, bis das eine optimale Foto heraus kommt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Kommentare

  1. Vielen Dank erstmal fuer die ausfuehrliche und sehr gute Kritik!
    Da dieses Bild bei der Generalprobe aufgenommen wurde konnte ich mit meiner Kamera (mit 135mm f2 Festbrennweite) fast ueberall hin. In ihrer Kritik schreiben sie dass es besser waeren wuerde wenn der Hauptdarsteller direkt in die Kamera geguckt hat, mir persoenlich gefaellt aber diese Einstellung besser weil dadurch der Ausdruck des Interviewten viel besser sichtbar ist. Ich denke auch dass das Foto ein wenig von seiner Dynamik verlieren wuerde wenn es ein totales Frontalportrait geworden waehre. Andererseits sind dies nur meine Gedanken, – vielleicht wuerde es ja ganz anders und viel besser aussehen haette ich das Bild nach ihrem Vorschlag gestaltet!
    Ein anderer Punkt ist das Licht: Wie sie schon schreiben ist es sehr schwer in einem Theater gutes Licht zu bekommen. Da ich gluecklicherweise mit einem Blende 2 Objektiv unterwegs war hatte ich damit nicht ganz so viele Probleme. Mir gefaellt allerdings ihre Photoshop Bearbeitung nicht so sehr, ich finde dass Foto wirkt unnatuerlich und die besondere Lichtstimmung dieser Szene (wie sie ja schon schreiben: “Stimmung des Bühnenbildes, welche ja extra für das Stück durch ein riesiges Aufgebot an Schweinwerfern erzeugt wird und wesentlich zum Erfolg beitragen soll.”) wird fuer mich zerstoert. Vielleicht haette man die Belichtung ein wenig anders veraendern sollen, so dass diese tolle Lichtstimmung nicht zerstoert wird. Dies sind meine Gedanken zu ihrer Kritik!
    Vielen Dank noch einmal fuer ihre ausfuehrliche Kritik und vielleicht werde Ich noch ein paar andere meiner Fotos aus diesem Musical hochladen!

  2. Das Motiv ist super. Ein genervter Interviewter, der von zwei Reportern in die Zange genommen wird. Nett, aber zu offensichtlich, ist das Detail auf dem Hut des hinteren Reporters…dazu kann der Fotograf aber nichts.

    Die Anordnung der Figuren auf dem Bildausschnitt finde ich so okay.

    Das Bild ist leider leicht unterbelichtet und der schwarze Hintergrund stört den Gesamteindruck. Ich denke, dass ist teils ein Problem der der konkreten Beleuchtungssituation, welche der Fotograf nicht abschalten kann.
    Eine Möglichkeit wäre, die eigene Position weiter nach links zu bewegen, so dass die Abstände zwischen den Personen zwar größer werden, aber der Gesamtkontext erhalten bleibt. Mit dieser Verschiebung der eigene Position würde sich natürlich auch der Hintergrund (die 2 beleuteten Personen) weiter ins Zentrum schieben und den schwarzen Bereich verkleinern.

    Dafür müsste man im Theater aber mobil sein, was recht selten vorkommt.

  3. Theater wird nun mal für das Publikum gespielt. Demnach werden Lichtsetzung und die Posen der Schauspieler so inszeniert, dass sie im Publikum optimal rüber kommen. Doch während einer Aufführung würde ein Fotograf mitten im Publikum stören.

    Welche Möglichkeiten hat man? Man kann wie hier von der Seite mit langen Brennweiten arbeiten, was die Szene bedenklich verdichtet und zu den diskutierten Problemen mit dem schwarzen Hintergrund führt. Auch kann man kaum einmal den Blickkontakt einfangen. Alternativ wäre es evtl. möglich von hinten zu arbeiten, wo man beste Lichtführung hat und die Sänger nahezu in die Kamera blicken, aber mit noch längeren Brennweiten werden die Akteure förmlich in das Bühnenbild gebrannt.

    Der Königsweg ist nicht immer möglich: Fotografieren bei Kostümprobe oder Generalprobe. Weder Regisseur, noch Schauspieler wollen dabei gerne gestört werden, aber wenn man ganz lieb fragt, darf man vielleicht beim Warm-up ein kleines Shooting veranstalten.

  4. Mir selber gefällt die nachbearbeitete Version besser. Ich finde die Lichtstimmung verliert hier nicht so sehr und bei der Originalaufnahme fand ich besonders den hinteren Schauspieler unangenehm dunkel. Aber was mich interessieren würde, (zumindest auf meinen Monitor) wirkt die rechte Hand des mittleren Schauspielers unnatürlich blau. Gibt es dafür eine Erklärung?

  5. Ich moechte auch nur einmal anmerken, dass die bearbeitete Version dem Bild die Stimmung nimmt. Den Reporter im Hintergrund ein klein wenig selektiv aufhellen, ok, aber dem ganzen Bild in ein Tageslichtflair geben? Ich denke, das ist uebers Ziel hinaus geschossen.

    Diese Kritik kommet allerdings von einem Techie, der Techik bei der Fotographie verabscheut. So war’s getroffen, so soll es sein. Mit Photoshop kann ich deine Frau und Ron Jeremy “vereinen”. Ist m.E. nicht der Sinn der Sache.

  6. Mir geht es hier ähnlich, wie Lukas und Thomas.
    Auch ich finde, dass die aufgehellte Version ein wenig unnatürlich wirkt und der Aufnahme das Besondere nimmt.
    Mich persönlich stört es auch nicht sosehr, obwohl leichtes Aufhellen mit Sicherheit von Vorteil wäre, dass man die Gesichter der Interviewer im Original kaum erkennen kann, da sie m.M. nach nicht das Wichtige in diesem Bild sind. Durch die vielen unterbelichteten Stellen im Bild wird, wie auch in der Bildkritik angemerkt, der Blick des Betrachter ganz auf das ausdrucksstarke Gesicht des Mannes in der Mitte gezogen.

    • Was mich allerdings etwas stört, nur, dass der Fotograf nichts dafür kann, sind die leuchtend gelben Oberteile der Männer am oberen Bildrand, die die Blicke doch sehr auf sich lenken.

  7. Es schiene mir interessant, einmal die aufgehellte Variante von Thomas mit einer Abdunkelung der zum Bildgeschehen wenig beitragenden Hintergrundfiguren zu kombinieren. So ließe sich m. E. ein schöner Chiaroscuro-Effekt erzielen, der die Wirkung des Bilder unterstreichte.

  8. Ich habe selten gesehen, wie ein Bild dermaßen “kaputt bearbeitet” wurde.

    Ich finde den Bildausschnitt auf dem Originalbild nicht gut gewählt, wegen des großen Freiraumes links. Die Belichtung finde ich jedoch absolut gelungen.

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